Mittelstandsanleihen
Schwelbrand bei German Pellets

Bei German Pellets spitzt sich die Lage zu. Der Brennstoffhersteller ist einer der größten Anbieter von Mittelstandsanleihen. Auch in den USA bangen Investoren um 500 Millionen Dollar. Können Anleger noch etwas retten?
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Düsseldorf/FrankfurtLieferanten kündigen die Zusammenarbeit, Produktionsstätten stehen still, die Anleihekurse stürzen auf ein Niveau nahe Null: Der mittelständische Holzbrennstoffhersteller German Pellets kämpft ums Überleben. Damit drohen tausenden Anlegern, die Anleihen in Höhe von insgesamt 226 Millionen Euro gezeichnet haben, hohe Verluste bis hin zum Totalverlust. Ebenso müssen die Zeichner von Genussrechten in Höhe von 44 Millionen Euro um ihr Geld zittern. Von der Schieflage sind indirekt auch die Gläubiger zweier mit German Pellets verbundener Produktionsstätten in den USA betroffen. Dort haben Investoren Bonds in Höhe von 546 Millionen Dollar gezeichnet. Insgesamt stehen beiderseits des Atlantik damit umgerechnet rund 760 Millionen Euro Anlegergeld im Feuer.

Die Gläubiger von German Pellets sind nicht die ersten, die im Segment der Mittelstandsanleihen um ihr Geld bangen. Seit der Handel mit solchen M-Bonds im Jahr 2010 gestartet wurde, sind laut der Ratingagentur Scope bereits 40 Mittelstandsanleihen mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro ausgefallen. Zinsen wurden nicht gezahlt oder die Unternehmen gingen pleite, so etwa Tütensuppenhersteller Zamek, Designermode-Anbieter Strenesse oder die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa).

Nach dem rasanten Aufstieg von Firmengründer und Hauptgesellschafter Peter Leibold kommt nun der tiefe Fall. German Pellets, mit rund 600 Millionen Umsatz nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Hersteller von Holzpellets als Heizmaterial, scheint sich mit rasanten Wachstumsplänen, hohen Zinsversprechen und merkwürdigen Finanzkonstruktionen verhoben zu haben. Eine Anleihe zu 7,25 Prozent Zins, die am 1.April 2016 fällig ist (WKN: A1H3J6) notierte am Montag nur noch bei acht Prozent ihres Nennwerts.

Mitte Januar hatte sie noch bei 96 Prozent notiert. Auch die Rating Agentur Creditreform stellt auf höchste Alarmstufe: Sie schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass German Pellets binnen eines Jahres zahlungsunfähig wird, mit 80 Prozent ein. Grund: Wiederholte Inkassoverfahren, erheblich verspätete Zahlungen. Die Agentur rät davon ab, an German Pellets Kredite zu vergeben.

Gerade mal 5,4 Prozent betrug die Eigenkapitalquote der German-Pellets-Gruppe Ende November 2015, errechnete Creditreform. Die Kapitaldecke ist auch deshalb so dünn, weil German Pellets Geld aus deutschen Anleihen an eine Stiftung weitergereicht hat. Diese wiederum hat es als Eigenkapital in riesige US-Produktionsstätten gesteckt. Damit landete also von den Anlegern verliehenes Geld als Eigenkapital in den USA. Bei den US-Werken wiederum war der Kapitalbedarf höher als gedacht, berichtet Creditreform. „Insgesamt war die Pellets-Gruppe viel zu hoch verschuldet. Dadurch ist die gesamte Gruppe viel zu anfällig gewesen“, urteilt Daniel Bauer von der Anlegerschutzgemeinschaft SdK.

Kommentare zu " Mittelstandsanleihen: Schwelbrand bei German Pellets"

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  • Schade, dass gerade kleine Anleger oftmals auf große Versprechungen hereinfallen.
    Wenn etwas zu gut klingt um wahr zu sein, dann ist das wahrscheinlich auch so...

  • Einer der viel gescholtenen Experten des Handelsblattes hat von diesen Anleihen abgeraten.

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