Anleiheemission
Gazprom will Schweizer Kapitalmarkt anzapfen

Gazprom wagt sich erstmals seit vier Jahren wieder an den Schweizer Kapitalmarkt. Hinter der Entscheidung steckt aber womöglich ein wirtschaftspolitisches Kalkül - der Energieriese hat Ärger mit der EU-Kommission.
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Der staatliche russische Erdgasexporteur OAO Gazprom hegt offenbar Pläne für eine erste Anleiheemission in Schweizer Franken seit 2009. Wie Bloomberg News von einer mit den Vorgängen vertrauten Person erfuhr, wurden BNP Paribas, Gazprombank und die UBS mandatiert, um in der Schweiz das Interesse potenzieller Investoren zu sondieren. Die Gespräche beginnen am 14. Oktober.

Die Schweizer Privatbanken verfügen nach Angaben von Commerzbank und Union Investment Privatfonds über bereitstehende Mittel für große russische Unternehmen, die eine Finanzierungsoption suchen. Zuletzt haben die beiden größten russischen Banken VTB Group und OAO Sberbank den Franken- Kapitalmarkt angezapft.

Gazprom hat zuletzt seine Finanzierungen vom Dollar weg in andere Währungen diversifiziert und im September eine Pfund- Anleihe an den Markt gebracht. „Gazprom war dieses Jahr in den meisten großen Währungen ziemlich aktiv”, kommentierte Apostolos Bantis, Kredit-Analyst bei der Commerzbank in London per E-Mail. „Sie zielen jetzt darauf ab, ihre Liquiditätsquellen zu diversifizieren, denn sie wollen ihre Präsenz bei den Dollar- und Euro-basierten Investoren nicht zu sehr ausreizen.”

Die Rendite der Franken-Anleihe der Sberbank mit Fälligkeit Februar 2017 ist im Oktober auf 1,79 Prozent und damit um vier Basispunkte gesunken. Die Kreditwürdigkeit der Bank wird mit der drittniedrigsten Investmentgrade-Stufe “Baa1” benotet. Auf derselben Stufe bewertet Moody's Investors Service auch Gazprom und den russischen Staat.

„Der Franken-Markt stellt für russische Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung, wie Gazprom, eine alternative Quelle für Liquidität dar”, schrieb Bantis. „Die Nachfrage kommt meistens von Schweizer Privatbanken, deren osteuropäische Klientel ein Interesse an russischen Adressen hat.”

Gazprom hatte 2009 eine zweijährige Anleihe im Volumen von 500 Millionen Franken aufgelegt. In diesem Jahr beläuft sich das Emissionsvolumen bislang auf 8,4 Milliarden Dollar, wie Daten von Bloomberg zeigen. Die Nettoverschuldung von Gazprom lag nach Bloomberg- Daten zum Ende des ersten Quartals beim 0,5-fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisierung.

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