Anleihen von Unternehmen
Die Gewinner der Schuldenkrise

Wegen der Griechen-Krise erscheinen vielen Anlegern die Anleihen von europäischen Unternehmen als sichererer Hafen - Staatspapieren trauen sie nicht mehr.
  • 0

Frankfurt/Düsseldorf Die Unternehmen sind die Gewinner der Schuldenkrise und dürften es auch bleiben. „Investoren finden es inzwischen wesentlich leichter, Unternehmen zu analysieren und einzuschätzen als die verschuldeten Staaten“, sagt Anthony Bryson, der bei BNP Paribas das Geschäft mit neuen europäischen Unternehmensanleihen leitet: „Davon profitieren die Unternehmen schon lange.“

In der Tat: Während Anleger den Firmen ihre Anleihen heute wesentlich billiger abkaufen als noch vor knapp drei Jahren, müssen selbst die großen Euro-Länder Spanien und Italien den Investoren immer mehr bieten, um sie zum Kauf ihrer Zinspapiere zu bewegen. Spanische Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit werfen derzeit etwas über fünf Prozent Rendite ab, italienische knapp fünf Prozent. Griechenland, Irland und Portugal kommen gar nicht mehr an frisches Geld von den Investoren, und im Handel verlangen Anleger für fünfjährige Bonds dieser Länder zwischen knapp 15 und gut 20 Prozent Rendite.

Die noch knapp drei Jahre laufende Anleihe des deutschen Autobauers BMW rentiert dagegen nur mit 2,4 Prozent. Ende 2008 musste der Premiumhersteller den Investoren noch annähernd neun Prozent bieten, um den Bond zu platzieren. So geht es allen Firmen. Im Schnitt sind nach Angaben der Bank of America/Merrill Lynch die durchschnittlichen Renditen von Unternehmensanleihen auf Euro-Basis von 6,7 Prozent Ende 2008 auf derzeit 3,5 Prozent gefallen. Dabei haben die Anleihen eine durchschnittliche Laufzeit von sechs Jahren.

„Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob nicht Blue-Chip-Großunternehmen der wirklich sichere Hafen sind und nicht die Staatsanleihen“, sagt Sander Bus, Leiter des Teams für Unternehmensanleihen bei der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco.

Genauso hat der Markt bereits entschieden. Das belegen die enorm gestiegenen Preise für Credit Default Swaps (CDS), womit sich Anleger gegen einen Ausfall ihrer Anleihen versichern. Heute sind die Absicherungskosten für einen Index aus 15 europäischen Staaten, darunter neben Griechenland, Italien und Spanien auch solide Länder wie Deutschland, Dänemark und Schweden, mehr als doppelt so hoch wie die für den Schutz eines Depots mit Anleihen von 125 europäischen Konzernen mit guter Bonität. BNP-Paribas-Fachmann Bryson sagt: „Dass sich Unternehmen mit guter Bonität über längere Zeit nicht am Markt finanzieren können, ist sehr unwahrscheinlich.“

In diesem Jahr haben solide Unternehmen Anleihen über nur gut 50 Milliarden platziert. Das ist vergleichsweise wenig und liegt vor allem daran, dass die Unternehmen viel vorfinanziert haben und außerdem von ihren gestiegenen Cash-Flows profitieren. Europas Unternehmen horten so viel Bargeld wie noch nie. Die meisten Firmen verdienen derzeit so viel wie nie zuvor und haben deshalb keinen Bedarf an fremdem Geld. So begaben Unternehmen guter Bonität nach Daten der Société Générale im Krisenjahr 2009 Anleihen im Rekordwert von mehr als 250 Milliarden Euro, im Jahr 2010 waren es immerhin noch knapp 110 Milliarden Euro.

Kommentare zu " Anleihen von Unternehmen: Die Gewinner der Schuldenkrise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%