Alternative zu öffentlichen Bonds und Krediten
Markt für Privatplatzierungen boomt

Das Refinanzierungsinstrument der US-Privatplatzierungen lebt wieder auf: Bis Ende Juli haben Unternehmen nach Daten der Deutschen Bank weltweit Anleihen über insgesamt gut 24 Mrd. $ gezielt an Investoren in den USA verkauft. Das sind jetzt schon fast so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Die Marke von 20 Mrd. $ in einem Halbjahr war zuletzt 1990 deutlich überschritten worden. Investmentbanker glauben, dass der Markt weiter wachsen wird.

FRANKFURT/M. Dabei blüht er mehr oder weniger im Verborgenen. Einen großen Markt für Privatplatzierungen gibt es nur bei den Investoren in den USA. Dabei werden die Anleihen nicht öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben, sondern an ausgesuchte amerikanische Großanleger – vor allem Versicherungen – veräußert. „Ein Deal von im Schnitt rund 100 Mill. Dollar wird in der Regel bei fünf bis sieben Investoren platziert“, sagt Conrad Owen, Leiter des Teams für US-Privatplatzierungen bei der Deutschen Bank in New York. Die Laufzeit der Papiere von meist zwischen fünf und 15 Jahren ist recht lang.

Die Investoren werden von den Unternehmen mit wichtigen Kennzahlen und Hintergrundinformationen versorgt, öffentlich müssen die Firmen aber kaum Daten publizieren. Auch ein Rating von den großen Agenturen ist für eine Privatplatzierung nicht nötig. „75 bis 80 Prozent der von uns an den Markt gebrachten Emittenten haben kein externes Rating“, sagt Owen.

„Die meisten Investoren bilden sich ihr eigenes Urteil über die Kreditqualität“, sagt auch Chris Schilling, zuständig für internationale Privatplatzierungen bei Banc of America Securities in London. Lediglich nach der Platzierung bekommen die Papiere ein Rating von der National Association of Insurance Commissioners (NAIC), der Selbstregulierung der US-Versicherer.

Weil Privatplatzierungen für Unternehmen, die kein externes Rating haben, weniger aufwendig als öffentliche Bondemissionen sind und Banken nicht mehr so leicht Kredite vergeben wie früher, nutzen vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen die Privatplatzierungen. „Dabei hat sich der Markt auch für europäische Unternehmen als attraktive Finanzierungsquelle erwiesen“, sagt Schilling. Ein Grund dafür seien auch die historisch immer noch niedrigen Kapitalmarktzinsen in den USA. Der Risikoaufschlag für Emissionen mit einer mittleren Kreditwürdigkeit liegt für eine Laufzeit von zehn Jahren bei rund 1,40 Prozentpunkten über US-Staatsanleihen. „In der Regel ist die Refinanzierung über eine Privatplatzierung nicht teurer als über eine öffentliche Bondemission“, sagt Owen.

Mehr als die Hälfte der Privatplatzierungen an US-Investoren kommt inzwischen aus Europa. In diesem Jahr haben unter anderem die französische Werbeagentur JC Decaux und der Spirituosenhersteller Campari Anleihen privat bei US-Investoren platziert. Der größte Deal kam vom luxemburgischen Satellitenbetreiber SES Global über 1,045 Mrd. $. Die größte Transaktion aus Deutschland – 500 Mill. $ – brachte Bertelsmann an den Mann. Damit löste der Medienkonzern Bankkredite ab. „Wir stellen unsere Finanzierung auf eine breitere Basis“, erklärte Finanzvorstand Siegfried Luther nach der Emission im April. Für die Anleihe von Bertelsmann war die Nachfrage drei Mal höher als das Angebot.

Schilling und Owen erklären das Interesse der US-Investoren an Privatplatzierungen damit, dass es am relativ überschaubaren Markt keine Skandale wie bei Enron und Worldcom gab, die das Vertrauen der Anleger erschüttert hätten. Außerdem, ergänzt Owen, hätten gerade die US-Lebensversicherer nach den Terroranschlägen vom 11. September mehr Policen verkauft und mehr Geld zum investieren. „Einige Investoren haben uns schon gesagt, dass sie im nächsten Jahr noch einmal doppelt so viel Geld in US-Privatplatzierungen anlegen wollen, wie in diesem“, verrät Owen.

Dabei sei es für Firmen aus Europa genau so leicht wie für die aus Amerika, Investoren bei Privatplatzierungen zu gewinnen. Die Unternehmen müssten lediglich unter Beweis stellen, dass sie über die letzten drei bis fünf Jahre stabile Cash-Flows erwirtschaftet hätten, und die Einstufung der NAIC sollte „Investment Grade“ sein, also die Noten NAIC-1 oder NAIC-2 haben, sagt Owen. Zudem sollte der Umsatz des Unternehmens in der Regel bei mindestens 500 Mill. $ liegen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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