Erfolgreiche Geldmarkt-Auktion
Investoren haben Griechenland noch nicht abgeschrieben

Einen Tag nach dem Misstrauensvotum der Ratingagenturen hat sich Athen neues Kapital am Geldmarkt besorgt - und zu erträglichen Zinsen mehr als erwartet eingenommen. Doch mehr als ein kleiner Lichtblick ist das nicht.
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DüsseldorfDas Land verkaufte Schuldpapiere mit sechsmonatiger Laufzeit und nahm insgesamt 1,625 Milliarden Euro ein. In Athen wurde das Ergebnis mit großer Erleichterung aufgenommen. "Die Auktion hat unsere Erwartungen übertroffen", schrieb der Chef der griechischen Schuldenverwaltung, Petros Christodoulou, in einer E-Mail. Der Zins lag mit 4,88 Prozent nur geringfügig höher als bei der vergangenen Auktion vor Monatsfrist. Zudem konnte Griechenland mehr erlösen als erwartet. Ursprünglich wollte das Land Geldmarktpapiere im Wert von 1,25 Milliarden Euro am Markt platzieren. Auch die starke Überzeichnung der Emission - die Nachfrage übertraf das Angebot um das 3,5-fache - kann als Vertrauensbeweis des Marktes gewertet werden. Nach Informationen Christodoulous kauften ausländische Investoren 34 Prozent der Geldmarktpapiere.

Standard & Poor?s hatte die Bonitätsnote für Griechenland am Montag von "BB-" auf "B" zurückgenommen und den Schritt mit der wachsenden Wahrscheinlichkeit für eine Umschuldung der griechischen Verbindlichkeiten begründet. Mit der Note "B" liegt Griechenland jetzt nur noch zwei Stufen über der Grenze, ab der S&P Anleihen als "extrem spekulativ" bewertet. Und der Rating-Ausblick ist weiter negativ.

Auch die zweite große Ratingagentur Moody?s kündigte eine Überprüfung ihres Ratings an, der Konkurrent Fitch steht Medienberichten zufolge ebenfalls kurz vor einer Herabstufung Griechenlands.

Das Störfeuer durch die Ratingagenturen am Tag vor der Geldmarktauktion hatte Befürchtungen geschürt, dass Griechenland bei den Investoren auf geringes Interesse stoßen oder deutlich höhere Zinskosten werde zahlen müssen. Bei der vorangegangenen Auktion sechsmonatiger Papiere musste Griechenland Investoren 4,8 Prozent Zinsen zahlen. Am Sekundärmarkt lagen die Renditen für Sechsmonatspapiere zuletzt sogar bei 5,5 Prozent.

Gerüchte über ein neues Hilfspaket für Griechenland sorgten allerdings rechtzeitig für neues Vertrauen. Die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete am Morgen, im Juni werde ein zusätzliches Kreditpaket im Volumen von 60 Milliarden Euro beschlossen. Die griechische Zeitung Kathimerini schrieb, der IWF bereite einen Kredit über 80 bis 100 Milliarden Euro vor, das auch zusätzliche Mittel beinhalte, um Griechenlands Finanzbedarf bis 2013 zu decken. Allein in diesem Jahr fehlen Griechenland Expertenschätzungen zufolge sieben Milliarden Euro zur Deckung des Staatshaushalts.

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  • Bei einer Unternehmensinsolvenz haben die Gläubiger Zugriff auf die verwertbaren Vermögensgegenstände des Schuldners. Das müsste auch bei einer Staatsinsolvenz so sein! Das heißt im Fall Griechenlands: Verwertung der Infrastruktur, z.B. Häfen (teilweise allerdings schon im chinesischen Besitz), Flughäfen, Bahn und Autobahnen.Das alles müsste einen nicht zu vernachlässigenden Wert repräsentieren. Allerdings muss man politisch manns genug sein, um das im Interesse deutscher Gläubiger und auch Deutschlands durchzusetzen. Und so eine Persönlichkeit sehe ich heute unter unseren Politikern nicht.

  • Ich habe auch schon seit Jahren nichts mehr von privaten Investoren gehört. Wer dahinter steht schein ja klar zu sein. Genau so wie die Fed die amerikanischen Staatsanleihen aufkauft, weil niemand mehr "zuschlägt". Soviel zum Thema Demokratie und gläserner Staat? Ein Widerspruch in sich.

  • "Investoren haben Griechenland noch nicht abgeschrieben"

    Alles Märchen!!!

    Und wenn die EZB die griechischen Schrott-Anleihen ( Die keiner mehr will ) versteckt gekauft hat???
    Wie schon so oft in der Vergangenheit.

    Wenn die "privaten" Investoren keine Schrott-Anleihen mehr kaufen springt versteckt die EZB ein!!!

    Es wird einfach neues Geld gedruckt solange der Schwindel nicht auffliegt.

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