Anleihen
Griechen-Bonds mit traumhafter Rendite

Griechische Staatspapiere waren 2012 der Renner an der Börse. Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs schafften die Anleihen erstmals seit drei Jahren wieder ein Plus. Viele Anleger hoffen nun auf eine nachhaltige Wende.
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Mutige Investoren, die im Januar 2012 griechische Ramsch-Anleihen gekauft haben, sind dafür kräftig belohnt worden. Sie verdienten im Verlaufe des Jahres 20 Mal so viel wie jene Investoren, die auf deutsche Staatsanleihen samt Top-Bonitätsnote setzten. Griechische Staatsanleihen haben im zu Ende gehenden Jahr eine Rendite von rund 80 Prozent gebracht - verglichen mit 3,7 Prozent bei Bundesanleihen, wie Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Es ist demnach das erste Jahr seit 2009, in dem Investoren mit Bonds aus Griechenland überhaupt Geld verdienen konnten. Und 2012 erzeugte das größte Plus seit 1998, als Merrill mit der Erhebung der Daten begann. Nicht enthalten in den Daten sind die Anleihen-Rückkäufe dieses Monats.

Europäische Staats- und Regierungschef hatten noch vor ein paar Monaten davor gewarnt, dass Griechenlands Verbleib in der Eurozone bei den damals laufenden Wahlen auf dem Spiel steht. Denn jene Parteien des Landes, die sich gegen das ausgehandelte Rettungspaket stellten, konnten immer mehr Wähler auf ihre Seite ziehen. Die aus den Wahlen hervorgegangene Koalitions-Regierung versprach, die von Griechenland eingegangenen Verpflichtungen als Gegenleistung für Hilfe einzuhalten. Das wiederum senkte das Risiko dafür, dass das angeschlagene Land aus dem gemeinsamen Währungsraum austritt. Die Regierung senkte die Gehälter und Renten, und sie hob die Steuern an. Die Wirtschaft des Landes befindet sich auf einem Schrumpfkurs.

“Ein Großteil der Rally basierte auf Fundamentaldaten, nur eben keine konjunkturellen Fundamentaldaten”, sagt Volkswirt Gabriel Sterne vom Exotix Ltd., einem Broker in London. “Die Fundamentaldaten waren viel mehr die Anreize für Europa, Griechenland aus der Eurozone herauszuwerfen - die von vielen Leuten deutlich überschätzt worden waren.”

Standard & Poor's (S&P) hatte die Griechenland-Bonitätsnote kurz vor Weihnachten sogar wieder angehoben, nachdem das Anleihe-Rückkaufprogramm des Landes erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die Ratingagentur verwies dabei auf den “starken” Willen der Regierungen der Eurozone, Griechenland in der gemeinsamen Währungsunion zu halten.

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Griechen-Bonds mit traumhafter Rendite

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Auch griechische Aktien legten eine Rally hin

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  • „Mutige Investoren, die im Januar 2012 griechische Ramsch-Anleihen gekauft haben, sind dafür kräftig belohnt worden. Sie verdienten im Verlaufe des Jahres 20 Mal so viel wie jene Investoren, die auf deutsche Staatsanleihen samt Top-Bonitätsnote setzten.“

    Ich lese wohl nicht richtig?! „Mutige Investoren“??? Das sind nichts als Zocker, die zufällig auf’s richtige Pferd setzten! Es sind Leute, die sich auf Kosten der europäischen (hauptsächlich der deutschen) Steuerzahler bereicherten. Ihre Banken und Berater, die mit ihren Lobbyisten im EU-Parlament, in der EZB, im ESM und überall in den EU-Gremien bestens vertreten sind, haben dafür gesorgt, dass GR bzw. deren Gläubiger (die Banken) wieder und wieder „gerettet“ werden mussten, obwohl eine Insolvenz längst angesagt gewesen wäre.
    Die „mutigen Investoren“ sind Leute, die sich an der Insolvenzverschleppung beteiligten – in der privaten Wirtschaft wäre das strafbar. Das Handelsblatt nennt es „mutige Investoren“.
    Wenn SIE nicht gewesen wären, meine Damen und Herren „mutige Investoren“, dann hätte das GR-Drama längst ein Ende gefunden. Die Welt wüsste endlich, woran sie ist, die Griechen hätten ihre Drachme zurück und könnten dort ansetzen, wo die EU sie vor ca. 30 Jahren angetroffen hatte. Denn nur so hat die griechische Wirtschaft den Hauch einer Chance.
    Das haben SIE mit Ihrer „mutigen Investition“ leider verhindert.

  • Hab ich richtig gehört, daß der griechische Index um 30% gestiegen ist?

    Daß muß wohl daran liegen, daß die Super-Weltmarktprodukte wie Feta-Käse, Oliven und Öl von mir in den letzten Tagen stark nachgefragt wurden.

  • Das war doch erst der Anfang der Erholung. Die Performance des griechischen Aktienmarktes wäre ohne die hinterherhinkenden Bankaktien im Athener Index noch viel besser. Siehe z.B. Kursentwicklung der Hellenic Telekom oder Public Power seit Sommer mit über 300%. Dass die Bewertug dieser Unternehmen ein absoluter Witz war, mußte jedem einleuchten. Ich denke, die Erholung geht weiter, aber einsteigen sollte nur derjenige, der sich wirklich mit dem Markt befasst und nicht nur der Herde in die eine, oder andere Richtung folgt.

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