Rentenmarkt
Bondinvestoren verdrängen Angst vor dem Kater

Die Fed schmeißt die Gelddruckmaschinen an, um die Finanzmärkte wieder auf Trab zu bringen. Bei Rentenexperten schürt das Sorgen vor einem deutlichen Inflationsanstieg. Für Anleihen wäre dies Gift. Die Investoren am Anleihemarkt lassen sich bisher aber nicht beeindrucken. Die ohnehin schon mageren Renditen von Staatsanleihen sacken weiter ab.

FRANKFURT. Die Euphorie an den Rentenmärkten ist groß. Die Investoren schlossen sich der Federal Reserve an und kauften US-Staatsanleihen im großen Stil. Und die Hochstimmung dürfte nach Einschätzung von Bondstrategen auch noch einige Zeit anhalten. Die Angst vor dem großen Kater wird dagegen noch verdrängt.

Die sich spiegelbildlich zum Kurs verhaltende Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe sackte nach der Ankündigung der Fed um fast einen halben Prozentpunkt ab. Damit markierte sie den größten Tagesverlust seit Jahrzehnten. Auch die Anleihen im Euro-Raum profitierten gestern von der Fed-Ankündigung – wenn auch nicht so stark. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sackte aber immerhin um 0,2 Prozentpunkte auf knapp über drei Prozent ab.

„Eigentlich hätten die Renditen aber noch stärker fallen müssen“, meint Birgit Figge, Zinsstrategin bei der DZ Bank. Gebremst wurde die Euphorie der Staatsanleihe-Käufer ihrer Meinung nach durch schwelende Ängste vor einer Inflation. In der Tat finanziert die US-Notenbank den Kauf der US-Staatsanleihen dadurch, dass sie dafür Geld druckt und so mehr Geld in Umlauf bringt. Dies birgt natürlich Inflationsgefahren, zumal die Notenbanken rund um den Globus die Märkte mittels niedriger Leitzinsen und des massiven Ankaufs anderer Wertpapiere schon lange mit Liquidität fluten.

Prominente US-Investoren wie Warren Buffett, Marc Faber oder Jim Rogers warnten deshalb schon vor einem mittelfristig stärkeren Preisauftrieb – und vor dem Kauf von Staatsanleihen. Denn steigende Teuerungsraten sind Gift für die Anleihen mit ihren mageren Renditen.

Noch ist von einer Inflation aber nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die US-Teuerungsrate lag zuletzt auf Jahressicht mit 0,2 Prozent extrem niedrig, und die US-Notenbank fürchtet eher eine Deflation, also eine Spirale ständig sinkender Preise. Auch die meisten Fachleute bei Banken rechnen zumindest für die nächste Zeit nicht mit Inflationsdruck. „Dazu müssten erst die Kreditvergabe, der private Konsum und die Investitionen anziehen – und das ist noch nicht abzusehen“, sagt Christoph Rieger, Zinsstratege bei Dresdner Kleinwort. Dies und die Nachfrage der Fed nach US-Staatsanleihen dürften die Rendite noch weiter in Richtung zwei Prozent fallenlassen, meint Rieger. Auch andere Banken gehen davon aus, dass die Renditen der Staatsbonds zunächst noch weiter absacken werden. Mit steigenden Renditen rechnen sie erst dann, wenn sich deutlich abzeichnet, dass die Wirtschaft wieder Tritt fasst. „Dann dürften aber auch ganz schnell die Inflationsängste stärker hochkochen und die Renditen kräftig anziehen“, sagt DZ-Strategin Figge.

Von den sinkenden Renditen der Staatsanleihen profitierten gestern auch Unternehmensanleihen. Die Hoffnung, dass die Schritte der Fed die Wirtschaft beleben, sollte die Firmenbonds auch weiter stützen, meint Stefan Kolek, Kreditstratege bei Unicredit. Für bessere Stimmung unter den Käufern von Unternehmensanleihen sorgte gestern zudem, dass die britische Notenbank ankündigte, zusätzlich zu Staatsanleihen auch Anleihen britischer Unternehmen zu kaufen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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