Angst vor Ramschstatus
Ungarn kriegt Staatspapiere schwer los

Während sich Europa derzeit um seine Schäfchen Griechenland und Italien kümmert, fängt es bereits anderorts zu lodern an. So wird es für EU-Mitglied Ungarn derzeit immer schwerer an frisches Geld zu kommen.
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Frankfurt/DüsseldorfUngarn hat am Montag eine Auktion von sechswöchigen Schatzanweisungen bei schwacher Nachfrage platzen lassen, nachdem die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch vor einer Bonitätsabstufung Ungarns auf Ramschniveau gewarnt hatten.

Die staatliche Schuldenagentur beendete die Auktion der Staatspapiere, nachdem ihr Angebot von 50 Milliarden Forint (160 Millionen Euro) gerade einmal auf Gebote in Höhe von insgesamt nur 36 Milliarden Forint traf.

Einem Bericht der deutschsprachigen Budapester Tageszeitung Pester Lloyd zufolge kein Einzelfall. Es werde für den ungarischen Staat immer schwieriger vor allem die mittel- und langfristigen Staatsanleihen zu vernünftigen Zinsen auf den Markt zu bringen. So hätten zuletzt Auktionen von Staatspapieren mangels Nachfrage immer öfter ganz abgesagt werden müssen.

In der Folge zogen die Credit Default Swaps (CDS) an. Die Absicherung fünfjähriger ungarischer Anleihen stieg um elf Basispunkte auf 579 Basispunkte, dem höchsten Wert seit März 2009.

Bereits am Wochenende hatte die Ratingagentur Standard & Poor's vor einer Herabstufung der ungarischen Bonitätsnote gewarnt. Die unberechenbaren Schritte der Politik belasteten die mittelfristigen Wachstumsaussichten, so die Experten. Am Freitag hatte die Konkurrenzagentur Fitch bereits den Ausblick für das Land auf negativ von zuvor stabil gesenkt.

Die drei wichtigsten Ratingagenturen bewerten ungarische Staatsanleihen derzeit mit einer Stufe über dem gefürchteten Ramschstatus. Ungarn ist das am höchsten verschuldete Land Osteuropas. Die Regierung hat ihre zugesagten Reformen bislang nicht vollständig umgesetzt. Experten rechnen damit, dass sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr deutlich verlangsamt. Ungarn ist kein Mitglied der Eurozone.

Martin Barwitzki
Martin Barwitzki
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Angst vor Ramschstatus: Ungarn kriegt Staatspapiere schwer los"

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  • Haben Sie diese Durchhaltepropaganda direkt von dem Orban? Ist ja klar, dass die Schuld immer die andere haben... Rechter Populismus, mit dem er an die Macht kam, hat mit ökonomischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen wenig zu tun. Aber bis die Leute das merken ist es eh zu spät...

  • Die arme Banker sind beleidigt, dass Ungarn die Bankensteuer eingeführt hat und seitdem viele andere Länder diese Steuer eingeführt haben. Zudem möchte Ungarn nicht durch die IMF regieren lassen. Zu viel Eigenständigkeit wird bestraft!

    Wenngleich Ungarn zu den wenigen Länder der Region gehört, deren Budgetdefizit unter 3% liegt und man trotz Eurokrise mit einem soliden Wachstum von 1-1,5% rechnen kann.

    Ein Musterbeispiel für die irreale (vielleicht sogar politische) Entscheidungen der Banken. Hoffen wir, dass sich das irgendwann ändert!

  • Die arme Banker sind beleidigt, weil Orban auf die Idee kam, dass die Banken auch mal Steuer zahlen müssten. Jetzt rächen sich die Institute und das sind viele...
    In Wahrheit gehört Ungarn zu den wenigen Länder in der Region, deren Budgetdefizit unter 3% bleibt und man trotz Eurokrise mit einem soliden Wachstum rechnen kann.

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