30-jährige Anleihen
Investoren überhäufen Deutschland mit Geld

Deutschland platziert Anleihen mit sehr langer Laufzeit zu Rekordkonditionen. Die Nachfrage übertrifft das Angebot um das Doppelte. Die Finanzagentur nennt das Ergebnis der Auktion „beeindruckend“.
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Berlin Deutschland zahlt auch bei Anleihen mit extrem langer Laufzeit rekordniedrige Zinsen. Die Versteigerung einer 30-jährigen Anleihe spülte dem Bund knapp 2,5 Milliarden Euro in die Kassen, teilte die mit dem Schuldenmanagement beauftragte Finanzagentur am Mittwoch mit. Die Gläubiger begnügten sich mit einer durchschnittlichen Rendite von 2,62 Prozent. „Einen niedrigeren Zins gab es noch nie bei einer Versteigerung in diesem Segment“, sagte der Sprecher der Finanzagentur, Jörg Müller. Bei der Auktion im Oktober waren es 2,82 Prozent.

„Die Bundesregierung spart durch die Schuldenkrise Zinsen in Milliardenhöhe“, sagte der Experte des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW), Markus Mill. Der Durchschnittszins für zweijährige Bundesschatzanweisungen habe von 2000 bis 2008 bei 3,42 Prozent gelegen, von 2009 bis 2011 aber nur noch bei 1,11 Prozent. Bei zehnjährigen Bundesanleihen sei er von 4,27 auf 2,91 Prozent gesunken. „Allein in diesen beiden Anleiheklassen hat der Bund in den vergangenen drei Jahren 45 Milliarden Euro gespart“, sagte Mill.

Trotz geringer Rendite boten die Investoren insgesamt fünf Milliarden Euro. Damit war die Auktion um das 2,1-Fache überzeichnet, im Oktober dagegen nur 1,1-fach. „Das Ergebnis der Auktion ist beeindruckend“, sagte Müller. „Investoren suchen und vertrauen der Qualität der Papiere.“ Analysten sehen das ähnlich. „Der Appetit auf deutsche Wertpapiere ist groß, trotz der hohen Staatsverschuldung“, sagte Annalisa Piazza von Newedge. Ein Grund dafür könnte auch die reichliche Versorgung der Banken mit billigem Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) sein. Sie liehen sich im Dezember fast eine halbe Billion Euro für drei Jahre bei der EZB zum Leitzins von derzeit einem Prozent. Einen Teil investieren sie in Staatsanleihen.

Seit Jahresbeginn zeigen die Zinsen bei allen Auktionen des Bundes nach unten. Bei zweijährigen Schatzanweisungen fielen sie mit 0,17 Prozent ebenso auf ein Rekordtief wie bei zwölfmonatigen Geldmarktpapieren mit 0,07 Prozent. Bei der Auktion von Papieren mit sechsmonatiger Laufzeit gelang sogar ein bis dato einmaliges Kunststück: Anleger zahlten eine Prämie, um ihr Geld beim Bund zu parken. „Egal welches Segment bedient wird, das Ergebnis scheint immer dasselbe zu sein“, sagte Michael Meister von der DZ Bank. Die niedrige Rendite bei der Auktion deute aber auch auf eine „durch Unsicherheit gekennzeichnete Marktsituation“ hin, so die Finanzagentur. Die Anleihe läuft bis Juli 2042 und ist mit einem Kupon von 3,25 Prozent ausgestattet.

Deutschland gilt bei Anlegern als sicherer Hafen. Sie sind deshalb bereit, auf Rendite zu verzichten. Als eines der wenigen Industrieländer wird die Bundesrepublik von den drei großen Ratingagenturen mit der höchsten Bonitätsnote AAA bewertet. Sie ist S&P zufolge auch dann nicht gefährdet, wenn die Wirtschaft in diesem Jahr in die Rezession abgleitet. Der Bund will sich 2012 deutlich weniger Geld von Investoren leihen: 250 Milliarden Euro sollen es sein, 2011 waren es 275 Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Auch die "Bilanz Deutschlands" besteht bekanntlich aus Soll und Haben! Die Ersparnisse beim Zinsaufwand werden vermutlich mehr als kompensiert durch Abschreibungen fauler Wertpapiere bei der EZB und durch verlorene Zuschüsse an die PIIGS-Länder. Sollte Deutschland in die Rezession abgleiten, wird das Marktrating automatisch dafür sorgen, daß die Zinsen je Laufzeit wieder steigen. Dazu bedarfs es gar keiner Sandard & Poors, deren "Expertise" eh immer nachlaufend ist. Der Euro verschleiert ökonomische Wirkungen, die bei Wechselkursregimen offen zu Tage treten würden. So werden ökonomische Strukturprobleme in den politischen Hinterzimmern diskutiert. Transparenz, Wohlfahrt und Demokratie gehen mit dem Euro dahin!

  • Deutschland hat (absolut) die höchsten Abgaben an die EU! Und auch relativ im Bezug auf die Einwohner zahlen wir mehr als z.B Griechenland oder Portugal!
    Dann muss Deutschland 22 Mrd. Euro Bareinzahlungen in den ESM stecken. Der ist beschlossene Sache. Also das Geld ist Futsch!!! Mal abgesehen von den ganzen Garantien.
    Und jetzt haben wir vllt 1. Mrd Euro vorteil aufgrund von Zinsen? Wo profitieren wir da?????

    Deutschland ist nicht der größte Profiteur. Kapiert?

  • @ 3844apt: Schwachsinn

    Das was wir an Zinsen jetzt gespart haben, haben wir vorher schon lange in den Rettungsschrim gesteckt. Und das Geld ist weg! Also unterm Strich stehen wir nicht besser da. Auch sind unsere Abgaben an die EU höher als die der anderen Länder.

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