Handel mit Nachbarländern
Lokaler Versuchsballon

Die chinesische Führung setzt auch in der Krise auf die enge Bindung an den Dollar und will auf keinen Fall radikale und schnelle Schritte vollziehen. Allerdings hat die Führung in Peking erlaubt, den chinesischen Yuan im regionalen Handel mit Nachbarnländern zu nutzen. Doch noch ist der Yuan weit davon entfernt, zur Handelswährung in Asien zu werden.
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PEKING. Kein Wunder, denn die nicht-konvertible chinesische Landeswährung wird in Peking als einer der Hauptgründe gesehen, warum China bei der Asienkrise Ende der neunziger Jahre relativ ungeschoren davongekommen ist.

Doch der wirtschaftliche Fall des großen Vorbilds Amerika sorgt bei Pekings Topbankern nun für eine tiefe Verunsicherung. China müsse darum seine Landeswährung für einen internationalen Einsatz - etwa als alternative Währungsreserve - vorbereiten, heißt es in chinesischen Medien.

Als erster Schritt in diese Richtung wird gesehen, dass die Führung in Peking erlaubt hat, den chinesischen Yuan im regionalen Handel mit Nachbarnländern zu nutzen. So kann seit Dezember die chinesische Landeswährung für die Abwicklung von Geschäften zwischen dem Jangtse- und dem Perlflussdelta mit den Firmen in Hongkong und Macao benutzt werden.

Ähnliche lokale Vereinbarungen wurden von Peking bereits mit acht angrenzenden Ländern geschlossen, darunter mit der Mongolei, mit Russland und mit Vietnam. "Das ist eine faszinierende Entwicklung und sicherlich auch Teil der Pekinger Ambitionen, den Yuan zumindest in der Region einsetzbar zu machen", sagt Stephen Green, Volkswirt bei der Standard Chartered Bank in Schanghai.

Peking bietet zudem ausländischen Einkäufern von chinesischen Waren seit kurzem Yuan-Kredite an, die in der chinesischen Landeswährung zurückgezahlt werden müssen. "Das ist gut, da die Händler der asiatischen Region dadurch mit der chinesischen Währung vertrauter werden", meint Mei Xinyu, Volkswirt vom chinesischen Handelsministerium.

Doch die meisten Analysten sehen die regionale Yuan-Ausweitung eher als einen lokalen Versuchsballon. Die Nutzung werde sehr begrenzt bleiben, meint Tai Hui, Südostasien-Analyst bei Standard Chartered Bank. "Auch ich sehe das als eine interessante Entwicklung, aber nicht als großen Durchbruch des Yuan zur Handelswährung in Asien."

Doch der regionale Währungstest sei vielleicht nur der Anfang, sind sich einige Finanzexperten sicher. "Auf lange Sicht", so etwa Ex-Notenbankerin Wu Xiaoling, "sollte die Finanzwelt mehr Auswahl haben - der Yuan kann sicherlich eine Option dabei sein." and

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