China verunsichert Anleger
„Es könnte schlimmer als Lehman werden“

Sorgen um eine Kreditklemme in China treiben die Anleger in Bundesanleihen und US-Treasuries. Zwar versucht Chinas Zentralbank die Angst zu zerstreuen, doch Experten sehen größere Gefahren als bei der Lehman-Pleite.
  • 30

TokioDie Investoren an den internationalen Börsen kommen nicht zur Ruhe. Kaum rücken die Schlagzeilen zur europäischen Schuldenkrise etwas in den Hintergrund, tut sich eine neue Baustelle auf. Und diese liegt ausgerechnet in China. Die Nervosität der Anleger ist umso größer, weil im schlimmsten Fall eine neue Finanzkrise droht. „Eine Kreditklemme in China könnte noch schwerere Auswirkungen haben, als wir sie nach dem Lehman-Zusammenbruch erlebt haben”, sagte Akira Takei von Mizuho Asset Management in Tokio.

Chinas hoch verschuldete Banken trauen, wie in den vergangenen Tagen deutlich geworden ist, der Zahlungsfähigkeit der eigenen Wettbewerber nicht mehr und leihen sich daher untereinander nur noch zu sehr hohen Zinsen Geld. Zeitweise mussten dafür satte 25 Prozent aufgewendet werden. Die hochkochende Angst ist, dass kleine Banken mit hohen ausstehenden Kredit-Beständen ohne Hilfen der chinesischen Zentralbank Pleite gehen können - und die gesamte Branche anstecken. Dadurch könnte die Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden und im Schlepptau dann wichtige internationale Handelspartner wie auch Deutschland. Investoren erinnert dies an den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 und die darauffolgende Bankenkrise. Sie fürchten eine Wiederholung der Geschichte.

"Das Kreditwachstum der Volksrepublik ist gigantisch, wenn nicht besorgniserregend", so das Brokerhaus Lynx. Experten sprechen davon, dass China die gleichen Symptome aufweist, die Japan, die USA und Europa vor ihren jeweiligen Finanzkrisen zeigten: einen enormen Fremdfinanzierungsgrad, Tendenzen zur Bildung einer Immobilienblase und einen Rückgang des Wirtschaftswachstums. "China in der Krise - das birgt Absturzgefahr für viele Volkswirtschaften weltweit", kommentieren die Lynx-Analysten.

Das Problem der chinesischen Kreditbranche wird noch verschärft durch eine Art Schattenwirtschaft. So reichen zum Beispiel große staatliche Unternehmen günstiges Kapital wesentlich teurer an kleine Firmen weiter. Dieser Markt wird auf enorme 3,7 Billionen Dollar geschätzt. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass eine große Staatsfirma Anleihen ausgibt, die von der Bank gekauft werden. Dieses Geld wird dann an kleine Firmen weitergereicht, die an sich nicht kreditwürdig sind. Der Zins wird so angesetzt, dass sowohl Staatsunternehmen als auch Kreditinstitut daran verdienen - wenn alles gut geht.

Offenbar werden solch kreative Konstrukte auch genutzt, um zu spekulieren, beispielsweise mit Immobilien. Die Regierung in Peking und die chinesische Zentralbank stufen das System der Schattenwirtschaft daher inzwischen als große Gefahr für das gesamte Wirtschaftssystem ein und wollen dieser Entwicklung einen Riegel vorschieben.

Seite 1:

„Es könnte schlimmer als Lehman werden“

Seite 2:

Angst vor harter Landung

Kommentare zu " China verunsichert Anleger: „Es könnte schlimmer als Lehman werden“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • China hat alle Karten in der Hand um das Spiel nach seinen Regeln zu spielen. Es kann nach Belieben seine Zentralbank nutzen, Wechselkurse manipulieren, Fremdanleihen verkaufen, Zwangsmaßnahmen gegen die Schattenwirtschaft ergreifen, den Zins manipulieren... Steuern auf Immobilienkauf . Es ist zu erwarten, dass China sehr rational vorgehen wird, um seinen Ruf nicht zu gefährden. Es liegt in Chinas Interesse ein verlässlicher Partner zu sein. Allerdings ist die innere Stabilität das höchste Gut Chinas. Ich kann allerdings nicht beurteilen was China MEHR FÜRCHTET: Unruhen in der Provinz oder Aufstände in den Megacities?

  • ich befürchte aber, dass es uns auch treffen wird, da ja unsere Banken ausreichend mit billigem Geld versorgt sind, das sie überall in der Welt "anlegen".

  • Das ist eine gute Frage. Weiß ich garnicht genau. Ich denke schon, dass einige Nachbarländer von PR China auch RMB bei Handelskrediten akzeptieren. Immerhin war es ja der Wunsch der Partei den RMB in Region stärker zu etablieren, um die Abhängigkeit vom USD zu senken.

    Schätze mal das so USD 500 bis 1000 Mrd an kurzlaufenden Handelskredite die festlandchinesischen Privat- und Staatsunternehmen ausstehen haben. Mit den Auslandsdevisenreserven von rund USD 3000 Mrd (die ja v.a. durch die dieselben Staatskonzerne entstanden sind) sind die aber locker überdeckt.

    Ich glaube nicht, dass China es riskiert, dass sein Lieferketten seiner Staatskonzerne in die Weltwirtschaft zusammenbrechen lässt (weil dies tut ein Regime i.d.R. nur 1x), weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlen, obwohl sie es könnten (was ja andere Staaten nicht können). Das wäre schon richtig Selbstmord wenn der chinesische Staatsfonds da irgendwas anbrennen lassen würde.

    Ich denke dass die PR China ein großes Interesse daran hat, dass einen Crash im Kreditmarkt lokal einzugrenzen. Die Mittel dazu hat sie. Aber was alles, für die 2.Welle, via HK und QFIIs an den Börsen und synthetisch an Risken an Auslandsinvestoren durchgereicht wurde, das halt nicht, und es wird den chinesischen Geldpolitikern auch egal sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%