Geldpolitik der EZB
Draghi macht sich locker

Viele Volkswirte erwarten, dass die EZB noch mehr Anleihen kaufen und den Einlagezins noch weiter senken wird – die Geldpolitik wird noch lockerer. Wie das die Märkte für Anleihen und Aktien durchrütteln dürfte.

FrankfurtLaut Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), ist die Notenbank mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende. Dabei macht die EZB schon sehr viel, um die Inflation, die Kreditvergabe und die Wirtschaft anzukurbeln: Der Leitzins liegt bereit seit September 2014 bei nur 0,05 Prozent.

Der Einlagenzins zu dem Banken kurzfristig Geld bei der EZB anlegen können ist seit Juni 2014 negativ – zunächst lag er bei minus 0,1 Prozent, im September 2014 senkten die Währungshüter ihn auf bei minus 0,2 Prozent. Banken zahlen der Notenbank also eine Gebühr dafür, dass sie ihr Geld bei der EZB parken können. Und seit März diesen Jahres kauft die EZB monatlich Anleihen im Umfang von 60 Milliarden Euro.

Gebracht hat dies alles bislang nicht allzu viel. Zwar fürchtet niemand mehr einen Zusammenbruch der Euro-Zone, und die Staaten kommen vor allem dank Draghi und Co wieder extrem günstig an frisches Geld über die Anleihemärkte. Doch die Wirtschaft im Euro-Raum wächst nur ganz leicht, und die Inflationsrate im Euro-Raum stagnierte zuletzt. Die EZB strebt aber eine Inflation im Währungsraum von knapp unter zwei Prozent an, da sie die als optimal für die Wirtschaft erachtet. Sinkende Preise auf breiter Front gelten als gefährlich, weil damit die Wirtschaft in einen lähmenden Abwärtssog geraten könnte.

Deshalb will Draghi jetzt noch einmal nachlegen: Vor vier Wochen kündigte er an, dass die Notenbank bei ihrer geldpolitischen Sitzung im Dezember, bei der sie neue Wachstums- und Inflationsprognosen vorlegen wird, überprüfen wird, ob die Geldpolitik nicht noch expansiver werden muss. Dabei könne könne kein geldpolitisches Instrument ausgeschlossen werden. Zur Verblüffung vieler Ökonomen erwähnte Draghi sogar die Möglichkeit, den Einlagenzins noch weiter zu senken – obwohl er im ersten Halbjahr mehrfach betont hatte, dass die Untergrenze dabei erreicht sei.

Damit ist es für Ökonomen so gut wie sicher, dass die EZB am 3. Dezember noch einmal zuschlägt – zumal Notenbanker die Ankündigungen in den vergangenen Wochen wiederholt haben. Draghi selbst äußerte sich entsprechend vor dem Europa-Parlament in Brüssel; EZB-Chefvolkswirt Peter Praet betonte die Gefahr, dass die langfristigen Inflationserwartungen nach unten driften, und Direktoriumsmitglied Benoit Coeure erklärte, die negativen Nebenwirkungen einer expansiven Geldpolitik seien begrenzt. Eine generelle Überbewertung bei Vermögenspreisen sieht Coeure jedenfalls nicht.

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