„Getrieben von Machtwillen und Gier“
Bill Gross verklagt Allianz-Tochter Pimco

200 Millionen Dollar will der legendäre Investor Bill Gross von seinem Ex-Arbeitgeber Pimco. Der Grund: Vor einem Jahr hatte ihn die Allianz-Tochter vor die Tür gesetzt. Der Bond-König sieht sich als Opfer einer Intrige.

New YorkBill Gross und kein Ende: Obwohl der legendäre Investor keine überragenden Ergebnisse mehr erzielt, schafft er es immer noch in die Schlagzeilen. Jetzt verklagt er seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Allianz-Tochter Pimco, auf mindestens 200 Millionen Dollar, wie mehrere US-Medien berichten - sollte er gewinnen, wolle er laut Medien das Geld spenden. Gross reagierte auf Anfrage nicht. Pimco sagte gegenüber Handelsblatt Online: „Die Klage hat keine Grundlage und unser juristisches Team wird vor Gericht entsprechend darauf reagieren. Unser Schwerpunkt bleibt bei unseren Kunden und ihren Wertpapierdepots.“

Die Vorwürfe sind ungeheuerlich. Die Ex-Kollegen bei Pimco hätten ihn, „getrieben von Machtwillen, Gier und dem Wunsch, ihre finanzielle Situation und ihre Reputation aufzuwerten“, aus der Firma gedrängt, heißt es. Gross sieht sich als Opfer einer Intrige, die vor allem von Daniel Ivascyn angezettelt worden sei, der ihm selbst als Chef-Investor bei Pimco gefolgt war. Dabei sei es einer Reihe jüngerer Mitarbeiter auch darum gegangen, sich den 20-Prozent-Anteil am Bonuspool, der Gross zustand, unter den Nagel zu reißen. Das Volumen dieses Pools für 2013 wird mit 1,3 Milliarden Dollar angegeben, das gesamte Gehalt von Gross für das Jahr soll bei mehr als 300 Millionen gelegen haben.

Gross hatte Pimco im September 2014 Knall auf Fall verlassen und war zu der kleinen Fondsgesellschaft Janus Capital gewechselt, wo er einen neuen Fonds managt – bisher mit übersichtlichem Erfolg. Zunächst hieß es, er sei damit einem Rauswurf zuvorgekommen, später sagte Gross deutlicher, er sei gefeuert worden. Pimco hatte schon im Winter ein neues Management unter der Leitung von Douglas Hodge installiert und zunächst versucht, Gross in diese Struktur einzubinden, was aber offensichtlich misslungen ist. Zuvor hatte Mohamed El-Erian, der Co-Chef von Gross, die Fondsgesellschaft überraschend verlassen.

Nach allem, was bisher über die Vorgänge bekannt wurde, ist Gross bei Pimco vor allem ein Opfer seiner eigenen mitunter erratischen Persönlichkeit geworden. Sein Führungsstil galt als barsch, Kritik konnte er nicht gut vertragen. Nachdem im Jahr 2013 der jahrzehntelange Trend zu immer niedrigeren Zinsen endete und Gross Probleme bekam, wie zuvor außerordentlich gute Ergebnisse zu erzielen, spitzte sich die Situation allmählich zu.

Die Tatsache, dass Gross und seine problematischen Charakterzüge auf einmal beständig in den Medien diskutiert wurden, hat ihm offenbar persönlich sehr zugesetzt und nicht zugänglicher gemacht. Legendär wurde ein Auftritt im Juni 2014 in Chicago, wo er hinter einer coolen Sonnenbrille versteckt eine beinahe schon wirr zu bezeichnende Rede hielt, die vor allem eines verriet: dass er in seiner tiefsten Seele getroffen und verwundet war. Immer wieder beteuerte er mit missglückter Selbstironie, er sei doch der netteste Mensch der Welt.

Die Allianz, die im Jahr 2000 Pimco gekauft hatte, wurde irgendwann nervös, weil ihr Gewinnwachstum zu einem erheblichen Teil von der Fondsgesellschaft in Kalifornien abhing. Sie hatte den Amerikanern, solange deren Geschäft reibungslos lief, ihre Unabhängigkeit gelassen und auch die Herausbildung eines Starkults um Bill Gross geduldet, obwohl das der Kultur des Konzerns völlig widersprach. Dazu gehörten auch legendäre Bezüge für Gross, die die Gehälter der Konzernvorstände weit in den Schatten stellten.

Als Pimco Probleme bei den Erträgen und anschließend durch den internen Streit bekam, konnte der damalige Konzernchef Michael Diekmann wenig mehr tun, als dem neuen Management der Tochtergesellschaft den Rücken zu stärken und zu hoffen, dass es die Probleme in den Griff bekommt. Weder die Kultur noch das eigentliche Geschäft von Pimco waren der Konzernspitze in München aus eigener Erfahrung wirklich vertraut.

Gross hatte Pimco 1971 gegründet und über Jahrzehnte vor allem mit dem Flaggschiff-Fonds, dem Total Return Fund, Milliarden an Erträgen verdient. Er gilt als Erfinder des aktiven Managements von Anleihen, bei dem geschickt die Zinsunterschiede einzelner Restlaufzeiten genutzt werden. Als seine Erfolgsserie riss und noch mehr nach seinem Abgang, kam es zu hohen Mittelabflüssen bei Pimco.

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