Anleihemarkt
Die Rückkehr Europas

Die Lage an den Märkten hat sich entspannt. Italien, Spanien oder Portugal zahlen so niedrige Zinsen wie seit Jahren nicht mehr. Die Euro-Retter erklären die Krise schon für beendet. Doch die Jubelmeldungen kommen zu früh.
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DüsseldorfDeutschland und Italien sind sich so nah lange nicht mehr – nicht unbedingt politisch, aber im Ansehen bei Investoren. Der Zins, den die Italiener am Kapitalmarkt für ihre Schulden zahlen müssen, ist in den vergangenen Wochen gesunken. Er liegt so niedrig wie zuletzt vor acht Jahren – gleichzeitig fällt der Risikoaufschlag von italienischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen deutlich geringer aus. Italien muss für seine Anleihen „nur“ knapp zwei Prozentpunkte mehr bieten als Deutschland. Das war lange Zeit anders.

Auch andere Krisenstaaten wie Portugal, Spanien oder Irland sind bei Investoren wieder begehrt. Die Anleiherenditen sind deutlich gesunken. Selbst Griechenland hofft auf eine Rückkehr an den Kapitalmarkt. Heißt das, dass die Euro-Krise überstanden ist? So möchten es die Politik gerne deuten. Vor wenigen Tagen erklärte EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso in London, die existenzielle Krise sei vorüber. Er habe den Eindruck, dass Deutschland in der Zukunft einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden zustimmen werde.

Auf den ersten Blick scheint sich die Lage tatsächlich entspannt zu haben: Nach einer Umfrage des Datenanbieters Bloomberg sind die meisten Finanzexperten der Meinung, die Euro-Zone habe das Schlimmste überstanden. 57 Prozent der knapp 500 befragten Investoren, Analysten und Händler gehen davon aus, dass sich die Lage an den europäischen Anleihemärkten nicht weiter verschlechtern wird. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass eine Mehrheit der Befragten ein Ende des Ausverkaufs sieht.

Sogar die viel gescholtenen Ratingagenturen scheinen Europa wieder wohlwollender zu beurteilen: Moody's stellte Italien gerade erst eine Heraufstufung in Aussicht. Die Bonitätswächter hoben den Ausblick „negativ“ auf „stabil“ an, auch wenn die Note für die Kreditwürdigkeit zunächst bei „Baa2“ blieb. Das südeuropäische Land habe finanzielle Stärke bewiesen, hieß es in einem Kommentar von Moody's am vergangenen Freitag.

Dass am selben Tag die italienische Regierung unter Enrico Letta zerbrach, störte die Investoren überhaupt nicht. Die Kurse der zehnjährigen italienischen Papiere legten zu, entsprechend fiel die Rendite. Sie lag zuletzt nur noch bei 3,61 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen fiel auf 192 Basispunkte. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag die Rendite italienischer Papiere bei 4,5 Prozent, der Risikoaufschlag bei 266 Basispunkten.

Ministerpräsident Letta hatte nach einem wochenlangen Machtkampf mit dem Chef der Demokratischen Partei, Matteo Renzi, seinen Rücktritt erklärt. Renzi arbeitet nun an der Bildung einer neuen Regierung. „Der Konsens ist, dass eine Regierung unter Renzi die Möglichkeit wie auch den Willen haben wird, Reformen vom Parlament absegnen zu lassen“, kommentiert Chris Clark, Stratege beim Londoner Finanzkonzern ICAP.

Kommentare zu " Anleihemarkt: Die Rückkehr Europas"

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  • Die EU ist Europa. Leben Sie damit!

  • Jo. Und die Türkei Boomt. lol.

  • So werden Kosten gespart. http://goo.gl/E7Egse Mit sofortiger Wirkung hat der griechische Gesundheitsminister Adonis Georgiadis sämtliche Polikliniken des Landes geschlossen

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