Euro-Länder
Belgien bekommt Geld günstiger

Belgien rückt immer näher in den Dunstkreis der schwachen Euro-Länder. Nun konnte sich das Land 2,5 Milliarden Euro von Investoren über Anleihen borgen. Dafür musste weniger gezahlt werden als bei ähnlichen Auktionen.
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Anfang des Monats dürfte Belgiens Finanzminister Didier Reynders der Schrecken in die Glieder gefahren sein. Die britische Finanzaufsicht forderte Banken in Großbritannien auf, ihre Bestände an belgischen Staatsanleihen offenzulegen. Damit rückte Belgien noch näher in den Dunstkreis der schwachen Euro-Länder.

Ende Juli war die Rendite der zehnjährigen belgischen Staatsanleihe schon auf 4,5 Prozent und somit den höchsten Stand seit Januar 2009 geklettert. Gestern konnte Reynders aber aufatmen: Belgien schaffte es, sich 2,5 Milliarden Euro von Investoren über Anleihen mit Laufzeiten von drei, zehn und 24 Jahren zu borgen und musste dafür deutlich weniger zahlen als bei vorigen, vergleichbaren Auktionen. Besonders auffällig war das bei der zehnjährigen Anleihe, die zu durchschnittlich 3,88 Prozent Rendite zugeteilt wurde. Auch die Nachfrage stieg.

Analysten wie Ulrich Wortberg von der Helaba erklären das stärkere Interesse der Investoren, die gestiegenen Kurse und gesunkenen Renditen belgischer Staatsanleihen mit der Schützenhilfe der Europäischen Zentralbank (EZB). Die kauft seit dem 4. August wieder Anleihen der gefährdeten Euro-Länder. Zunächst beschränkten sich die Notenbanker dabei auf Anleihen aus Portugal und Irland, seither kaufen sie laut Händlern vor allem spanische und italienische Bonds.

Insgesamt hat die EZB vom 4. August bis Mitte vergangener Woche nach eigenen Angaben Anleihen der Krisenländer über gut 36 Milliarden Euro gekauft. Bei welchen Ländern sie zugreifen, sagen die Notenbanker traditionell nicht.

„Allein die Tatsache, dass die EZB wieder hilft, stützt aber auch die Anleihen von Ländern wie Belgien“, sagt Wortberg. Und an die politische Unsicherheit in Belgien hätten sich Investoren inzwischen gewöhnt. Seit den Wahlen im Juni 2010 haben es die flämischen Nationalkonservativen und die wallonischen Sozialdemokraten nicht geschafft, eine neue Regierung zu bilden; seither regiert die abgewählte Regierung geschäftsführend.

An den Finanzmärkten stehen Belgien in diesem Jahr nur noch kleinere Tests bevor. Reynders hat für sein Land an den Anleihemärkten gut 32 Milliarden Euro eingesammelt und damit den Refinanzierungsbedarf zu 90 Prozent gedeckt. Andrea Cünnen

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