Moody's
Risiko bei Hybridanleihen wächst

Eigenkapitalähnliche Bankanleihen werden für Investoren deutlich riskanter. Die Ratingagentur Moody?s kündigte an, weltweit eine Herabstufung der Ratings von über 700 Nachranganleihen zu prüfen - sie wird wohl deutlich schlechtere Noten vergeben als bislang. Auch unabhängig davon findet in dem Markt derzeit grundsätzlich ein Umbruch statt.
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FRANKFURT/LONDON. Eigenkapitalähnliche Bankanleihen werden für die Investoren deutlich riskanter. Zum einen verschärfen die europäischen Aufsichtsbehörden derzeit die Voraussetzungen, unter denen solche Hybridanleihen als Eigenkapital anerkannt werden. Zum anderen hat sich in der Krise bei den existierenden Hybridanleihen gezeigt, dass sie weit schneller in Anspruch genommen werden, als es früher üblich war.

Deutlich wird das an der Reaktion der Ratingagentur Moody?s: Sie kündigte an, weltweit eine Herabstufung der Ratings von 775 Nachranganleihen zu prüfen. Davon betroffen sind rund 170 Institute, die Anleihen im Umfang von 450 Mrd. Dollar ausstehen haben. Unter anderem betroffen sind deutsche Institute wie Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank.

Hybridanleihen sind eigenkapitalähnliche Bonds wie Genussscheine oder Stille Beteiligungen, die an Verlusten der Bank beteiligt werden. "Mit der neuen Methodologie zur Bewertung von hybriden Kapitalinstrumenten tragen wir den neuen Realitäten in der Bankenbranche Rechnung", sagt Carola Schuler, die Leiterin des deutschen Bankenteams von Moody?s.  

"In der Vergangenheit haben Banken oft auch dann Zins- und Tilgungszahlungen auf solche Instrumente geleistet, wenn sie dazu vertraglich nicht verpflichtet waren", sagt sie. Dies sei bei den Instituten unterbunden worden, die auf Staatshilfe angewiesen waren - meist auf Druck der Behörden. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei Hybridanleihen zu Zahlungsausfällen kommt, ist damit deutlich gestiegen", sagt sie.

Moody?s rechnet damit, dass sich in rund 40 Prozent der Fälle die Bonität der Anleihen um bis zu zwei Stufen verschlechtern wird, bei 50 Prozent sind es bis zu vier Stufen, beim Rest fünf Schritte und mehr.

Unabhängig davon findet in dem Markt grundsätzlich ein Umbruch statt. "In Europa läuft eine breite Debatte über neue Formen des Hybridkapitals", sagt Nikolaus Giesbert, der bei Morgan Stanley das europäische Fremdkapitalmarktgeschäft leitet. "Künftig sollen nur noch solche Finanzinstrumente auf die Kernkapitalquote angerechnet werden, die entweder im Krisenfall in Aktien umgetauscht werden können oder erheblich an Verlusten teilnehmen", sagt er. Experten sind davon überzeugt, dass dies einen großen Einfluss auf die künftige Gestalt von Hybridanleihen haben wird.

Deutsche Hybridinstrumente wie Stille Beteiligungen haben nach Angaben von Giesbert bewiesen, dass sie im Krisenfall an Verlusten der Bank partizipieren. "Damit sind die Grundvoraussetzungen erfüllt, die die europäischen Aufsichtsbehörden künftig an Hybridkapital stellen werden", sagt er.

In Großbritannien entwickeln sich andere Formen von "Notfallkapital". So begab die britische Bank Lloyds eine Anleihe, die sich in Aktien umwandelt, wenn eine Bank bestimmte Eigenkapitalquoten unterschreitet. Diese Bonds werden "Coco-Bonds" genannt. Zwar ist die CoCo-Anleihe von Lloyds keine klassische Hybridanleihe, dieses Konzept könnte aber leicht auf eine solche übertragen werden. Nach Einschätzung des britischen Notenbankers Paul Tucker, könnten die CoCos eine wichtige Rolle beim Auffüllen der Kapitalreserven der Banken spielen. Andere Experten warnen davor, die Contingent Convertibles als Allheilmittel für die Kapitalnöte der Banken zu sehen. So ist unklar, wie breit die Investorenbasis für diese neuen Instrumente ist.

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