An die Preisentwicklung gekoppelte Bonds aus Frankreich und Italien sind gefragt
Finanzministerium drängt auf Anleihen mit Inflationsschutz

Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Bundesrepublik im nächsten Jahr erstmals Anleihen begeben wird, deren Zins- und Tilgungszahlungen entsprechend der Inflationsrate steigen.

FRANKFURT/M. „Zurzeit prüfen wir in Zusammenarbeit mit der Finanzagentur, ob auch der Bund inflationsindexierte Anleihen begeben sollte. Wir wollen rasch zum Ziel kommen“, sagt der zuständige Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, in einer Publikation der Finanzagentur. Diese ist der Schuldenmanager des Bundes. Schon in deren Juli-Newsletter hieß es, man teste inflationsindexierte Anleihen.

„Mit diesen Aussagen bereitet die Finanzagentur den Markt auf die Einführung von Anleihen mit Inflationsschutz vor“, sagt Bernd Weidensteiner, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Asmussen weist in dem Interview allerdings auch darauf hin, dass die Entscheidung von der Zustimmung der parlamentarischen Gremien abhänge. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Finanzagentur und Finanzministerium die inflationsgebunden Bonds zwar gerne einführen wollen, es aber es noch Hindernisse gebe, meint Christoph Rieger, Zinsstratege bei Commerzbank Securities.

In Großbritannien, Schweden, Frankreich und den USA gibt es Anleihen mit Inflationsschutz schon lange. Im September hat Italien seinen ersten an die Preisentwicklung gekoppelten Bond auf den Markt gebracht. Dabei war die Nachfrage riesig. Im Juli gab Griechenland sein Debüt am Markt für Inflations- Bonds. In der Euro-Zone machen die inflationsgebunden Anleihen aber mit 50 Mrd. € gerade mal 1,5 % des insgesamt 3 500 Mrd. € schweren Markt für Staatsbonds aus.

Dabei gibt es nur wenige Anleihen, die an die Preisentwicklung der Euro-Zone gekoppelt sind. Die anderen so genannten Linker richten sich nach der Inflationsrate des emittierenden Landes.

Für Investoren liegen die Vorteile der Anleihen mit eingebautem Versicherungsschutz gegenüber inflationären Entwicklungen auf der Hand. Mit den Bonds stellen sie sicher, dass Kapital und Verzinsung nicht von den Preissteigerungen aufgezehrt werden. „Das ist gerade für Pensionskassen wichtig, deren AusZahlungen an die Lohnentwicklung gekoppelt sind, die wiederum eng mit der Preisentwicklung zusammenhängt“, erklärt Weidensteiner. Wenn die Inflationsrate sinkt, verringert sich bei den Bonds der Euro-Zone nur die Verzinsung. Der Rückzahlungsbetrag von 100 % des Nominalwerts wird dagegen – anders als in Großbritannien – garantiert.

Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 1,1 % und in der Euro-Zone bei 2,1 %. Ein negativer Preistrend könne für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen werden, meint Weidensteiner. Er empfiehlt die Papiere als Depot-Beimischung.

Ein Problem für deutsche Privatanleger ist indes, dass inflationsindexierte Anleihen steuerrechtlich als Finanzinnovation gelten. Das heißt, dass die Anleihebesitzer immer neben den Zinserträgen auch Kursgewinne voll versteuern müssen.

Als sicher gilt, dass der Bund, sollte er sich für Anleihen mit Inflationsschutz entscheiden, diese an die Preisentwicklung der Euro-Zone koppeln muss. Denn nur an die geringe deutsche Teuerungsrate gebundene Papiere wären unattraktiv.

Für die Emittenten machen die Papiere Sinn, weil sie absolut niedriger verzinst werden als herkömmliche Bonds. Wenn die Inflation niedrig bleibt, ist die Refinanzierung deshalb günstig. Als zusätzliche Motivation für den Bund gilt die Konkurrenz mit Frankreich um die Führungsrolle am Bondmarkt.

Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet, dass Frankreich im nächsten Jahr inflationsgebunden Anleihen über 15 Mrd., Italien über 10 Mrd. und Griechenland über 2 Mrd. € begeben wird.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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