Bond-Markt
Italien-Anleihen? Nein Danke!

Goldman Sachs, eine der mächtigsten Banken der Welt, schmeißt fast alle seiner Italien-Bonds aus dem Depot. Stattdessen rechnen die Amerikaner mit dem Schlimmsten - und kaufen Kredit-Ausfallversicherungen.
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Goldman Sachs, eine der mächtigsten Banken der Welt, hat den Bestand an italienischen Staatsanleihen im zweiten Quartal um 92 Prozent gesenkt. In den ersten drei Monaten des Jahres war das Volumen der Bonds noch ausgebaut worden. In einer Pflichtmitteilung von Goldman steht, dass das Markt-Risiko bei italienischen Staatsanleihen bis Ende Juni auf 191 Mill. Dollar geschrumpft sei - nach 2,51 Mrd. Dollar Ende März. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Positionen bei italienischen Kredit-Derivaten in dem jüngsten Quartal, was das Gesamt-Engagement bei Papieren des Staates und anderer Emittenten von plus 2,4 Mrd. Dollar Ende März auf minus 977 Mill. Dollar Ende Juni fallen ließ.

Italien und Spanien waren zuletzt an den Bonds-Märkten stark unter Druck geraten. Die Renditen bewegten sich teils um die Marke von 7 Prozent. Auf diesem Niveau hatten andere Länder umfangreiche Hilfe beantragen müssen.
Goldman Sachs veröffentlicht regelmäßig das Engagement in Italien, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, weil diese fünf Länder von Investoren als die risikoreichsten in Europa angesehen werden. Mit Blick auf alle fünf Länder sank das Markt-Risiko ebenfalls auf minus 977 Mill. Euro, nach plus 2,68 Mrd. Euro Ende März. Unterm Strich reduzierte Goldman den Bestand an Aktien und Bonds. Gleichzeitig verstärkte sich das Unternehmen aus New York bei Kredit-Derivaten.

Das so genannte Kreditrisiko, welches das Risiko aus einem möglichen Zahlungsausfall oder einer Verschlechterung der Kredit-Qualität des Geschäftspartners oder Schuldners misst, stieg bei den fünf Ländern auf 3,35 Mrd. Dollar Ende Juni, nach 2,52 Mrd. Ende März. Dahinter steht vor allem ein Anstieg des Kreditrisikos in Spanien - von 639 Mill. Dollar auf zuletzt 1,67 Mrd. Dollar. Es ergibt sich im Wesentlichen aus Anleihen nichtstaatlicher Emittenten.
Derivate umfassen unter anderem Credit Default Swaps (CDS). Sie fungieren als eine Art Kreditausfallversicherung, falls der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.
In den Pflichtmitteilungen erklärte Goldman, dass die Bank für die fünf Länder Kreditderivate im Nominal-Volumen von 154,4 Mrd. Dollar ausgestellt und Derivate über 165,2 Mrd. Dollar gekauft hat. Die Angaben beziehen sich auf Juni.

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  • @ PeterJ: keine chorknabe? niedlich gesagt. achje, verschwörungstheorie is ja nett "jirgendwie diskriminiered jemeint". jut, wie wärs weil et einfach so nett zu ihren aussagen passet: den italienischen privatvermögen wird noch den jeld von de mafia zujerechnet? oh, habe se da denne doppelt, dreifach, vierfach usw. soviele! jo, i denk de könne mit jeld umgehe - nur anders alse wir. komme we zusamme is de wesentliche frage? ach je, war da nich au so ne "verschwörungstheoiemanne" von de schweiz - sankte galle. jo, und weme gehörete im "big boyes clube" de argenture? NEIN, mehr teilautonomie im finanzsystem wird das weltfinanzsystem stabiler machen und gerechter. in europa sehe ich nur die gefahr, dass wir auch die bewährt guten aspekte des kapitalismus, gegen einen art kommissionssozialismus tauschen. vieles bewährt gutes im kapitalismus gibt den menschen auch viele wesentliche freiheit durch gestaltungsspielräume - freie empfaltung der begabungen.

  • "Abgesehen davon wetten die US-Banken ja nicht auf sinkende Kurse, sondern erzeugen diese in Zusammenarbeit mit den US-Ratingagenturen - nachdem sie entsprechende Positionen auf fallende Kurse gekauft haben."

    Deswegen wird es Zeit diese unheilvollen Allianzen loszuwerden, und zwar so schnell wie möglich.
    Solche Finanzwetter müssen genauso geächtet werden wie Schurkenstaaten. Sie ziehen Steuergelder über ordentlich arbeitende Banken ab. Nicht mehr und nicht weniger, sind also aktive Steuerhinterzieher in meinen Augen. Der Libor war erst der Anfang, jetzt wird es Zeit für die nächste Runde.

  • Tja, könnte es sein, dass sich die ehemals internationalen Finanzmärkte nun wieder renationalisieren? Dies ist auch in der EU zu beobachten: Versicherer kaufen nur primär heimische Papiere. Die Zentralbanken hingegen verfahren anders: Die EZB kauft PIIGS-Anleihen, um deren Zinsen zu senken. Die SNB wiederum kauft Bundesanleihen, um den Frankenkurs zu stützen. Temporär mag das ja eine gute Tat sein, allerdings frage ich mich, wie lange die Notenbanken noch diese outright-Geschäfte tätigen, ohne auch die Mindestreservesätze anzuheben - so kann nämlich die zusätzliche Geldmenge aus den Anleihekäufen eingefroren werden und wird nicht inflationswirksam. Die EZB (1%) oder die SNB (2%) hätten im Vergleich zur FED (10%) noch genug Luft nach oben.
    Falls sich aber unsere Staaten lieber über negative Realzinsen entschulden möchten, werden höhere Mindestreservesätze wohl ein Traum bleiben.

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