Anleihen
Jumbo-Papiere als Exportschlager

Eine Erfindung aus Deutschland sorgt für Furore: Heute gibt es pfandbriefähnliche Anleihen bereits in 16 Ländern. Angefangen hat der Siegeszug der Jumbo Covered Bonds im Jahr 1995, als die Frankfurter Hypothekenbank einen Pfandbrief über 500 Millionen D-Mark ausgab.

FRANKFURT. Der Pfandbrief - ein deutsches Produkt, dessen Wurzeln bis in die Zeit des Preußenkönigs Fried-richs II zurückgehen - gilt als einer der größten Exportschlager der Bundesrepublik. Pfandbriefähnliche Anleihen, bei denen die Zins- und Tilgungszahlung vor allem durch Staatskredite oder Hypotheken gedeckt sind, gibt es in fast allen europäischen Ländern. Johannes Rudolph, Analyst bei HSBC Trinkaus, schätzt die Größe des gesamten europäischen Marktes auf gut 2 070 Mrd. Euro. In den meisten Ländern gibt es für die Papiere gesetzliche Grundlagen nach dem Vorbild des deutschen Pfandbriefgesetzes und seiner Vorläufer.

Wegen der Sicherheit verlangen Investoren für die gedeckten Anleihen, für die sich international schon lange der Oberbegriff Covered Bonds durchgesetzt hat, weniger Rendite als für ungedeckte Anleihen. Dies hat sich in der Finanzkrise noch verstärkt und ermöglicht Emittenten eine günstige Refinanzierung. Besonders im Fokus stehen Papiere im Jumbo-Format - liquide Covered Bonds über inzwischen mindestens eine Mrd. Euro. Der internationale Jumbo-Markt hat inzwischen ein Volumen von 847 Mrd. Euro, und Jumbos kommen bereits aus 16 Ländern.

Angefangen hat alles am 26. Mai 1995. Damals begab die Frankfurter Hypothekenbank - eines der Vorläuferinstitute der heutigen Eurohypo - einen Pfandbrief über 500 Mill. D-Mark, für den sie als Novum über die vierjährige Laufzeit selbst An- und Verkaufskurse stellte. Damit gewährleistete sie die Handelbarkeit des Papiers. "Es musste damals einfach etwas geschehen, um den Pfandbrief für internationale Investoren attraktiver zu machen", sagt Henning Rasche, der heute Vorstand bei der Eurohypo ist und vor 13 Jahren die Emissions- und Börsenabteilung der Frankfurter Hypothekenbank leitete (s. Beitrag auf dieser Seite). Der Pfandbrief-Markt galt 1995 als intransparent, und Investoren konnten keine größeren Volumina kaufen oder verkaufen.

Dies änderte sich mit dem über die Jahre immer weiter standardisierten Market Making - also der Preisstellung in engen Spannen - und der rasch wachsenden Größe des Marktes. Schon 1995 übernahmen erstmals Banken bei einem Jumbo die Verpflichtung zur Preisstellung. Die Einführung der Jumbos hat längst auch wieder die Nachfrage nach traditionellen - also kleineren Pfandbriefen und Covered Bonds beflügelt. In der Finanzkrise läuft das Market Making im Interbankenhandel zwar nicht wie gewohnt, doch Emittenten und Banken arbeiten an Lösungen.

Nach den Hypothekenbanken übernahmen im Mai 1997 öffentlich-rechtliche Banken in Deutschland das Jumbo-Konzept. Den ersten Jumbo außerhalb Deutschlands gab es im März 1999 mit der spanischen Pfandbrief-Variante in Form von "Cédulas". "Massiv wurde der Markt auch durch die Einführung des Euros getrieben", sagt Ralf Burmeister, Covered-Bond-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg.

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