Neue Geschäftsmodelle
Götterdämmerung am Pfandbriefmarkt

Weil große Pfandbriefe kaum noch gehandelt werden, steigen ihre Risikoaufschläge deutlich an. Kredite, die als Deckung für Pfandbriefe verwendet werden, sind teurer geworden. Pfandkreditbanken müssen ihr ihr Geschäftsmodell an die neuen Konditionen anpassen.

FRANKFURT. Der Markt für Pfandbriefe wird schwer von der Krise der sogenannten Jumbos getroffen. In der Gunst der Investoren sind diese mindestens eine Milliarde Euro großen Pfandbriefe frappierend gesunken. Sie werden kaum noch gehandelt, die Risikoaufschläge sind kräftig gestiegen. Banken können sich dadurch nicht mehr so günstig refinanzieren wie noch vor der Finanzkrise. Die Folge: Immobilien- und Kommunalkredite, die als Deckung für Pfandbriefe herangezogen werden, müssen teurer werden. Pfandbriefbanken zwingt die Krise zu Einschnitten in ihr Geschäftsmodell.

"Die Banken müssen sich auf die Geschäfte konzentrieren, in denen sie die Konditionen durchsetzen können, um die gestiegenen Refinanzierungskosten auszugleichen", sagt Henning Rasche, Präsident des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) dem Handelsblatt. Im gewerblichen Immobilienkreditgeschäft sei dies möglich, aber nicht mehr in den alten Größenordnungen. "Wir sehen kaum Darlehen in dreistelliger, sondern eher in ein- bis zweistelliger Millionenhöhe", sagt Rasche. Aber schon bei der privaten Baufinanzierung ließen sich solche Margen angesichts der Wettbewerbssituation kaum durchsetzen.

Auch das alte Modell der Staatsfinanzierung, bei dem Banken vor allem Anleihen und Kredite kauften, sei "tot", sagt Rasche. Die Banken müssten hin zu mehr direkten Finanzierungsgeschäften mit den Kommunen. Dort müssten sie Konditionen durchsetzen, zu denen sie sich selbst refinanzieren können. Das bedeutet, dass sich die deutschen Kommunen langfristig an teurere Kredite gewöhnen müssen.

Investmentbanker sehen das ähnlich: "Alle Institute müssen ihr Geschäftsmodell an die neuen Konditionen anpassen", sagt etwa Joachim Heppe, der das Anleihesyndikat bei der Commerzbank in Frankfurt leitet: "Das ist für Immobilienfinanzierer leichter als für Staatsfinanzierer." Zum einen seien die Margen im Immobiliengeschäft schon immer besser gewesen, zum anderen sei es für Staats- und Kommunalfinanzierer schwerer, die höheren Refinanzierungskosten an die eigenen Kunden weiterzugeben, meint Heppe.

Die Refinanzierung über Jumbos ist unter anderem deshalb so schwierig geworden, weil sie nicht mehr gut handelbar sind. Bei Jumbos sind die Konsortialführer eigentlich dazu verpflichtet, ständig An- und Verkaufskurse in engen Spannen zu stellen. Das funktioniert seit etwa einem Jahr nicht mehr. Großinvestoren legen darauf aber Wert. Jumbo-Pfandbriefe seien zwar noch besser handelbar als vergleichbare Jumbo-Covered-Bonds aus anderen Ländern, sagt Torsten Strohrmann, Rentenfondsmanager bei der DWS: "Trotzdem sind wir Welten von den früheren Marktbedingungen entfernt." Das Kernproblem mangelnder Liquidität lasse sich nicht wegdiskutieren, betont auch Florian Hillenbrand, Covered-Bond-Analyst bei Unicredit: "Das Jumbo-Format zielte ganz klar auf extrem gute Handelbarkeit ab, die werden wir auf absehbare Zeit aber nicht mehr sehen."

Seite 1:

Götterdämmerung am Pfandbriefmarkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%