Bankenkrise in Spanien
Portugal schaut besorgt zum Nachbarn

Die Kreditgeber sind zufrieden mit Portugal, die Aussichten gut, dass sich das Land bald selbst refinanzieren kann. Aber die Probleme in Spanien bereiten dem Nachbarn Sorgen und könnten Probleme bereiten.
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Es ist kein Vergnügen für Portugal, dass Spanien nun zur Gruppe jener Euro-Länder stößt, die um Hilfen ersuchen. Jede mögliche Schadenfreude über die Bankenrettungs-Aktion im Volumen von 100 Mrd. Euro für den Nachbarn wird durch Sorge um die eigene wirtschaftliche Entwicklung überschattet, wenn es dem wichtigsten Handelspartner schlecht geht.

„Es besteht kein Zweifel daran, dass sich die Lage in Spanien auf die portugiesische Wirtschaft auswirkt”, sagt Diogo Teixeira, Konzernchef des Vermögensverwalters Optimize Investment Partners in Lissabon. „Zwar sind die Renditen der portugiesischen Bonds gesunken, aber das kann sich wieder ändern, wenn es zu einem deutlich stärkeren Schlag gegen die spanischen Banken kommt und keine Lösung für die europäische Schuldenkrise gefunden wird.”

Noch geht es Portugal nicht so schlecht. Das Land erntet Lob von seinen Kreditgebern, weil es die Bedingungen für das Rettungspaket im Volumen von 78 Mrd. Euro von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erfüllt. Die Kreditkosten sind gesunken und Portugal strebt an, 2013 wieder an die Bondsmärkte zurückzukehren. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen ist mittlerweile unter die Marke von elf Prozent gefallen, verglichen mit dem Rekord von 18 Prozent am 31. Januar. Für zweijährige Papiere ging es sogar von fast 22 Prozent auf nur noch 9,2 Prozent.

Solange dies allerdings nicht passiert, können Investoren von den besseren wirtschaftlichen Aussichten des Landes kräftig profitieren: In den drei Monaten bis Ende Mai haben portugiesische Bonds etwa 14 Prozent gewonnen und weisen damit die beste Entwicklung in der Eurozone auf. Zum Vergleich: Für Bundesanleihen ging es in dem Zeitraum um 4,5 Prozent aufwärts. Italienische Bonds verloren hingegen vier Prozent und spanische sogar acht Prozent.

Zwar ist die Differenz zwischen den Kreditkosten Portugals und Spaniens immer noch groß, sie nimmt allerdings derzeit kontinuierlich ab - während sich Portugal verbessert, geht es in Spanien abwärts. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Bonds sank am Dienstag um sechs Basispunkte auf 10,61 Prozent, während es für spanische Papiere vergleichbarer Laufzeit zeitweise auf den neuen Euro-Ära-Rekord von 6,83 Prozent aufwärts ging. Der Renditeabstand der Portugal-Bonds zu deutschen Bundesanleihen sank von zwölf Prozentpunkten vor drei Monaten auf mittlerweile 9,3 Prozentpunkte. Der Spanien-Spread kletterte gleichzeitig von 3,3 Prozentpunkten auf 5,2 Prozentpunkte.

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