Insolvenz
Anleihen zeigen ihre dunkle Seite

Die Insolvenz von Arcandor könnte viele Anleger teuer zu stehen kommen. Die Wandelanleihen des Warenhauskonzerns werden wohl nicht zurückgezahlt. Auch Anleger von Lehman-Anleihen wissen noch nicht, wieviel sie für ihre Papiere wiederbekommen. Die Ausfallraten von Anleihen werden zunehmen, befürchten Ratingagenturen.

FRANKFURT. Die Anleiheinvestoren von Arcandor müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Gestern meldete das Unternehmen Insolvenz an und wird auch seine Wandelanleihe mit einem Volumen von knapp 270 Mio. Euro nicht mehr zurückzahlen können. An den deutschen Börsen ist das Papier noch notiert. Bis gestern versprach es seinen Besitzern knapp neun Prozent Kupon. Nach Bekanntwerden der Arcandor-Insolvenz setzte die Börse Stuttgart den Handel mit dem Arcandor-Wandler zwischenzeitlich aus. Die Investoren können nicht mehr damit rechnen, ihr eingesetztes Kapital zurückzubekommen.

Neben Arcandor stehen derzeit die Anleihen vieler Unternehmen weltweit auf dem Prüfstand. Internationale Ratingagenturen rechnen künftig mit steigenden Ausfallraten. Dabei nutzten die Emittenten die festverzinslichen Scheine als vergleichsweise günstige Quelle für frisches Kapital. Neue Unternehmensanleihen sind noch immer sehr gefragt. Immerhin versprechen sie den Anlegern teils hohe Kupons.

Mit den versprochenen hohen Kupons können die Arcandor-Gläubiger allerdings nicht mehr rechnen: "Die Arcandor-Anleihe wird ohne Stückzinsen vorerst weitergehandelt bis klar ist, was die Anleger zurückbekommen", sagt Oliver Gebhard, Rentenhändler in Stuttgart. Das Wandlungsrecht der Anleihe in Thomas-Cook-Aktien ist zu einer Pflicht geworden: Die hinterlegten Aktien werden meistbietend verkauft und deren Erlös anteilig an die Anleihegläubiger ausbezahlt.

Meldet ein Unternehmen Insolvenz an, bedient es in der Regel auch seine Anleihegläubiger nicht mehr. Die Zinszahlungen werden ausgesetzt. An den Börsen notieren die Papiere mit hohen Preisabschlägen. Und je nach Art der Unternehmensanleihe müssen die Gläubiger mit verschiedenen Rückzahlungsarten rechnen.

"Die Hackordnung bei einer Insolvenz ist aber eindeutig", sagt ein weiterer Anleiheexperte. "Aktionäre und Anleihebesitzer stehen immer ganz hinten an." Dabei macht das deutsche Konkursrecht zumindest keinen Unterschied zwischen privaten und institutionellen Investoren. "Zuerst wird liquidiert und dann steht für alle Anleihegläubiger ein Restwert fest", sagt der Experte.

So wissen die Besitzer von Lehman-Anleihen noch immer nicht, wieviel sie für ihre Papiere wiederbekommen. Denn die Bank kann nicht liquidiert werden, solange die Insolvenzverwalter nicht für alle Wertpapiere in den Depots einen Preis ermitteln konnten.

Den Besitzern von Arcandor-Anleihen dürfte jetzt Ähnliches bevorstehen wie den Gläubigern von General Motors (GM). Die Bondeigner des Autokonzerns haben schon ein Umtauschangebot in Aktien auf dem Tisch. Sie sollen zehn Prozent der Anteile an der neuen GM bekommen. Zusätzlich gibt es eine Option auf weitere 15 Prozent, wenn es dem Unternehmen irgendwann besser geht. Auch die GM-Papiere notieren zwar noch an den deutschen Börsen - viel Wert sind sie allerdings nicht mehr. "GM-Anleihen notieren nur noch bei zehn Prozent ihres Ursprungswerts und Kuponzahlungen sind keine zu erwarten", sagt Oliver Gebhard von der Stuttgarter Börse.

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