Anlehemarkt
Banken streiten über Market Making bei Jumbos

Am Markt für Jumbo-Pfandbriefe erhitzen sich die Gemüter. Emittenten, Investmentbanken, Investoren und Analysten haben ein altes Streitthema wiederentdeckt: Das Market Making unter Banken. Darunter versteht man das Stellen von verbindlichen An- und Verkaufskursen in genau definierten engen Spannen für Aufträge bis zu 15 Mill. Euro. In der Form gibt es diese Praxis nur am Jumbo-Markt.

FRANKFURT. Doch diese Säule des vor über zehn Jahren in Deutschland ins Leben gerufenen Marktes hat erneut Kratzer abbekommen. Denn für die Jumbo-Pfandbriefe der angeschlagenen Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) stellen sich Investmentbanken untereinander seit Wochen keine Kurse mehr. Auslöser dafür waren die Gerüchte über eine mögliche Liquidation der AHBR, für die immer noch kein Käufer gefunden ist. Investoren können AHBR-Jumbos zwar inzwischen wieder kaufen und verkaufen, aber zu schlechteren Konditionen als üblich.

Dabei werden Jumbo-Pfandbriefe – Papiere über mindestens eine Mrd. Euro – seit zehn Jahren mit dem Argument Market Making als besonders sichere und liquide und deshalb als mit Staatsanleihen vergleichbare Zinspapiere verkauft. Als ausfallsicher gelten alle Pfandbriefe, weil ihre Deckung mit Staats- oder Hypothekenkrediten gesetzlich geregelt ist. Für die Liquidität der Jumbos gilt das Marktmachen im Interbankehandel als zentrales Argument: Weil der Handel unter den Banken so genau geregelt ist, können sie professionellen Investoren auf einen Schlag Jumbos eines Emittenten über große Volumina wie zum Beispiel 100 Mill. Euro abnehmen. Denn die Banken wissen, dass sie diesen Batzen, der für die eigenen Bücher zu viel wäre, in Windeseile wieder an andere Banken verkaufen können. Umgekehrt können sie Investoren auch Jumbos in beliebiger Höhe anbieten, indem sie sich dafür bei anderen Market Makern eindecken.

Allein in Deutschland gibt es Jumbo-Pfandbriefe über 380 Mrd. Euro. Für Hypothekenbanken sind Pfandbriefe die günstigste Art der Refinanzierung, und auch für Landesbanken werden sie immer wichtiger. Um so härter trifft die Branche die Krise um die AHBR, auch wenn sich die Pfandbrief-Kurse anderer Emittenten stabil gehalten haben und das Market Making funktioniert. Da Pfandbriefe jedoch als besonders homogenes Produkt gelten, fürchtet die ganze „Pfandbrief-Gemeinde“ stets, dass Patzer bei einem einzelnen Haus das ganze Produkt in Misskredit bringen können. Deshalb wachen alle Beteiligten auch ständig mit Argusaugen über das Produkt Pfandbrief im Allgemeinen und das Produkt Jumbo-Pfandbrief im Besonderen.

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) – wichtigste Lobby-Vereinigung der Pfandbriefhäuser – diskutiert angesichts des AHBR-Debakels das Thema Market Making derzeit mit den großen deutschen Banken. VDP-Hauptgeschäftsführer Louis Hagen hat schon öffentlich angeregt, das Market Making in Krisenzeiten für zum Beispiel 24 Stunden auszusetzen, damit alle Beteiligten die Lage in Ruhe sondieren und den Handel danach wieder geordnet aufnehmen können. Die französische Ixis Corporate and Investment Bank schlägt darüber hinaus vor, die engen Kursspannen zu erweitern. Außerdem könnten sich die Market Maker selbst zu bestimmten Mindesstandards wie Anzahl der Händler und einer Mindestgröße der Handelsbücher verpflichten. Damit könnte die Wahrscheinlichkeit reduziert werden, dass Market Maker aus dem Interbankenhandel zu schnell aussteigen, meint Ralf Grossmann, Pfandbriefanalyst bei Ixis in Frankfurt.

Das Thema AHBR hat aber wieder die generelle Frage aufgeworfen, ob das Market Making unter den Banken für die gesamte gesamte Laufzeit eines Jumbos sinnvoll ist. Verbindlich ist es immer für mindestens drei Banken, meist die Konsortialführer einer Emission. In der Regel sind die Gruppen aber viel größer, weil auch die übrigen Konsortialbanken in die Pflicht genommen werden.

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