Euro-Zone
Schuldenschnitt? Nicht schon wieder!

Der Schuldenschnitt für Griechenland sollte eine einmalige Ausnahme bleiben. Jetzt steht mit Zypern der nächste Kandidat vor einer Umschuldung. Das Land ist klein. Doch der Schuldenschnitt könnte ein fatales Signal sein.
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Düsseldorf/NikosiaSchuldenschnitt – bei vielen Anlegern weckt dieses Wörtchen immer noch unschöne Erinnerungen. Spätestens seit dem Drama um Griechenland ist klar: Bei einem Schuldenschnitt sehen Privatanleger kaum etwas von ihrem Geld wieder. Im Falle Griechenlands handelte es sich um nichts anderes als eine Enteignung, auch wenn in der offiziellen Diktion immer vom „freiwilligen Schuldenschnitt“ die Rede war.

Was sich Anfang 2012 in Griechenland abgespielt hat, könnte sich in Zypern wiederholen. Die zypriotischen Banken drohen, den Staat in den Abgrund zu reißen. Der Inselstaat steht vor der Pleite, falls keine Hilfe von außen kommt. Die Regierung in Nikosia hat 17,5 Milliarden Euro beim Euro-Rettungsschirm beantragt.

Noch ist nicht klar, ob ein Hilfspaket bewilligt wird. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble stellte die Frage, ob Zypern für die Euro-Zone systemrelevant sei - denn das ist eine der formalen Voraussetzungen für Finanzhilfen des ESM. Kritiker werfen dem Land vor, dass es mit laxen Geldwäschekontrollen enorme Summen aus Russland angezogen habe – und wollen deshalb nicht helfen.

Doch selbst wenn der ESM einspringen würde, wäre Zypern nicht gerettet. Denn das Land könnte die Kredite kaum zurückzahlen. Die geforderten Milliarden entsprechen fast dem Bruttoinlandsprodukt eines Jahres. Der Schuldenstand würde von jetzt 70 Prozent des BIP auf rund 170 Prozent hochschnellen, fast drei Mal so viel wie in der EU eigentlich erlaubt ist. Nach Ansicht von Experten ist deshalb ein Schuldenschnitt unvermeidlich; diesen fordert unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF).

Das Volumen der zypriotischen Anleihen wird auf 14 Milliarden Euro beziffert, von denen der russische Staat 2,5 Milliarden hält. Das klingt zunächst einmal verkraftbar. Beim griechischen Schuldenschnitt mussten die privaten Gläubiger auf mehr als 100 Milliarden Euro verzichten.

Auch ein Kollaps des Bankensystems könnte wohl kaum eine Kettenreaktion auslösen. Die Commerzbank errechnet unter Bezug auf die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass sich die Forderungen ausländischer Banken gegen Zypern auf gut 50 Milliarden Euro belaufen. Das sind nur 0,17 Prozent aller grenzüberschreitenden Forderungen von Banken weltweit. Am stärksten betroffen wären griechische Banken, deren Forderungen bei 15,3 Milliarden Euro liegen. Diese müssten erneut rekapitalisiert werden, das Geld dafür steht aber schon bereit.

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Warum Griechenland nicht als Vorbild taugt

Kommentare zu " Euro-Zone: Schuldenschnitt? Nicht schon wieder!"

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  • Wenn die Krise eines gezeigt hat, dann dies:

    Es gibt keinen Grund zu sparen, zu konsolidieren!

    Der Schuldenschnitt ist allemal effizienter und geschenkt!

    Und geht es daneben, sind andere verantwortlich. Das lässt sich gegenüber der eigenen Bevölkerung auch besser verkaufen.

    Seitens des ESM wurde es versäumt harte Ziele zu definieren. Anders kann die letzte Aussage der Troika nicht interpretiert werden. Sie hatte "gesagt", dass Griechenland alle Auflagen der EU erfüllt habe.

  • da wird Zypern aber kleingeredet. alles halb so wild? komisch ist nur, dass das der Draghi aber ganz anders sieht, gell?

  • Schiedsgerichtsverfahren
    Erfreuliche Nachrichten gibt es derweil bezüglich des geplanten
    Schiedsgerichtsverfahrens gegen Griechenland zu berichten. Wir sind mittlerweile
    mit einer renommierten international tätigen Kanzlei in Gesprächen über das
    Schiedsverfahren und stehen kurz vor der Fertigstellung des Klagemodells. Wir
    erwarten hier spätestens bis Ende Januar 2013 eine endgültige Entscheidung.
    Nachdem zuvor die von uns angesprochenen Kanzleien zwar hohe
    Erfolgsaussichten gesehen haben, aber aufgrund interner Richtlinien das Mandat
    nicht annehmen durften, da europäische Kollegen der Kanzleien für die Gegenseite
    (EFSF, Banken) aktiv waren, konnten wir in den letzten Tagen deutliche
    Fortschritte in der Angelegenheit verzeichnen.
    Wir betrachten eine Klage vor dem Schiedsgericht als sehr interessant, da wir dieser
    sehr hohe Erfolgsaussichten zubilligen. Für die Betroffenen ist hierbei wichtig zu
    wissen: Es ist nicht möglich, an der Schiedsgerichtsklage teilzunehmen, wenn Sie
    gleichzeitig ein juristisches Verfahren gegen Griechenland vor einem ordentlichem
    Gericht anstrengen!
    Sollten Sie noch Fragen zu unseren aktuellen Newsletter oder generell zur
    Griechenlandproblematik haben, können Sie uns gerne per E-Mail unter
    info@sdk.org oder telefonisch unter 089 / 2020846-0 erreichen.
    München, 4.12.2012
    Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.
    Hinweis: Die SdK und an der Erstellung des Newsletters beteiligte Personen halten
    Anleihen Griechenlands!

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