Interview
„Über eine Dekade hinweg sollte alles gut werden“

Die Euroskeptiker sind auf dem Vormarsch und auch der Sparwille lässt in vielen Ländern nach. Droht jetzt eine neue Eskalation der Eurokrise? Rentenexperte Michael Mewes erklärt, welche Risiken bei Staatsanleihen drohen.
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Herr Mewes, die Märkte haben stark auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich reagiert. Francois Hollande lehnt den Fiskalpakt ab. Ist das nur Wahlkampfgeplänkel?

Natürlich geht es zuerst darum, die Claims abzustecken. Wir sind aktuell noch nicht beunruhigt, dass wir hier wieder ein Auseinanderfallen der Eurozone eingepreist bekommen oder eine dramatische Verschlechterung der Bonitäten einzelner Länder.

Dazu kam noch der Rücktritt der niederländischen Regierung. Wie kann sich das langfristig auswirken?

Wir denken über ein Jahrzehnt hinweg. So lange wird die gesamte Konsolidierung der Eurozone mindestens dauern. Über eine Dekade hinweg sollte alles gut werden. Wir werden langfristig kein Problem mit Frankreich, Spanien oder Italien haben, allerdings werden Tage wie dieser Montag immer wieder für Rückschläge an den Kapitalmärkten sorgen.

Wie attraktiv sind Investments in Südeuropa?

Der Weg der Konsolidierung wird keine gerade Linie sein. Wer sich in Italien oder Spanien engagieren möchte, der bekommt natürlich hohe Renditen, kauft sich aber auch eine relativ hohe Volatilität in sein Portfolio ein.

Bei den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden könnten Euroskeptiker siegen. Wäre das ein größerer Rückschlag für Europa?

Das ist jetzt natürlich ein Szenario, in dem zwei wichtige Länder auffallen. Das kann man aber nicht ignorieren. Letztlich messen wir Politiker und Marktteilnehmer an ihren Handlungen. Jeder Politiker wird in der Regierungsverantwortung sehr schnell realisieren, dass man mit Begebenheiten konfrontiert wird, die man nicht einfach umstoßen kann. Das war auch eine Lektion aus den vergangenen zwei Jahren, seitdem die Euro-Krise (ausgehend von der Griechenland-Krise) ausgebrochen ist.

Was haben die Politiker und die Märkte aus der Krise gelernt?

Ich denke, es ist den Politikern seit dem auch klar geworden, dass sie sich so verhalten müssen, wie die Märkte es von ihnen erwarten, im Sinne von solider Haushaltsführung und vom langfristigen Erreichen der Defizitziele. Sollte Herr Hollande im Gegensatz zu Herrn Sarkozy den angestrebten ausgeglichenen Haushalt ein Jahr später erreichen, wäre das unkritisch.

Werden nun deutsche Staatsanleihen attraktiver?

Bei den aktuellen Rekordtiefständen stellt sich die Frage, ob man noch von Attraktivität sprechen kann. Sie haben natürlich in den vergangenen beiden Wochen profitiert, allerdings sollte das ins gesamte Portfolio passen. Die laufende Rendite bei zehnjährigen Bundesanleihen mit weniger als 1,7 Prozent ist  mittel- bis langfristig wenig attraktiv. Wenn Sie dagegen Renditen von Ländern wie beispielsweise den Niederlanden oder Frankreich ansehen, die fundamental nicht viel schlechter sind, erscheinen deutsche Staatsanleihen mittelfristig nicht mehr so attraktiv. Insofern geht es bei deutschen Staatsanleihen primär um das Thema Sicherheit.

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  • Mit dem Argument wischte Keynes damals die fundierte Kritik beiseite, dass seine Vorschläge des "deficit spending" langfristig nicht funktionieren. So wie Keynes für alle öknomischen Zusammenhänge, die er nicht verstand oder erklären konnte, blumige Aussprüche erfand.

  • selten so jelacht.
    Und in 5 Milliarden Jahren ist die Party hier sowieso vorbei, gleich ob mit oder ohne uns.
    Wußte ja noch nicht, dass HB so subtile Witze zu fabrizieren vermag.
    Stets willkommen an der Humorfront,
    vielleicht in einer oder zwei oder drei Dekaden.
    urs

  • @bueschl: Das hat nichts mit Macht zu tun, sondern mit Mathematik. Politiker können sich über Mathematik nicht hinwegsetzen, d.h. sie können nicht jahrzehntelang die Haushalte ausufern und sich das vom Kapitalmarkt finanzieren lassen.

    Die Politiker haben sich selbst in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben und jetzt regt man sich darüber aus, das man von diesen geldgebern abhängig ist. Das kann wohl nur ein schlechter Scherz sein!

    Mit dem Euro hat die ganze Verschuldungsproblematik jedenfalls nicht die Spur zu tun.

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