Gelder in Beteiligungsgesellschaften versickert?
Leipzig-West-Anlegern drohen hohe Verluste

Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG (WBG Leipzig-West).

DÜSSELDORF. Das bestätigte die Behörde, wollte aber keine weiteren Einzelheiten nennen. Nach Angaben von Anlegeranwälten ist die Immobilienfirma mit Rückzahlungen fälliger Anleihen und Zinszahlungen weit im Rückstand. Die Anwälte befürchten, dass etwa 25 000 bis 30 000 Anleger um bis zu 300 Mill. Euro geschädigt werden könnten. Die über Jahre hinweg in mehreren Tranchen begebenen Anleihen werden nicht an der Börse gehandelt. Verbraucherschützer hatten bereits mehrfach vor der Zeichnung der Anleihen gewarnt.

Die WBG Leipzig-West gab auf Anfrage bis Redaktionsschluss weder Auskunft über die Höhe der Zahlungsrückstände gegenüber den Anlegern noch der Anleiheschulden und äußerte sich auch nicht zu den Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung.

Das Immobilienvermögen der WBG Leipzig-West besteht vorwiegend aus Wohnungen in Leipzig, ergänzt um mehrere Wohnungskomplexe in Westdeutschland, etwa in Köln, Dietzenbach bei Frankfurt und Karlsruhe. Zudem hält sie mehrere Beteiligungen mit dem Branchenschwerpunkt Wach- und Sicherheitsdienst. Mit dem Anlegergeld sollten weitere Immobilien gekauft und der Bestand modernisiert werden.

In Leipzig kämpfen Vermieter seit Jahren mit hohen Leerständen. So berichtete Jens Zimmermann, der stellvertretende Vorsitzende des Immobilienverbandes Deutschland Region Mitte-Ost, kürzlich von einer Leerstandsquote von 17 Prozent in der sächsischen Großstadt. Bereinigt um nicht mehr vermietbare Objekte, betrage die Quote rund zehn Prozent, sagte er. Außerhalb von Problemregionen sind Leerstandsquoten von nur zwei bis drei Prozent typisch.

Nach Angaben der Berliner Anwälte Jochen Resch, der mit dem Anlegerschutzverein Dias (Deutsches Institut für Anlegerschutz) kooperiert, und Walter Späth von der Kanzlei Rohde & Späth zahlt die WBG Leipzig-West nur noch auf Druck von Anwälten an Anleihegläubiger. Späth sagte, er habe den Eindruck, dass Anlegergeld in Beteiligungsgesellschaften versickert sei. Und Kollege Resch verdächtigt die WBG Leipzig-West, ein so genanntes Schneeballsystem zu betreiben. Er vermutet, dass ältere Anleihen aus den Emissionserlösen neuer Anleihen bedient werden. Resch vertritt nach eigenen Angaben rund 500 Anleger.

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