Fremdwährungsbonds erhöhen Nettokreditaufnahme Deutschlands nicht
Analysten erwarten weiter niedrige Renditen

Analysten erwarten in dieser Woche eine weitere Seitwärtsbewegung der Anleihezinsen.

FRANKFURT/M. Das war per Saldo auch in den vergangenen Wochen so: Die Renditen der Staatsanleihen sind am Freitag erneut auf Talfahrt gegangen sind. Zwischenzeitlich fiel die Effektivverzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe auf 3,10 Prozent und lag damit unter dem am 9. Juli erreichten Rekordtief von 3,11 Prozent. In der Woche danach war sie jedoch bis auf 3,37 Prozent gestiegen.

„Die Renditen werden niedrig bleiben. Allerdings kann es jederzeit zu kurzlebigen Gegenbewegungen kommen“, schrieb Kornelius Purps, Rentenanalyst bei der Hypo-Vereinsbank. Die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein sehen die Euro-Renditen ebenfalls in einer Seitwärtsspanne gefangen.

Der Terminkontrakt auf acht bis zehnjährige Anleihen, der Bund-Future, stieg am Montag bis auf ein neues Rekordhoch bei 123,62 Punkten, nachdem er zuvor ein Rekordhoch bei 123,78 Zählern markiert hatte. Die zehnjährige Bundesanleihe notierte 17 Ticks höher bei 101,176 Stellen und rentierte auf diesem Niveau bei 101,180 Prozent.

Für den Rückgang der Anleiherenditen waren in der vergangenen Woche vor allem neue Spekulationen auf eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich. In dieser Woche steht die US-Notenbank im Blickpunkt, die nach einhelliger Meinung am Donnerstag die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird.

Am Markt für neue Anleihen ist von staatlicher Seite am Mittwoch die Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe um sieben Mrd. Euro das Highlight der Woche. Am darauf folgenden Mittwoch stockt der Bund die zweijährige Schatzanweisung um fünf Mrd. Euro auf, und am 20. Juli steht die Aufstockung der 30-jährigen Bundesanleihe um ebenfalls fünf Mrd. Euro an.

Die Aufstockung der 30-jährigen Anleihe um fünf Mrd. auf elf Mrd. Euro hatte die Finanzagentur erst vergangene Woche angekündigt. Gerhard Schleif, Chef der Finanzagentur, erklärte die Aufstockung auch mit der Einführung des neuen Euro-Buxl-Futures. Lieferverpflichtungen auf diesen Kontrakt können Anleger mit 24 bis 35-jährigen Bundesanleihen nachkommen. Diese Anleihen müssen ein Volumen von mindestens zehn Mrd. Euro haben. „Ohne die Aufstockung hätte die Anleihe nicht als Grundlage für den neuen Euro-Buxl-Future dienen können“, sagte Schleif dem Handelsblatt. Der alte Buxl-Future galt für Anleihen mit Laufzeiten von 20 bis 30,5 Jahren und konnte mit Anleihen mit einem Mindestvolumen von fünf Mrd. Euro beliefert werden.

Schleif betonte außerdem, dass der Bund mit seinem Emissionskalender insgesamt nur fünf Mrd. Euro über dem im Dezember angekündigten Volumen von 141 Mrd. Euro für das Gesamtjahr liege. Die Ende Mai begebene erste deutsche Dollar-Anleihe im Volumen von fünf Mrd. Dollar und die noch zu erwartende erste an die Inflationsrate gekoppelte Anleihe des Bundes waren von Anfang an nicht im Emissionskalender vorgesehen. „Außerdem erhöhen diese Anleihen auch die Nettokreditaufnahme des Bundes nicht, weil wir im gleichen Umfang am Sekundärmarkt Anleihen zurückkaufen“, sagte Schleif.

Am vergangenen Freitag begab Mailand eine 30-jährige Anleihe über 1,685 Mrd. Euro mit 4,019 Prozent Kupon. Der Gerling-Konzern wird bei seinem ewig laufenden 160 Mill. Eurobond in den ersten zehn Jahren 6,75 Prozent p.a. auszahlen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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