Ratingagentur Fitch
Griechenland erhält eine bessere Note

Der Schuldenschnitt in Griechenland hat Privatanleger hart getroffen. Doch für die Kreditwürdigkeit des Landes bedeutet es Erleichterung. Die Ratingagentur Fitch macht den Anfang und setzt das Land einige Stufen herauf.
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DüsseldorfDie Ratingagentur Fitch hat die Bewertung Griechenlands deutlich korrigiert. Statt mit der Note „RD“ („teilweiser Zahlungsausfall“) bewerten die Bonitätswächter das Land jetzt mit der Note „B-“, was einen Sprung in der Kreditwürdigkeit nach oben bedeutet. Gleichzeitig gilt der Ausblick für das Rating als stabil.

Die Entscheidung basiert auf dem abgeschlossenen Anleihentausch nach dem Schuldenschnitt in Griechenland. Gestern hatte die griechische Regierung gemeldet, dass erfolgreich über 177 Milliarden Euro an Anleihen, die nach griechischem Recht begeben worden waren, in neue Papiere getauscht worden sind. Die Gläubiger verzichteten dabei auf mehr als 70 Prozent ihrer Forderungen.

Durch die geglückte Umschuldung sei die Schuldentragfähigkeit verbessert, so Fitch. Zudem sei die Gefahr abermaliger Zahlungsprobleme grundsätzlich gesunken. Allerdings sei das Risiko eines erneuten Zahlungsausfalls nicht ganz gebannt, warnt die Agentur. Als Gründe nennt sie die immer noch hohe Verschuldung Griechenlands und die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen das Land stehe.

Die frischen Papiere werden in diesen Tagen auch in die Depots von Kleinanlegern gebucht. Die Kurse dieser neuen Anleihen sind allerdings bereits wieder unter Druck geraten.

Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) verlangte unterdessen in den kommenden zwei Jahren weitere Sparanstrengungen von Griechenland. Um die im Rahmen des zweiten Hilfspakets festgelegten Ziele zu erreichen, seien weitere Maßnahmen nötig, um die staatlichen Ausgaben zu drücken, hieß es in einem Bericht, aus dem am Dienstag Auszüge bekannt wurden. Die Perspektive, dass sich Griechenland nach dem Ende des Hilfspakets ab 2015 wieder allein an den Finanzmärkten versorgen könnte, sei zudem „unsicher“, befand die Troika weiter.

Einem möglichen Szenario zufolge könnte Griechenland im Jahr 2020 seinen Schuldenstand von derzeit 160 Prozent auf unter 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken. Im Jahr 2030 könnte er dann bei 90 Prozent liegen. Einem pessimistischeren Szenario der Troika zufolge ist aber auch ein Schuldenstand von mehr als 145 Prozent des BIP im Jahr 2020 möglich.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Jetzt machen sich die Ratingagenturen endgültig lächerlich.

    Jeder Normalbürger bekommt nach einer vollständig durchlaufenen Privatinsolvenz ein super-schlechtes Rating und somit von keiner Bank einen Kredit zu vernünftigen Konditionen; Begründung: Privatinsolvent gewesen.

    Nur für Staaten gelten offenbar andere Regeln.

  • Ein interessengerechtes Zusammenwirken der Hochfinanz, der Elite gibt es so sicher wie morgens die Sonne aufgeht. Ob man das nun Verschwörung nennt oder Kartell oder sonstwie ist egal.

    Wer ein wenig über Handelsblatt und Tagesschau hinausblickt, der weiß, dass es sehr viele, sehr mächtige Interessenzirkel (think tanks) jenseits der politischen Bühne gibt. Bilderberg ist nur einer von duzenden.

    Hier kann man sich einlesen, wenn man's wirklich wissen will und nicht lieber den Kopf in den Sand steckt: ... https://wikispooks.com/ISGP/index.html

    Bei dieser ganzen Wirtschaftskrise geht es nicht nur um Geld. Es geht um globale Macht. Die Hochfinanz ist längst global. Das Volk wird quasi enteignet per "Rettungspaketen" und es schaut nur zu. Die Griechen werden von nicht gewählten Parlamentariern drangsaliert und tun wenig dagegen. Zeit zur offiziellen Übernahme der Macht durch die Eliten.

    “Wenn Chaos vermieden werden soll, muß zwangsläufig eine neue Weltordnung gefunden werden.”

    Zitat: Henry Kissinger 2010 auf dem 8. Global Strategic Review des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in Genf zur Beurteilung der weltpolitischen Lage.

  • Absolut richtig!
    Aber manchen Leuten passt es einfach nicht ins Weltbild, dass es vielleicht gar keine Weltverschwörung der Hochfinanzmafia geben könnte. Dann wäre die Welt auf einmal viel komplizierter als es einem lieb ist.

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