Düstere Prognose
S&P warnt vor „Sturm an Kreditmärkten“

Wegen der Schuldenkrise in Europa und den USA rechnet die Ratingagentur S&P mit Verwerfungen an den weltweiten Kreditmärkten. Diese hätten massive Auswirkungen auf die Unternehmen, so die Experten.
  • 6

New YorkUnternehmen auf der ganzen Welt müssen sich nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's darauf einstellen, dass sie künftig schwerer an frisches Geld herankommen. Zum einen würden sich die Banken unter dem Druck strengerer Vorschriften aus manchen Geschäften zurückziehen, zum anderen würden Investoren risikoscheuer, erklärte S&P-Experte Jayan Dhru am Donnerstag bei der Vorlage eines umfassenden Berichts zum Thema.

„In Kombination mit der Krise in der Eurozone, der langsamen wirtschaftlichen Erholung in den USA, und den Aussichten auf eine sich verlangsamende Konjunktur in China könnte daraus ein echter Sturm an den globalen Kreditmärkten erwachsen“, warnte Dhru. Das wäre die gefürchtete Kreditklemme. Diesen Begriff vermied Dhru jedoch und sprach stattdessen von einer „Kreditrationierung aufseiten der Banken“.

Nach Berechnungen von S&P brauchen Unternehmen in der Eurozone, Großbritannien, den USA, China und Japan in den kommenden fünf Jahren 43 bis 46 Billionen US-Dollar (33 bis 35 Billionen Euro) an frischem Geld. Alleine 30 Billionen Dollar seien nötig, um bestehende Finanzierungen zu erneuern. Die restlichen 13 bis 16 Billionen Dollar würden zur Finanzierung von Wachstums benötigt.

Im Großen und Ganzen seien die Banken und Kapitalmärkte in der Lage, ausreichend Liquidität „für die meisten Unternehmen“ zur Verfügung zu stellen, schrieb S&P. Umgekehrt würde dies bedeuten: Einige andere Unternehmen bekämen keinen Kredit. „Bestehende Anfälligkeiten könnten sich verschärfen oder neue hinzukommen“, erklärte Dhru. „Das Szenario eines perfekten Sturms würde wahrscheinlich zu Finanzierungsstörungen selbst bei weniger hoch verschuldeten Schuldnern führen.“

Seiner Ansicht nach haben die Staaten kaum Eingriffsmöglichkeiten. „Regierungen und Zentralbanken verfügen über weniger fiskalische und monetäre Flexibilität, um ernsten Problemen vorzubeugen, die sich aus künftigen Marktstörungen ergeben können.“ Durch Konjunkturprogramme wie in den USA und günstiges Zentralbank-Geld sind die Märkte seit dem Hochkochen der Finanzkrise regelrecht geflutet worden. Das wiederum führte zu einer hohen Staatsverschuldung und Sparzwängen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Düstere Prognose: S&P warnt vor „Sturm an Kreditmärkten“ "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nachdem ich Ihre Erläuterung gelesen habe, beginne ich zu ahnen wo das Problem liegt.
    Vielen Dank dafür. Die Journalisten kriegen das einfach nicht gebacken.

  • Die europäischen Regulierungsbehörden wollen genauso einen dicken Max machen wie die USA mit den Dodd-Frank-Act. Jedoch ist bereits die Problemanalyse von EBA/ESMA/EIOPA derart oberflächig (politisch normativ und weniger emprisch kausal), dass die daraus resultierende Regulierung ziemlich realitätsfremd ist. Und viel schlimmer ignorieren EBA/ESMA/EIOPA die national zersplitterten nationalen Marktstrukturen -- Und das ist wesentlich schlimmer(!) Die Europäer kriegen noch nichtmal simple Probleme Staatsschulden gebacken, weil sie Geldpolitik nicht können. Das Dicke Ende auf der Corporate-Seite kommt aber noch. Ein gewaltiger Batzen der 2000er Corporate-Schulden ist noch da (Dagegen refinanzieren die US-Corporates schon fleißig). Als einzig seriöse Investments in Europa bleiben da nur Distressed-Funds der üblich unpopulären Adressen.

    Leute die glauben, dass ein Blick auf den Corporate-Bond-Markt wäre die ganze Wahrheit täuscht sich gewaltig. Es ist noch nicht mal die halbe Wahrheit (Ein bisschen mehr Wissen über Unternehmensfinanzierung braucht man da schon).

  • Sorry S&P. Wie bei Downgrades/Upgrades sind wir mal wieder etwas spät dran. Wir haben für über 1 Jahr mit der Umschichtung begonnen (In Kreditmärkten braucht man halt sehr viel Zeit. Nix mit anonyme Order über Börsen, wie sich das so manche Outsider vorstellen). Die neuen Regulierungsregime haben ja schon vor sehr langer Zeit Züge angenommen, die konkrete Schlüsse erlaubten (z.B. Dodd-Frank in USA, EBA/ESMA/EIOPA Richtlinien, etc.). Europa ist der Verlierer, relativ zu den USA.

    Gründe:
    - Entwicklungsstatus: Die USA hat für Corporates und Verbriefungen einen funktionierenden Kreditmarkt. Europa hat den Take-Off nie wirklich geschafft.
    - Diversität der Marktteilnehmer: In den USA gibt es wesentlich mehr Marktteilnehmer, die nicht-reguliert sind und auch nicht unter das neue Regulierungsregime fallen (sie würden auch nicht in der EU reguliert sein)
    - Fähigkeiten von (langweiligen) Marktteilnehmern: In den USA sind regulierte Marktteilnehmer wesentlich geistig flexibler in andere Kreditmarktsegmente vorzustoßen.
    - Standardisiertes Insolvenzrecht (speziell für Corporates Segment): In den USA sind die Konsequenzen von Insolvenzverfahren einer viel größeren Schar von Marktteilnehmern bekannt. In Europa ist das sauschwierig, weil es da nationale Besonderheiten gibt, deren Aufwand in keinen Zusammenhang zur Marktgröße stehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%