Griechische Bonds
Investoren sträuben sich gegen Umschuldung

Investoren von griechischen Bonds unter Auslandsrecht lehnen die Umschuldungspläne ab. Nun könnte der Schuldenstaat den Verweigerern mit Nicht-Zahlung drohen. Ein tatsächlicher Zahlungsausfall wäre allerdings heikel.
  • 7

FrankfurtGläubiger der nach ausländischem Recht begebenen internationalen Anleihen Griechenlands wehren sich gegen Versuche, ihre Papiere umzuschulden. Das behindert die Anstrengungen des südeuropäischen Landes, seine Schuldenlast zu verringern.  Bei Sitzungen mit Gläubigern von zehn der 12 Anleihen sind die Umschuldungspläne abgelehnt worden, beziehungsweise bei einer Sitzung am 27. März wurde keine Beschlussfähigkeit erreicht. Das geht aus einer Erklärung der griechischen Schuldenagentur hervor. Die Papiere im Nominalwert von etwa 3 Mrd. Euro wurden von der Hellenic Railways Organization SA und von Athens Urban Transport Organization SA begeben und vom Staat garantiert.

Griechenland beharrt darauf, dass keine Mittel vorhanden seien, um Verweigerer auszuzahlen und dass es keine Anreize über die Vereinbarung bei den nach griechischem Recht begebenen Staatsanleihen mit dem privaten Sektor hinaus geben wird. Angesichts des Widerstands der Investoren der Bonds unter Auslandsrecht steht das Land vor der Wahl, den Zins- und Kapitalzahlungen nicht nachzukommen, die Papiere weiterhin zu bedienen oder Verhandlungen mit den Gläubigern zu beginnen.

"Es liegt im Interesse Griechenlands, den ausländischen Verweigerern mit der Nicht-Zahlung zu drohen", erläuterte Gabriel Sterne, Ökonom bei Exotix Holdings Ltd. in London in einer Mitteilung. "Es liegt möglicherweise nicht im Interesse Griechenlands, diese Drohung wahr zu machen." Dem Land ist es am Mittwoch nicht gelungen, eine beschlussfähige Mehrheit der Gläubiger für die Umschuldung von Staatsanleihen über 650 Mill. Schweizer Franken (539 Mill. Euro) zu erreichen. Weitere Sitzungen für die Gläubiger der unter ausländischem Recht begebenen Anleihen Griechenlands sind geplant.

Ein Zahlungsausfall bei Anleihen unter Auslandsrecht könnte Klauseln auslösen, die die sofortige Zahlung anderer Verbindlichkeiten oder die Auflösung von Derivatekontrakten erzwingen und sich sogar auf Vertragsvereinbarungen mit anderen Ländern auswirken, erläuterte Andreas Koutras, Analyst bei ITC Markets in London.

"Wir haben wiederholt gesagt, dass unser Finanzierungsplan und unsere Mittel ausreichend für eine Rückzahlung wie bei dem Schuldenschnitt für den privaten Sektor sind", erklärte Petros Christodoulou, Leiter der griechischen Schuldenagentur. "Wir haben außerdem gesagt, dass kein Bondinvestor bessere Konditionen erhält als bei der Vereinbarung mit dem privaten Sektor."

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechische Bonds: Investoren sträuben sich gegen Umschuldung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ...interessanter wird doch die Zukunft: ich selbst hatte, würde und werde nie selbst aktiv Geld an Kreditnehmer verleihen, wenn ich mir über deren Bonität nicht im Klaren wäre. Das beinhaltet auch den eventuellen Ausfall der Forderung. Aber das, was GR da mit uns macht (Erpressung), wird der Allgemeinheit hoffentlich aufzeigen, daß Gier, Unwissenheit oder was auch immer, auch nach hinten losgehen kann. Bin mal gespannt, wie deren zukünftige Finanzierung aussehen wird... ...auch meine Erholungs-Euros werden diese Länder nicht mehr sehen. Auf die Verwendung meiner Steuer-Euros kann ich nach jüngsten Erkenntnissen ohnehin nur recht wenig Einfluß nehmen. Alles bleibt abzuwarten...

  • Wenn ein Idiot nun gar keine passable Erklärung für sein Treiben findet, behauptet er eben "gezwungen worden zu sein" .
    Es gehört zur Lebenslüge schiefliegender Anleger, zum Kauf griechischer Anleihen "gezwungen" worden zu sein.
    Einfach mal nachdenken:
    Wenn ein solcher Anlagezwang existieren würde, wie könnten da Staaten in Probleme bei der Anschlussfinanzierung geraten ?

  • @Schuldenschnitt-zu-niedrig. Also – ohne den Sinn eines Ausfallrisikos mindern zu wollen: gegen alle Diejenigen, die griechische Staatsanleihen gekauft haben zu wettern und sie der Spekulation zu bezichtigen, ist dann doch etwas daneben.
    Immerhin galten Staatsanleihen noch bis vor kurzem als extrem konservative Investition. Versicherungen wurden ja sogar dazu verpflichtet, einen bestimmten Teil ihrer Gelder in solchen Staatsanleihen anzulegen.
    Viele Anleger haben also schon vor Jahren, als noch niemand von der GR-Pleite sprach, gekauft. Außerdem: wie sollten sich denn bitteschön die Staaten finanzieren, wenn nicht über Käufer ihrer Anleihen? Wer also hier A sagt, muss dann eben später auch B sagen, und nicht behaupten, es seien alles bloß Spekulanten, um die es nicht schade sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%