Auktion
Rom muss Rekordzinsen für Anleihen zahlen

Italien muss sich am Markt immer teurer refinanzieren. Für das neueste Anleihenpaket in Höhe von fünf Milliarden Euro musste die Regierung den Investoren extrem hohe Renditen bieten.
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DüsseldorfItalien hat seine neuen Staatsanleihen mit Rekordrendite versteigert. Die 15-jährigen Papiere werfen eine Rendite von 5,90 Prozent ab, die fünfjährigen liegen bei 4,93 Prozent. So teuer waren Anleihen mit dieser Laufzeit für die Regierung in Rom seit Juni 2008 nicht mehr. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Mitte Juni lag die Rendite für fünfjährige Anleihen noch bei 3,9 Prozent. Seitdem ist Italien an den Märkten in Verruf geraten. Anleger zweifeln an der Zahlungsfähigkeit des südeuropäischen Landes.

Die Nachfrage war jedoch robust, wie aus Zahlen der nationalen Schuldenagentur hervorgeht. Die Nachfrage nach den Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit war 1,93 Mal höher als das Angebot. Angesichts des sehr ungünstigen Marktumfelds werteten Beobachter das Ergebnis als gut.„Italien muss deutlich mehr Zinsen zahlen, doch unter den schwierigen Umständen ist es eigentlich schon ein Erfolg, dass sich das Land überhaupt am Kapitalmarkt refinanzieren kann“, sagte Helaba-Analystin Viola Stork. Das Gesamtvolumen der fünf- und 15-jährigen Anleihe-Emissionen lag bei 4,97 Milliarden Euro. Angestrebt worden waren fünf Milliarden Euro.

Der Leitindex an der Mailänder Börse rutschte nach der Auktion ins Minus und notierte 1,2 Prozent schwächer. Der Dax verlor 0,8 Prozent auf 7213 Zähler. Der Euro hat mit starken Kursschwankungen auf die Auktion italienischer Anleihen regiert. Die Gemeinschaftswährung kletterte zunächst bis auf 1,4257 Dollar, fiel dann aber abrupt wieder unter 1,42 Dollar.

Für Verunsicherung am Markt sorgte die Debatte um ein neues Sparkpaket, die zum Zeitpunkt der Auktion noch nicht abgeschlossen war. Am Nachmittag dann hat der Senat zugestimmt. Geplant sind nach Medienberichten nun Sparmaßnahmen von 3 Milliarden im laufenden Jahr, 6 Milliarden 2012, 25 Milliarden 2013 und 45 Milliarden 2014. Der definitive Haushaltsplan soll am Freitagabend endgültig verabschiedet werden. Die Ratingagentur Fitch hat gestern außerdem ihre positive Kreditwürdigkeitseinstufung von „AA-“ für Italien bestätigt.

Am Dienstag fand bereits eine Auktion statt. Bei der Emission eines Geldmarktpapiers mit zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 6,75 Milliarden Euro verlangten die Investoren eine Rendite von 3,67 Prozent. Dies ist der höchste Zinssatz seit September 2008.

Zuletzt hatte das Mittelmeerland den Anlegern bei einer vergleichbaren Auktion nur 2,14 Prozent bieten müssen. Auch die Nachfrage war nicht mehr ganz so hoch wie zuletzt: Die Anleihe war 1,55-fach überzeichnet. Bei der Auktion im Juni überstieg die Nachfrage das Angebot noch um das 1,7-Fache.

Auch die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Roms lag erstmals seit 1997 - also noch vor der Euro-Einführung - zeitweise über die Marke von sechs Prozent. An der Höhe der Rendite bemisst sich die Gefahrenzulage, die der Kapitalmarkt für das jeweilige Land verlangt.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hier die Antwort: weil wir ja schon in der EU sind. Der größte Handelspartner (vor allem in der Industrie) ist D. Das mit den hohen Löhnen halte ich für ein Gerücht. Ich bin Ingenieur und sehe es eher umgekehrt. Reden Sie von Bankern? Das mag sein ist aber nicht das Ziel einer Wirtschaft sich darauf zu konzentrieren, was dei Schweiz leider getan hat. Da könnte ich jetzt endlose Erfahrungen berichten was aus unserer Industrie wurde (von Roll...). Der Euro ist hier das zweite Zahlungsmittel und dar Franken ist das Nationalgefühl (wie auch die DM). Aber mit Kleinteiligkeit ist der Globalisierung nicht Herr zu werden. Wir haben hier auch schon die ersten Anzeichen, dass demnächst die Zentralbank einschreitet. Sicher ist nicht alles Großartig was in Europa passiert, aber wo sind bessere Alternativen?

  • @ daytrader
    Bist Du tatsächlich echt, aus Fleisch und Blut, oder ein Handelsblatt und BILD Forums-Avatar, den man manchmal aus der hauseigenen Gummizelle und dem Folterkäfig rauslässt, um die Onlineleser bei Laune zu halten.

  • Shorty, das ist die mit Abstand beste, weil philosophischste Frage, die du je gestellt hast. Da du mit deiner Mentalität auch nicht den Dunst vom Schimmer einer blassen Ahnung vom "restlichen Leben außerhalb Rendite" hast, wäre eine Antwort, selbst wenn sie ausführlich wäre, sinnlos.
    Dir merkt man wie ein Kleinkind deine Tagesform sofort an. Du bist als daytrader nun mal ferngesteuert und deshalb mußt du weiterhin vorm Kasten sitzen und die Fingernägel abkauen. Und wenn die kurz genug sind, machste bei den Fußnägeln weiter. Frage mich allerdings, wie du als daytrader die Zeit findest, uns ständig deine emotionalen Wasserstandsmeldungen durchzugeben. Wärst du erfolgreich, würdest du die Klappe halten. Insofern gönne ich dir auch mal ein Körnchen...
    Ach übrigens: Dein abgekürztes Fachchinesisch ist wirklich belustigend! Ich sach ma LOL!!!

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