Anleihe-Auktion
„Spanien darf nicht zu lange zögern“

Spanien kann sich vergleichsweise günstig am Geldmarkt Euro leihen. Und doch sind die Bond-Investoren skeptisch. Die Südländer sollten endlich Finanzhilfen beantragen, fordern sie. Sonst drohe Ungemach an den Märkten.
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FrankfurtAnhaltende Spekulationen um den Zeitpunkt eines umfassenden spanischen Hilfsantrages in der Schuldenkrise haben am Dienstag für Nervosität an den europäischen Anleihenmärkten gesorgt. Daran änderten auch die rückläufigen Renditen kurzlaufender spanischer Staatspapiere nichts.

Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Titel rutschte zwar wieder unter die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent, lag damit aber immer noch rund 50 Basispunkte über dem Tief vom Freitag. Auf ihrer Suche nach einem "sicheren Hafen" griffen Investoren wieder vermehrt zu Bundesanleihen. Der Bund-Future legte 31 Ticks auf 139,31 Punkte zu.

"Die Märkte warten nur darauf, dass Spanien endlich Hilfe beantragt", sagte Analyst Jo Tominks von der Beratungsfirma 4Cast. "Je länger Spanien zögert, desto ungeduldiger und frustrierter werden die Märkte reagieren."
Bislang hat das Land Geldspritzen für seinen maroden Bankensektor beantragt. Falls das Land komplett unter den Rettungsschirm schlüpft, erfüllt es damit die Vorbedingung für unterstützende Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB), mit der die hohen Zinsen für spanische Staatsanleihen gedrückt werden sollen.

Wenn Spanien noch lange zögere, werde sich der positive Effekt der Ankündigung der EZB-Maßnahmen in Luft auflösen, warnte 4Cast-Experte Tomkins. Andere Börsianer urteilten ähnlich. Wenn Spanien seinen Widerstand nicht bald aufgebe, würden spekulativ orientierte Anleger die Bond-Renditen so lange in die Höhe treiben, bis dem Land keine andere Wahl mehr bleibe.

Seit der Londoner Rede von "Super Mario" Draghi, als der EZB-Chef erstmals Anleihe-Käufe andeutete, sind die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen in der Spitze um mehr als zwei Prozentpunkte gefallen. Bei den zweijährigen Titeln gingen sie zweitweise sogar auf bis zu 2,705 Prozent von 7,182 Prozent unmittelbar vor der Draghi-Rede zurück.

Auch am Devisenmarkt beherrschte das Thema Spanien die Gespräche der Börsianer. So lange dieser Unsicherheitsfaktor nicht beseitigt sei, werde es der Euro schwer haben, sein Viereinhalb-Monats-Hoch vom Vortag zu toppen, sagte Devisenstratege Adam Myers von der Credit Agricole. Die Gemeinschaftswährung kostete am Dienstagmittag 1,3059 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter dem Höchststand vom Montag.

Unabhängig davon blickten Anleger gespannt auf die Ratssitzung der Bank von Japan. Nach der Lockerung der US-Geldpolitik in der vergangenen Woche erwartete Osamu Takashima, Chef-Devisenstratege für Japan bei der Citigroup, einen ähnlichen Schritt. Er gehe davon aus, dass die japanische Notenbank ihre Anleihekäufe um umgerechnet knapp 50 Milliarden Euro ausweiten werde.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anleihe-Auktion: „Spanien darf nicht zu lange zögern“"

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  • Die EZB ist doch, ebenso wie die FED und der ESM, Teil des kriminellen,weltweiten Betrugssystems.
    Solange nicht das Zinseszins-Schuldgeldsystem, also die Geldschöpfung aus dem Nichts, platt gemacht wird, ändert sich absolut nichts.

  • "Je länger Spanien zögert, desto ungeduldiger und frustrierter werden die Märkte reagieren."

    Aber spätestens wenn Deutschland auch einmal unter ein Schirmchen schlüpfen möchte, ist das Spiel endgültig vorbei. Vorher nehmen die "Märkte" natürlich noch Italien und Frankreich mit, nur nichts liegen lassen.

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.

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