Baukonzern mit Milliardenverlust
Neue Schockwelle aus Dubai

Das Emirat Dubai lässt die Märkte nicht zur Ruhe kommen. Die Sorgen kreisen um die Schuldenlast der Staatsholding Dubai World – und nun auch um den Baukonzern Nakheel. Dieser muss einen Halbjahresverlust von 3,65 Milliarden Dollar verkraften. Die Anleger zeigten sich zuletzt entsprechend zurückhaltend. Klarheit über die Marktlage wird wohl erst der 14. Dezember bringen.
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DUBAI. Die Sorge um Dubais Schuldenlast hat die Aktienkurse im Nahen Osten abstürzen lassen. Die größte Talfahrt meldete die Börse Dubai mit minus sechs Prozent – vor Abu Dhabi mit mehr als minus drei Prozent und Saudi-Arabien mit minus 2,3 Prozent. In Dubai gerieten vor allem Immobilien- und Bankentitel in Mitleidenschaft. So gaben die Papiere der Bau-Entwicklungsgesellschaft Emaar zeitweise um 9,8 Prozent nach. Der Kurs von Emirates NBD, dem größten Finanzinstitut der Region, rutschte auf den tiefsten Stand seit Anfang September. Auch in Europa verbuchten Bankaktien massive Verluste. In den vergangenen zwei Wochen hatte der Aktienindex der Börse Dubai 22 Prozent eingebüßt. „Solange wir keine Klarheit über die Restrukturierung der Verbindlichkeiten des Emirats haben, wird es keine ernsthaften Käufer an der Börse geben“, sagte Julian Bruce von der ägyptischen Investmentbank EFG-Hermes.

Am 25. November hatte die Regierung Dubais für die mit 59 Milliarden Dollar in der Kreide stehenden Staatsholding Dubai World um einen Zahlungsaufschub gebeten. Dubai World will insgesamt 26 Milliarden Dollar umschulden. Internationale Investoren schauen nun nervös auf den 14. Dezember: An diesem Tag wird die Rückzahlung einer islamischen Anleihe der Dubai-World-Tochter Nakheel in Höhe von insgesamt vier Milliarden Dollar fällig. Der Umgang mit diesen Außenständen gilt als Lackmustest, wie besorgniserregend die Anleger Dubais Zahlungsbereitschaft einschätzen.

Erneut angefacht wurde die Unsicherheit der Märkte durch einen Bericht über die dramatische Finanzlage des Baukonzerns Nakheel. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg hat der Konzern einen Halbjahresverlust von 3,65 Milliarden Dollar eingefahren. Ursache seien sinkende Umsätze sowie Abschreibungen aufgrund der rasant gefallenen Immobilienpreise. Im ersten Halbjahr verzeichnete das Unternehmen, das die künstlichen Palmeninseln im Persischen Golf aufgeschüttet hatte, noch einen Gewinn von 722 Millionen Dollar.

Die Ratingagentur Moody's stufte gestern sechs regierungsnahe Firmen Dubais herab, darunter auch die Immobiliengesellschaft Emaar. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will die Schuldenkrise bei Dubai World genauer unter die Lupe nehmen. Eine Abordnung des IWF solle in den kommenden Wochen in das Emirat reisen und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Probleme untersuchen, sagte der Nahost-Chef des Fonds, Masoud Ahmed. Die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, bräuchten allerdings keine Finanzspritze, da der Golfstaat über genug eigene Mittel verfüge.

Nach Einschätzung der US-Bank Morgan Stanley könnte Dubais Umschuldungsbedarf wesentlich höher liegen als die von Dubai World veranschlagten 26 Milliarden Dollar. In einem gestern vorgelegten Report kommt das Institut auf eine Gesamtsumme von 46,7 Milliarden Dollar. Weitere Sorgenfälle seien die Dubai Holding, das private Investment-Vehikel von Dubais Herrscher Scheich Mohammed, sowie die Börse Dubai. Experten wiesen dies als Schwarzmalerei zurück. „Wir rechnen nicht damit, dass die Schwierigkeiten von Dubai World in anderen Staatsunternehmen auftreten“, sagte Farouk Soussa von der Ratingagentur Standard & Poor's. Nach Ansicht von Analysten haben die beiden anderen großen Konglomerate in Dubai, die Dubai Holding und die Investment Corporation of Dubai, wesentlich weniger Projekte auf Pump finanziert als Dubai World.

Die Regierung in Dubai versuchte, die Märkte zu beschwichtigen. Dubai World habe genug Mittel, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, sagte Finanzchef Abdulrahman Al-Saleh. Die Regierung werde die Holding als „Eigentümer“ unterstützen, eine Garantie gebe es jedoch nicht. Seit Ausbruch der Finanzkrise habe der Konzern bereits 2,45 Milliarden Dollar aus einem staatlichen Rettungsfonds bekommen. Fachleute werteten die Äußerungen als Friedensangebot an die Besitzer der Nakheel-Anleihe, die ihr Geld notfalls einklagen wollen. „Möglicherweise will Dubai World die Bondholder doch noch vor dem 14. Dezember ausbezahlen“, sagte Philipp Lotter von Moody's. „Ein langwieriger Rechtsstreit würde viel negative Publicity für Dubai bringen.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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