Folgen des Schuldenstreits
„Wenn die Chinesen Zweifel bekommen, wird es bedrohlich“

Die USA sind nicht zahlungsunfähig, aber sie verspielen sehr viel Vertrauen, sagt Frank Hübner, Volkswirt bei Sal. Oppenheim. Sollte das Top-Rating fallen, rechnet er mit Verwerfungen an den Märkten.
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Herr Hübner, die USA stehen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Glauben Sie noch an eine Einigung im Schuldenstreit?

Wenn Sie mich vor vier Wochen gefragt hätten, hätte ich mit Sicherheit „ja“ gesagt. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Parteien so weit gehen, dass sie politischen Selbstmord begehen. Inzwischen bin ich nicht mehr ganz so sicher, da die Republikaner nach wie vor keinen Willen zum Kompromiss zeigen. Aber eine Einigung in letzter Minute ist immer noch das wahrscheinlichere Szenario.

Reicht die Zeit denn noch? Es heißt immer, dass es gut eine Woche dauert, um eine Anhebung der Schuldengrenze durch den Kongress zu bringen.

Die Deadlines, die zurzeit immer wieder genannt werden, halte ich für politisches Geplänkel. Dass es in Notfällen deutlich schneller geht, haben wir bei der Verabschiedung des letzten US-Haushalts gesehen, als sich die Parteien nach einem großen Showdown erst wenige Stunden vor Ablauf der Frist geeinigt haben. Darüber hinaus ist der 2. August als Datum für eine Zahlungsunfähigkeit nicht in Stein gemeißelt.

Inwiefern?

Das Datum hat das US-Finanzministerium aufgrund der geschätzten Ausgaben und Einnahmen errechnet. Die Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar wurde bereits vor einigen Wochen gerissen. Mit buchhalterischen Tricks konnte Finanzminister Geithner weiteren Refinanzierungsspielraum gewinnen. Seiner Aussage nach, ist dies nach dem 2. August nicht mehr möglich. Ich würde aber nicht darauf wetten, dass im Ernstfall nicht neu gerechnet würde und als Stichtag dann der 3. oder 4. August steht.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Das lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Womöglich werden die USA Anfang August zunächst keine Gehalts- oder Rentenzahlungen leisten können oder sie schicken ihre Staatsbediensteten in Zwangsurlaub, wie es Minnesota gemacht hat. Die Politik wird es aber sicher nicht so weit auf die Spitze treiben, dass die USA ihre ausstehenden Anleihen nicht bedienen.

Also maximal ein Zahlungsaufschub, keine Zahlungsunfähigkeit.

Ich denke, es besteht absolute Einigkeit darin, dass die USA nicht zahlungsunfähig sind. Selbst wenn einige Zahlungen ausfallen sollten, weil die Politik bis zum Ultimo pokert, werden diese kurz darauf nachgeholt werden. Anders als Griechenland, das tatsächliche Finanzierungsnot hat, können sich die USA jederzeit am Markt refinanzieren und neue Schulden schultern.

Warum dann die extreme Unsicherheit?

Die Debatte um die Schuldenobergrenze ist ein Nebenkriegsschauplatz. Das unterliegende Problem ist, ob die USA die ausufernde Staatsverschuldung langfristig in den Griff bekommen und ob sie dauerhaft ein Spitzenschuldner mit „AAA“-Rating sind. Darum geht es auch im Parteienstreit. Dass das Schuldenlimit angehoben werden muss, ist unstrittig.

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  • Das ist alles Quatsch mit Soße.
    Der unterstellt ja den Chinesen daß die nicht wissen was sie tun.
    Nämlich jede andere Volkswirtschaft auf dieser Welt in den Ruin und damit ins Chaos zu treiben(siehe Mittelamerika).Ausgenommen vielleicht Länder in denen Kinderarbeit und Hungerlöhne Tradition haben.Wie Indien und Deutschland.
    Das die Chinesen keinen Plan B im Schubkasten haben glaube ich nicht.
    Vor allem ist ein Land mit 1,2 Milliarden Sklaven
    sehr flexibel.Da mal schnell 100 Millionen verhungern zu lassen ist doch ein Klax.

  • Pardon, eine Sache verstehe ich nicht: Wenn China 50% ihres BIP (Strömungsgröße, bspw. Summe aller in einem Jahr erwirtschafteten Einkommen) in US Anleihen hält (Bestandsgröße), heißt das doch nicht, dass das BIP sinkt wenn US Anleihen weniger wert sind, oder verstehe ich den Zusammenhang nicht richtig? Das BIP wäre doch nur betroffen, wenn es einen geringeren Zinsfluss aus den US Anleihen gäbe?
    Vielen Dank für die Klärung
    Mit freundlichen Grüßen
    Marc Jensen

  • "Das unterliegende Problem ist, ob die USA die ausufernde Staatsverschuldung langfristig in den Griff bekommen [...]"

    He he, der Witz war gut und ist auch auf die EU ausdehnbar...

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