Neue Bürokratie
Finanzagentur bereitet Privatanlegern Ärger

Wer bislang Bundeswertpapiere kaufen wollte, muss kaum bürokratische Hürden überwinden. Seit kurzem ist das anders: Privatanleger müssen eine Vielzahl persönlicher Daten herausrücken. Verbraucherschützer sind verärgert.
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FrankfurtWer in diesen Tagen bei der Finanzagentur des Bundes anruft, sollte geduldig sein. Die Service-Nummern – dauernd besetzt. Von morgens bis abends, so scheint es. Es gibt Redebedarf. Viele der Kunden sehen das zumindest so.

Die Agentur verwaltet nicht nur die Schulden der Bundesrepublik, sondern sie führt auch für Hunderttausende von Kleinanlegern sogenannte Schuldbuchkonten, auf denen Bundeswertpapiere ohne Gebühr eingebucht werden. Bundesanleihen, Finanzierungsschätze oder Bundesobligationen beispielsweise. Dabei ist die Agentur auf dem besten Wege, sich bei den Sparern äußerst unbeliebt zu machen.

Bislang war es ziemlich einfach, sich ein Schuldbuchkonto einrichten zu lassen. Anleger mussten nicht einmal ihre Staatsangehörigkeit angeben oder ihren Geburtsort. Seit vergangenem Jahr allerdings ist das anders. Denn seitdem gilt das Geldwäschegesetz auch für die deutsche Finanzagentur. Und dieses Gesetz sieht vor, dass die Kunden eine ganze Reihe persönlicher Daten beibringen müssen.

Dafür können die Frankfurter nichts, sie müssen die Vorgaben umsetzen, ob sie wollen oder nicht. Die große Frage – und gleichzeitig der Grund allen Ärgers – aber ist, wie sie das anstellt: Den Kunden gegenüber ist sie nämlich nicht gerade charmant.

Weil bislang nur ein Viertel der insgesamt 400 000 Kunden die fehlenden persönlichen Daten an die Finanzagentur übermittelt hat, und dass obwohl die Schuldenverwalter bereits im vergangenen August dazu aufgefordert hatten, werden die Mitarbeiter anscheinend langsam ungeduldig. In einem Schreiben, das in den vergangenen Tagen an die Kontoinhaber versandt wurde, heißt es in Bürokratendeutsch, dass ihre Konten gekündigt würden, sollten die Kunden bei der „Umsetzung der Anforderungen des Geldwäschegesetzes“ weiterhin nur unzureichend mitwirken. Man hätte es auch freundlicher ausdrücken können, sagt Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das sei kein guter Stil.

Bei der Kundschaft kommt die Aufforderung verständlicherweise gar nicht gut an. In Internetforen wird diskutiert und vor allem geschimpft. Wäre schon der erste April, würde man es glatt für einen schlechten Scherz halten, schreibt etwa ein Nutzer. Eine solche Drohung sei „völlig daneben“.

Bei der Finanzagentur beruft man sich dagegen auf die Gesetzeslage. Und die sehe eine Kündigung der Konten bis zum 31. Januar vor, sollte der Kunde bis dahin nicht seine Identität nachweisen.

Das Dumme für die Kunden: Die Finanzagentur verlangt eine beglaubigte Kopie des Personalausweises. Die kostet in der Regel zwischen fünf und zehn Euro. Zu dem Ärger kommen für die Sparer also noch Kosten hinzu.


Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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  • Hallo hiram,
    wieder total daneben.
    Ich bin weder bei facebook noch bei einem ähnlichen Gebilde. Im Internet gebe ich so wenig preis wie möglich.

    Anscheinend haben Sie aber nicht alles gelesen:
    Die Anfragen habe ich s o f o r t d.h. umgehend beantwortet.

    Auch eine Kopie des Perso hätte ich denen gesandt.

    Ich wende mich gegen den Aufwand der Beglaubigung.

    Im Übrigen bin ich schon seit mehr als 20 Jahren bei der Finanzagentur / BSV.

    Bei Eröffnung des Kontos wurden alle damals notwendigen Angaben gemacht und auch der Perso überprüft.

    Was die jetzt machen, ist überzogen, nichts anderes.

    Schlafen Sie weiterhin gut.

  • Ihrem Artikel möchte ich meine Erfahrung hinzufügen: Sowohl mein minderjähriger Sohn als auch meine Mutter haben dieses Schreiben jetzt bekommen, obwohl wir für beide (incl als Gesetzliche Vertreter bzw Bevollmächtigter) die uns im August 2011 zugesandten Datenblätter ergänzt und unterschrieben zurücksendet haben.
    Beglaubigte Ausweiskopien waren damals nicht gefordert. Insofern ist der Betreff „Kündigung … bei weiterhin unzureichender Mitwirkung“ eine Unverschämtheit. Dieses Schreiben hat meine 84jährige Mutter an Heiligabend per Post erhalten. Weihnachten war damit für sie in diesem Jahr gelaufen. Sie rechnete damit, dass man ihr wieder mal ihr sauer erspartes Geld wegnehmen wolle. Gleich „zwischen den Jahren“ machte sie sich auf den Weg zum Pfarramt, konnte aber keine Ausweisbeglaubigung bekommen, da der Stempel eingeschlossen wir.
    Meiner Frau und mir hat man bei der Stadtverwaltung die Ausweisbeglaubigung verweigert mit dem Hinweis, dass nur von dem Ausweis unseres angeschriebenen Sohnes eine beglaubigte Kopie angefertigt werden dürfe.
    Warum kann die Finanzagentur nicht das gängige Postidentverfahren nutzen? Wie kann man sich einen solchen Verwaltungsfehler erlauben, und Kunden, die brav einer Aufforderung gefolgt sind, in der Weihnachtszeit einen solchen Drohbrief schicken?

  • Problematisch ist nur, dass auch die Legitimation und Vorlage einer beglaubigten Kopie des Personalausweises/Reisepasses von nicht ausweispflichtigen Minderjährigen verlangt wird. Hier schießt die Finanzagentur wohl über das Ziel hinaus. Weiterhin ist die telefonische Erreichbarkeit ungenügend. Über 50 Versuche seit Zugang der Kündigungsandrohung blieben ohne Erfolg. Bis heute habe ich es nicht geschafft, mein Anliegen telefonisch zu klären.

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