Anleihen
Renditejäger stürzen sich auf Belgien

Vor einem Jahr spekulierten Investoren auf einen Zerfall der Euro-Zone. Die Renditen belgischer Anleihen waren hoch. Inzwischen hat sich das Zinsniveau fast halbiert, doch noch immer ist Spielraum nach unten vorhanden.
  • 4

BrüsselBelgische Bonds zählten einst unter den Schlusslichtern im Euroraum. Nun haben sich zu einem der Spitzenreiter in der Region gemausert. Auslöser für den Anstieg der Anleihenkurse waren die von Ministerpräsident Elio Di Rupo zugesicherten Haushaltskürzungen. Weil die Anleger so extrem nach höheren Renditen jagten, sind die Fremdkapitalkosten des Landes so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

So hat Belgien schon zwei Monate vor Ablauf des Jahres mehr Geld von Anlegern eingesammelt als geplant. Der Staat hat sich bisher schon rund 38,5 Milliarden Euro von Anlegern geliehen. Geplant waren ursprünglich nur 31,5 Milliarden Euro. Doch wegen der extrem niedrigen Zinsen stockte Belgien das Volumen im September auf.

Die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur will insgesamt 6,8 Milliarden Euro des Kreditbedarfs für 2013 noch in diesem Jahr decken. Vor einem Jahr schien diese Entwicklung noch unmöglich. Denn Belgien stand lange Zeit ohne Regierung da. Deshalb zweifelten Investoren an der Stabilität des Landes und verlangten Risikoprämien, also höhere Zinsen. Für zehnjährige Staatsanleihen wurden fast sechs Prozent Zinsen fällig. Bei der jüngsten Auktion lag der Durchschnittszins dagegen mit 3,239 Prozent fast bei der Hälfte.

Die seit Dezember 2011 amtierende Regierung hat sich den Defizitabbau auf die Fahnen geschrieben. Die Ratingagenturen bewerten Belgien mit der zweitbesten Bonitätsnote "AA".

Im ersten Halbjahr habe man eine allmähliche Zunahme des Interesses beobachtet”, erläutert Anne Leclercq, Direktorin bei der belgischen Schuldenagentur in einem Interview mit Bloomberg News in Brüssel. “Ausländische Investoren kehren an die europäischen Märkte zurück und haben in Belgien gute Gelegenheiten gefunden.”

Die von Standard & Poor's mit “AA” benoteten Papiere haben in den vergangenen zwölf Monaten den dritthöchsten Ertrag unter den Staatsanleihen der 17 Mitglieder im Euroraum eingefahren. Sie kamen laut Bloomberg auf einen Ertrag von 19 Prozent, während deutsche Bundesanleihen nur ein Plus von fünf Prozent aufwiesen.

Kommentare zu " Anleihen: Renditejäger stürzen sich auf Belgien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Elio Di Rupo, Monti, Draghi
    Italiener überall, auf jedem Fall besser als Deutschland über alles!

  • "Müsste man bei einer seriösen Bewertung der Risiken neben den rein finanzmathematischen Aspekten nicht auch die politischen Aspekte einbeziehen?"

    Das müsste man. Fragen Sie nur Herr Soros der gedacht hat DT und EZB wären nicht in der Lage den Euro aufrechtzuerhalten. Und um seinen short-Positionen gegen den Euro Nachdruck zu verleihen hat er medienwirksam einen lächerlichen 90-Tage-Countdown insziniert, bei dem nach Ablauf der Zeit der Euro am Ende sein sollte. Herr Soros hat die politische Dimension falsch eingeschätzt. Er hat geglaubt DT wird es nicht zulassen, dass die EZB wie eine echte Zentralbank handeln darf und die eigene Währung durch Anleihekäufe stützen würde.

  • Belgien ist unregierbar geworden. Die oberen Verwaltungsbehörden sind inflationär ausgebaut worden und verwalten im Wesentlichen sich selbst und das Mantra des Streist zwischen Flamen und Wallonen. Leidtragende sind Bürger und kommunale Verwaltungen.
    Wenn "der Markt" sich nun auf belgische Anleihen stürzt, dann liegt das für Anleger aus der Eurone u.a. an den nach wie vor verzerrenden Eigenkapitalregeln für Banken und Versicherungen, die Staatsanleihen gegenüber sonstigen Anleihen begünstigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%