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Auf den ersten Blick bieten Anleihen von Unternehmen wieder das, wonach sich Anleger vor einem Jahr noch gesehnt haben: Ordentliche Renditen, und zwar mehr als sichere Staatsanleihen. Investoren sollten ihr Portfolio aber defensiv ausrichten.

FRANKFURT. Renditen von deutlich über vier Prozent für eine überschaubare Laufzeit von etwa fünf Jahren. Wer vor einem Jahr zum Beispiel eine Anfang 2010 fällige Anleihe der Deutschen Telekom kaufen wollte, musste sich mit einer Effektiv-Verzinsung von gerade mal 2,80 Prozent zufrieden geben. Heute gibt es für einen fünfjährigen Telekombond wieder knapp 4,50 Prozent Rendite.

„Trotz der jüngsten Kursrückgänge und Renditeanstiege sind Unternehmensanleihen mit Ratings im Investment-Grade aber noch nicht attraktiv“, sagt Uwe Burkert, Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Denn auch die Renditen der Staatsanleihen sind gestiegen, und die Risikoprämien – die Renditeabstände von Firmen- im Vergleich zu Staatsbonds – haben sich nur ganz leicht erhöht. Im Schnitt bekommen Anleger für Unternehmensanleihen mit Ratings im relativen sicheren Investment-Grade heute gut 0,6 Prozentpunkte mehr Rendite als für Staatsbonds; Anfang des Jahres lagen die Spreads nur knapp darunter. Investoren wird das Ausfallrisiko, das bei Firmen höher als bei Staatsbonds ist, also nur gering entgolten.

Bei hochverzinslichen auf Euro lautenden Unternehmensanleihen mit Ratings im Non-Investment-Grade sind die Risikoaufschläge in diesem Jahr sogar auf im Schnitt 3,2 Prozentpunkte zurückgegangen. Die Papiere brachten Anlegern so Gesamterträge aus Kursentwicklung und Zinseinnahmen von gut drei Prozent. Mit Unternehmensanleihen, die von den Ratingagenturen als Investment-Grade eingestuft werden, machten Anleger dagegen in diesem Jahr bislang Verluste von durchschnittlich gut zwei Prozent.

Privatanlegern raten Strategen trotzdem von Einzelinvestments in hochverzinslichen Unternehmensanleihen mit schlechtem Rating ab. Die Ausfallrisiken bei den so genannten Junk-Bonds (Schrottanleihen) gelten als zu hoch. Und sie können schnell steigen, wenn Unternehmen einmal die Schwelle vom Investment-Grade zum Non-Investment-Grade überschritten haben. Prominentes Beispiel dafür sind die Autogiganten General Motors und Ford, die schon lange mit ihrem Kerngeschäft Autos Geld verlieren und dazu unter hohen Gesundheits- und Pensionsverpflichtungen für ihre Mitarbeiter ächzen. Die Ratings der Konzerne lagen vor einem Jahr noch auf der untersten Stufe des Investment-Grade, seitdem sind sie sukzessive um bis zu sechs Stufen gefallen.

Gerade für Anleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten wollen, bleiben also nur Bonds im Investment-Grade. „Bei diesen gibt es durchaus noch Anlagemöglichkeiten“, sagt Kirsten Werner, Anlagestrategin für Unternehmensanleihen bei der Deutschen Bank. Anleger sollten ihr Portfolio aber im aktuellen Umfeld defensiv ausrichten, betont Werner. Dafür gibt es verschiedene Strategien. Als defensiv gelten zum einen Unternehmensanleihen mit guten Ratings im Bereich Doppel-A oder Einfach-A. Solche guten Bonitätsnoten finden Anleger vor allem bei Banken und bei Versorgern. Die Ertragslage der Banken hat sich deutlich verbessert, und die Institute unterliegen dazu noch der besondern Aufsicht der Finanzbehörden. Mit vorrangigen Bankenanleihen bekommen Anleger im Schnitt 0,4 Prozentpunkte mehr Rendite als für Bundesanleihen.

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