Beate-Uhse-Anleihe
„Sex sells“ – auch bei Minibonds?

Jahrelang kämpfte Beate Uhse mit schwindenden Umsätzen, mittlerweile läuft die Restrukturierung. Ein Minibond soll Deutschlands bekanntestem Erotikkonzern jetzt 30 Millionen Euro bescheren. Was Anleger beachten sollten.
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Düsseldorf„Sex sells“ – Die Erkenntnis, dass sich alles rund um die Liebe recht gut zu Geld machen lässt, ist so alt wie grundsätzlich auch zutreffend. Dementsprechend optimistisch dürfte der Erotikkonzern Beate Uhse auf den heutigen Montag blicken. Denn zum Wochenbeginn startet die Zeichnungsfrist für eine neue Anleihe, über die das Unternehmen von Investoren 30 Millionen Euro einsammeln möchte.

Der Erlös aus der Emission soll zur Finanzierung von Investitionen in das weitere ertragsstarke Wachstum, zur weiteren Umsetzung des Marken-Relaunchs und zur Rückführung von Bankkrediten verwendet werden, heißt es in der Ad-Hoc Mitteilung der Beate Uhse Gruppe, die bereits seit 1999 an der Börse notiert ist.

Allerdings lief es spätestens seit dem Tod der Firmengründerin und Namensgeberin Beate Uhse im Jahr 2001 nicht mehr wirklich rund. Anfangs 64-fach überzeichnet, war die Aktie bis 2008 zum Pennystock geschrumpft. Was einst lukrativ erschien – der Unterhalt von Sexshops in Bahnhofsgegenden, die auf das männliche Publikum ausgerichtet waren – zog nicht mehr. Durch das stetig wachsende Angebot von kostenlosen Filmen im Internet brach der einstige Umsatztreiber nach und nach weg. Jahrelang schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen.

Schließlich kam im 2010 mit Serge van der Hooft ein neuer Mann an die Unternehmensspitze – er wollte das Schmuddel-Image, das Beate Uhse anhaftete, loswerden. 80 Prozent der angebotenen Waren richten sich heute an Frauen, vor allem Dessous verkaufen sich gut. Das Unternehmen, das bis dato zahlreiche Shops geschlossen und Mitarbeiter entlassen hat, macht seinen Hauptumsatz heute im Internet. 2013 war das Konzernergebnis mit rund 3,7 Millionen Euro wieder positiv.

Dennoch sollten Anleger einen Moment überlegen, ob sie dem bekannten Markennamen ihr Geld überlassen wollen. Denn die Restrukturierung ist nicht abgeschlossen – um sie weiterzuführen braucht das Unternehmen, das bei der langfristigen Finanzierung künftig auf Banken verzichten dürfte, ja gerade das frische Geld.

Die Konditionen der Anleihe erscheinen natürlich verlockend: Über fünf Jahre soll der Minibond, gelistet im Entry Standard der Frankfurter Börse, jedes Jahr 7,75 Prozent Zinsen abwerfen. Doch könnte es mit den Ausschüttungen und der Rückzahlung schwierig werden, sollte die Restrukturierung nicht in geplanter Weise ablaufen. Die Einschätzung unterstützt auch das aktuelle Emittentenrating von Euler Hermes, die die Beate Uhse AG auf BB- einstufen. Übersetzt heißt das, die Anleihe kann nur in wirtschaftlich stabilem Umfeld bedient werden – und enthält spekulative Elemente.

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