Nach Schuldenschnitt
Das Misstrauen der Investoren bleibt

Ein Schuldenschnitt lässt sich erzwingen - Vertrauen nicht. Die Kurse für frische Griechenland-Anleihen geraten unter Druck. Auch Spanien gerät ins Visier der Investoren. Italien kann sich dagegen etwas befreien.
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Höher/FrankfurtDie Investoren trauen Griechenland auch nach dem Schuldenschnitt und dem neuen Hilfspaket nicht über den Weg. Die Kurse der neuen griechischen Anleihen fallen, die Renditen steigen auf bis zu 18 Prozent.

Derzeit seien es wohl vor allem Banken, die die Bonds verkaufen, vermutet David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank. „Von anderen Investoren wie Fonds könnte die Verkaufswelle erst noch kommen, wenn sie sich ein genaueres Bild gemacht haben.“

Gestern hatte das Land nach Angaben des Finanzministeriums den Anleihetausch im Wert von 177,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Griechenlands Gläubiger haben für ihre alten Staatsanleihen insgesamt 24 neue Zinspapiere bekommen und verzichteten dabei nominal auf 53,5 Prozent ihres Geldes. Der tatsächliche Verlust liegt aber sehr viel höher, weil die neuen Bonds sehr niedrige Zinsscheine und eine längere Laufzeit haben.

Formell liegt der Nennwert – also der Rückzahlungswert – der neuen Anleihen bei 100 Prozent, aber daran glauben die Anleger nicht. Bereits am Freitag wurden die neuen Papiere inoffiziell mit Kursen von nur um die 25 Prozent des Nennwerts gehandelt, auch gestern im offiziellen Handel notierten sie nicht viel höher. Entsprechend lagen die Renditen für den in elf Jahren fälligen Bond bei gut 18 und für den 30 Jahren fälligen bei über 13 Prozent.

Die Kupons genannten Zinsscheine für die neuen Anleihen liegen bei zwei Prozent für die ersten drei Jahre und steigen danach schrittweise auf bis zu 4,3 Prozent. Neben den 20 neuen griechischen Bonds mit Laufzeiten von 2023 bis 2041 bekommen die Investoren ein- und zweijährige Anleihen des Rettungsschirms EFSF, für die die Euro-Länder bürgen. Dazu gibt es für aufgelaufene Zinsen ein Sechsmonatspapier des EFSF und schließlich noch eine Art Besserungsschein in Form einer griechischen Anleihe, deren Zinsen höher ausfallen, wenn sich die griechische Wirtschaft besser entwickelt als vorgesehen.
„Die niedrigen Kurse sind keine Überraschung, weil die Kupons für die neuen griechischen Anleihen aus Sicht der Investoren viel zu niedrig für das Kreditrisiko sind. Deshalb liegen die Kurse so weit unter dem Nennwert“, erklärt Commerzbank-Experte Schnautz. „Es zeigt sich, dass die Investoren noch sehr skeptisch sind“, urteilt auch Christian Lenk, Anleiheanalyst bei der DZ Bank. Dies sei auch kein Wunder, weil nicht ausgeschlossen sei, dass Griechenland ein drittes Hilfspaket brauche und die Investoren dann erneut zur Kasse gebeten würden.

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  • Ein Land mit der ältesten Kurtur ist nun ein Land in Hand der Gaunerband. Die Griechen machen ein Beispiel für alle anderen EU Länder, wie man mit den Schulden los kann. Also vorsicht mit allen Staatsanleihen!

  • Griechenland hat €100 Mrd Schulden abgeschrieben aber €130 Mrd neuer Schulden durch die Troika auferlegt bekommen. Dazu gesellen sich zusätzliche, bisher noch nicht veröffentlichte, andere staatsgarantierte Schulden von > € 100 Mrd (zB Eisenbahnanleihen)

    http://www.zerohedge.com/news/greek-%E2%82%AC107-billion-contingent-liability-gorilla-exposed

    Dieses Kapitel ist noch lange nicht abgeschlossen. Der grosse Bankrott kommt erst.

  • Wie kann es sein, das Banken bereits die neuen Papiere handeln können, während in den Depots von Privatanlegern diese noch nichtmal eingebucht sind, sondern noch immer die alten Papiere schlummern (weil technisch die Umstellung noch nicht erfolgt ist)? Die Kleinanleger sind mal wieder zum Zuschauen verurteilt...

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