Kapitalmarkt
Thyssen-Krupp zahlt Risikoaufschlag

Der Konzern hat auf dem Kapitalmarkt eine Milliarde Euro eingesammelt. Für die über fünf Jahre laufende Anleihe bietet das Unternehmen eine Verzinsung von acht Prozent. Die Ratinghäuser bewerten die Bonität von Thyssen-Krupp inzwischen nur noch eine Stufe über dem Junk-Niveau für schwache Schuldner.

FRANKFURT. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat erneut den Kapitalmarkt angezapft, muss dafür aber tief in die Tasche greifen. Platziert wurde eine über fünf Jahre laufende Anleihe mit einem Volumen von einer Mrd. Euro. Nach Angaben aus Finanzkreisen war die Anleihe mehr als dreifach überzeichnet. Die hohe Rendite lockte Investoren, wie es hieß.

Denn für die Anleihe bietet der Konzern eine Verzinsung von acht Prozent und damit weniger als zuvor angekündigt, wie Thyssen-Krupp gestern Abend mitteilte. Im Januar hatte die Gesellschaft bereits Anleihen über 1,5 Mrd. Euro begeben; für die Papiere musste das Unternehmen damals eine Rendite von 6,9 Prozent anbieten. Seither sind die Ratingagenturen angesichts des starken Abschwungs in der Stahlbranche skeptischer geworden und haben die Einstufung des Düsseldorfer Konzerns gesenkt.

Die Ratinghäuser Standard & Poor´s (S&P), Moody´s und auch Fitch bewerten die Bonität von Thyssen-Krupp inzwischen nur noch eine Stufe über dem Junk-Niveau für schwache Schuldner. Die Ausblicke sind bei sämtlichen Agenturen negativ, S&P prüft sogar explizit eine Herabstufung. Innerhalb der kommenden Monate könnte die Kreditwürdigkeit noch weiter zurückgenommen werden, wenn es dem Vorstand des Unternehmens nicht gelinge, die Verschuldung spürbar zurückzufahren, heißt es.

Die Landesbank Baden-Württemberg rechnen fest damit, dass Thyssen-Krupp sein Rating im vergleichsweise sicheren Bereich Investment-Grade verlieren wird. In diesem Fall wird Thyssen die Zinsscheine der neuen Anleihe automatisch um 1,25 Prozent erhöhen. Dies ist für Investoren ein gewisser Risikoschutz.

Thyssen-Krupp war schon einmal im sogenannten "Junk-Status" gelandet, hatte sich mit einer konsequenten Entschuldung aber von dem Stigma befreit. Mit der seit Herbst währenden Absatzflaute hat sich das Geschäft aber eingetrübt.

Betroffen ist vor allem die Stahlsparte, die in den zurückliegenden Jahren der Gewinntreiber war. Wie sich an der Entwicklung im Mai zeigte, hält die Talfahrt unvermindert an. Die deutsche Produktion sank laut Statistischem Bundesamt um 48 Prozent.

Für dieses Jahr rechnet Vorstandschef Ekkehard Schulz mit einem Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich. Hinzu kommen Belastungen aus dem Konzernumbau, die den Fehlbetrag auf mehr als eine Mrd. Euro erhöhen dürften.

Mit dem frischen Kapital will Thyssen-Krupp seine Liquidität stärken, wie es hieß. Ungeachtet der wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte der neue Finanzvorstand Alan Hippe noch Ende April betont, dass Thyssen-Krupp über ausreichend liquide Mittel verfüge und keinen kurzfristigen Refinanzierungsbedarf habe.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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