Kreditausfallversicherung
CDS auf griechische Staatsanleihen werden nicht fällig

Seit Tagen warten Anleger darauf, ob der Schuldenschnitt für Griechenland die Kreditausfallversicherungen CDS aktiviert. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen.
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Investoren, die sich vor einem Zahlungsausfall Griechenlands abgesichert haben, müssen weiter auf ihr Geld warten. Ob sie jemals etwas sehen, ist ungewiss. Den der für die Modalitäten zuständige Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA) hat erneut entschieden, dass es zunächst noch kein Geld gibt.

Konkret ging es dabei um die Fragen, dass die privaten Investoren schlechter gestellt werden, weil die Europäische Zentralbank (EZB) beim freiwilligen Schuldenschnitt der privaten Gläubiger nicht mitmacht. Diese Frage wurde bereits Anfang der Woche bei der ISDA eingereicht. Das zuständige Komitee vereinte sie aber nach einer Telefonkonferenz.

Am Morgen war noch eine weitere Frage dazugekommen, nämlich ob Geld aus den Credit Default Swaps (CDS) genannten Kreditausfallversicherungen fließt, weil die griechische Regierung alle privaten Gläubiger mittels der nachträglich eingefügten Umschuldungsklauseln dazu zwingen kann, sich am Schuldenschnitt zu beteiligen. Auch dazu sagte die ISDA nein.

Für Experten kommt dies nicht überraschend, da sich der Derivateverband zuvor bereits ähnlich geäußert hatte. Er legt fest, wann ein sogenanntes „Kreditereignis“ vorliegt, dass sofortige Zahlungen aus den CDS zur Folge hat. Dieses Kreditereignis sieht die ISDA gemäß ihren Regeln aber nur, wenn Investoren zwangsweise auf Geld verzichten müssen. Das ist aber noch nicht der Fall, obwohl der Weltbankenverband IIF bereits zugesagt hat, dass die privaten Gläubiger freiwillig auf nominal 107 Milliarden Euro ihrer griechischen Anleihen im Wert von 206 Milliarden Euro verzichten werden.

Experten gehen aber davon aus, dass die CDS erst fällig werden, wenn sich nicht genügend private Gläubiger an der freiwilligen Umschuldung beteiligen und deshalb tatsächlich alle Gläubiger zum Tausch gezwungen werden. Darüber entscheidet die griechische Regierung voraussichtlich ab dem 12. März. Unter dem Strich würden bei einem Kreditereignis Zahlungen über 3,2 Milliarden Dollar fließen.

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CDS auf griechische Staatsanleihen werden nicht fällig

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Wer bei der Entscheidung dabei war

Kommentare zu " Kreditausfallversicherung: CDS auf griechische Staatsanleihen werden nicht fällig"

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  • Machen wir uns doch nichts vor, am Ende des Euro werden wir nicht nur merken, dass kein Geld mehr da ist, sondern wir werden auch merken, dass die Demokratie abgeschafft wurde.
    Rückwirkende Gesetze einführen, wie in Griechenland, um die privaten Gläubiger zu einem Schuldenschnitt zu zwingen, verstößt nicht nur gegen die Menschenrechte, und die elementarsten Grundsätze eines Rechtsstaats, sondern ist, wenn überhaupt, bis heute nur in Bananenrepubliken und Diktaturen möglich gewesen.
    Griechenland beweist, dass am Ende des Geldes auch der Rechtsstaat abgeschafft wird.
    Fehlentwicklungen und Versäumnisse der Politiker, gleich welcher Art, werden dann mit rückwirkend greifenden Gesetzen geglättet.
    Wenn auch in Deutschland das Geld zu Ende ist, werden die Regierenden uns auch erklären, dass unsere Lebensversicherungen, Rentenfonds, Bausparverträge und Immobilien, durch die zu unserem Wohle rückwirkend in Kraft gesetzten Gesetze, sozialverträglich einen Neuanfang garantieren.
    Mal sehen, ob sie meine Goldmünzen finden werden.
    Ich denke, ich werde siebesser rückwirkend eingraben.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  • @ byrdie (1.3., 16.07 h):
    Herkunft der Zahl: Es handelt sich um einen saldierten Betrag. Die Banken haben also z. B. für 73 Mrd. USD CDS verkauft, aber sich selbst wieder abgesichert, indem sie für z. B. 70 Mrd. USD von anderen Instituten CDS gekauft haben. Also muss das Finanzsystem insgesamt den CDS-Käufern per Saldo 3 Mrd. USD zahlen.
    Das aber nur maximal, denn davon gehen noch die Restwerte der Anleihen (also bei Gr. ca. 30%) ab. Letztlich zahlen die Banken dann nur 2 Mrd. USD aus; insofern ist die im Artikel genannte Zahl (neben den von anderen schon aufgedeckten Fehlern) gleichfalls falsch, weil sie den Zahlungsbetrag bei Totalausfall nennt, der hier aber nicht eintritt.

    Summa summarum: Der Bericht ist kein Ruhmesblatt für das Handelsblatt; hier war die (sonst von mir wenig geschätzte) FTD unter "Griechen-Schuldenschnitt noch kein Kreditereignis" um Meilen besser!

  • Kann man auch CDS gegen Ausfall versichern? Oder als "Paket" weiterverkaufen und dann rückversichern?

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