Griechenland-Anleihen
Bis in alle Ewigkeit

Würden Sie den Griechen Geld leihen? Auf immer und ewig? Diese Idee hat der neue griechische Finanzminister. Er plant ewige Anleihen. Die Idee ist nicht neu und hat ihren Reiz – zumindest für die Griechen.
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DüsseldorfDas Wort „Schuldenschnitt“ kam bei den Gläubigern Griechenlands gar nicht gut an. Also vollzog der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis eine vermeintliche Rolle rückwärts und stellte ein alternatives Umschuldungsmodell vor, um den Streit mit den internationalen Geldgebern beizulegen.  Seine Lösung: ewige Anleihen, also Papiere mit unbegrenzter Laufzeit. Mit ihnen sollen die finanziellen Belastungen für sein Land tragbar gemacht werden.

Klingt erst einmal gut, doch Experten beäugen den neuen Plan kritisch. „Griechenland würde sich mit ewigen Anleihen ein niedriges Zinsniveau für eine noch längere Laufzeit als bislang sichern“, sagt Daniel Hartmann, Euro-Zonen-Analyst des Anleihemanagers Bantleon. „Meiner Ansicht nach stellt diese Idee aber nur ein Ablenkungsmanöver dar.“ Die aktuellen griechischen Kredite würden bereits jetzt sehr günstige Konditionen aufweisen.

„Das Problem Griechenlands besteht derzeit nicht in schlechten Kreditkonditionen oder hohen Zinslasten“, ergänzt er. „Vielmehr hat das Land ein akutes Liquiditätsproblem, weil es nicht kapitalmarktfähig ist – ab März geht dem Land das Geld aus.“ Lösen lasse sich dieses Dilemma nur durch ein  drittes Hilfsprogramm für Griechenland. Die Experten der DZ Bank werden noch deutlich und unterstellen den Griechen, mit den ewigen Bonds lediglich den Begriff „Schuldenschnitt“ vermeiden zu wollen, der in Ländern wie Deutschland politisch inakzeptabel sei.

Die Ausgabe von Anleihen ohne Fälligkeit erlaubt es Staaten theoretisch, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen, ohne es jemals zurückzuzahlen. Ein Kredit für die Unendlichkeit sozusagen. Und genau das ist Analysten mit Blick auf Griechenland ein Dorn im Auge. Auch die Experten der Essener National-Bank bezeichneten die angedachte Umwandlung von Verbindlichkeiten in  ewige Anleihen sogar als „Schuldenschnitt durch die Hintertür“.

Bislang sind die „Ewigkeitsanleihen“, Konsols oder Perpetuals,  wie sie im Jargon der Börsianer genannt werden, von Industrieländern eher selten ausgegeben worden. Neu ist die Idee der Griechen aber nicht, es gibt sie quasi schon seit einer Ewigkeit. Erfunden haben sie die Briten. Die Tradition der ewigen Anleihen reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Und das Thema ist bei den Finanzministern in London bis heute aktuell. Denn mitunter endet die Ewigkeit auch: Das Königreich will beispielweise Anfang März eine 1,9 Milliarden Pfund schwere Kriegsanleihe tilgen.

Das mit 3,5 Prozent verzinste Papier war 1932 begeben worden, um Schulden aus dem Ersten Weltkrieg zu refinanzieren. Nach Daten der Nachrichtenagentur Reuters entfallen knapp 1,5 Prozent des Emissionsvolumens britischer Anleihen auf die Ewigkeitspapiere. Die Bundesrepublik hat bislang keine solchen Anleihen ausgegeben.

Kommentare zu " Griechenland-Anleihen: Bis in alle Ewigkeit"

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  • Wann erfüllt sich denn Ihre Prognose mit Dax 5.000?
    Ich möchte endlich einsteigen.

  • Griechenland leiht sich Geld für 2,75%.Wie blöd muss man sein,für so einen miesen Zinssatz dem Land Geld zu geben?Das sind bestimmt die eigenen Banken,die im Vertrauen auf die ELA Kredite der EZB zugeschlagen haben.Ein seriöser Investor macht das nicht!

  • Wann will Frau Merkel Ihre persönlichen Schulden zurück zahlen. Deutschland hat nichts von den Schulden erhalten, siehe, Schulen, Infrastruktur usw..!!

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