Anleihen
Investoren scheuen Firmenbonds

Den Anlegern am Markt für Anleihen von Banken und anderen Unternehmen sind die täglich neuen Hiobsbotschaften im Sog der Bankenkrise zu viel. Immer weniger Bondinvestoren wollen Unternehmensrisiken kaufen. Das hat die Risikoaufschläge auf neue Rekordstände getrieben.

FRANKFURT. Für Anleihen von Unternehmen mit solider Bonität verlangen Investoren inzwischen im Schnitt über zwei Prozentpunkte mehr Rendite im Vergleich zu ausfallsicheren Euro-Staatsanleihen. Bei Bankenanleihen sind die Risikoprämien auf im Schnitt 2,75 Prozentpunkte gestiegen. Beides sind Rekordwerte.

Die Marktdaten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn sie basieren auf sehr geringen Umsätzen. "Der Handel mit Unternehmensanleihen ist fast gänzlich zum Erliegen kommen", schreibt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einem Marktkommentar. Etwas besser sieht die Liquidität bei Derivaten aus, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von Schuldnern schützen können. Gleichzeitig können sie auf den Zahlungsausfall von Schuldnern spekulieren und damit Gewinne einfahren. Bei den sogenannten Credit Default Swaps (CDS) gab es auch gestern keine Entspannung. Die Risikoprämien für die Absicherung stiegen noch etwas weiter an. Zuletzt sind die Derivatemärkte aber weniger unter Druck geraten als die liquideren Aktienmärkte.

Entsprechend haben die Risikoprämien für CDS - anders als die Cash-Bonds - noch nicht ihre Höchststände vom März erreicht, als die Märkte von der Beinahe-Pleite der US-Investmentbank Bear Stearns schockiert wurden. So lagen die Risikoprämien im i-Traxx-Europe-Index, der das Ausfallrisiko eines Portfolios von 125 europäischen Unternehmen misst, im Hoch bei 160 Basispunkten. Das bedeutet, dass Investoren 160 000 Euro zahlen mussten, um sich gegen den Ausfall eines Indexportfolios über zehn Mill. Euro abzusichern. Gestern lagen die Absicherungskosten bei 123 000 Euro.

Viele Strategen fürchten aber weiter steigende Risikoprämien. Der Grund: "Die fundamentalen Probleme sind noch nicht gelöst", bringt es die DZ Bank auf den Punkt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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