Rentenmarkt
Düstere Aussichten für Hybridanleihen

Der Rekordverlust der Dresdner Bank und die daraus folgenden Belastungen für nachrangige Gläubiger haben dramatische Konsequenzen für den Markt der Hybridanleihen.

FRANKFURT. "Auf absehbare Zeit lassen sich Anleihen, die Banken auf ihr regulatorisches Eigenkapital anrechnen können, nicht mehr platzieren", sagt Alexander Plenk, Analyst für Bankenanleihen bei Unicredit. Auch Analyst Ralf Burmeister von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) meint, dass der Markt für die Banken nun "schlicht tot" ist.

Damit versiegt für die Banken eine wichtige Quelle, um ihr Eigenkapital aufzubessern. Banken können hybride Anleihen auf ihr Kapital anrechnen, weil sie von den Bedingungen her zum Teil eher Aktien als Anleihen ähneln. Dabei gibt es verschiedene Formen. Die größten Risiken drohen Investoren bei stillen Einlagen und sogenannten Upper-Tier-2-Anleihen wie zum Beispiel Genussscheinen. Grund: Bei diesen nachrangigen Anleihen können Anleger am Bilanzverlust der Banken beteiligt werden. Das bedeutet, dass ein Teil des Kapitals schlicht aufgezehrt wird, weil die Banken die Papiere zunächst nicht mehr zum Nennwert von 100 Prozent, sondern nur noch mit einem Abschlag zurückzahlen müssen. Zudem können bei Tier-1-Papieren - der internationalen Form stiller Einlagen - und bei Upper-Tier-2-Bonds die Zinsen ausfallen.

Mit der Dresdner Bank, die 2008 einen Verlust von 6,3 Mrd. Euro eingefahren hat, tritt die Verlustbeteiligung nun erstmals bei einer Großbank ein. Bislang mussten nur die Gläubiger kleinerer, angeschlagener Häuser wie etwa der Mittelstandsbank IKB oder der maroden Hypothekenbank AHBR bluten. Als Belastung kommt hinzu, dass schon im Dezember die Bayern LB angekündigt hat, Zinsen auf Hybrid-Kapital nicht zu zahlen. Dies geschah auf Druck der EU-Kommission, nach deren Auffassung Zinszahlungen nicht mit bayerischen Beihilfen vereinbaren sind.

Bei der Dresdner Bank sind Papiere über 1,75 Mrd. Euro betroffen. Unicredit-Analyst Plenk erwartet, dass die Rückzahlungswerte der Papiere um gut 36 Prozent gekürzt werden. Im Umfeld der Dresdner hält man diese Schätzung für realistisch. Die Zinszahlungen auf die Dresdner Genussscheine fallen zunächst aus. Bei den stillen Einlagen wird der Zinsschein nach Berechnungen von Plenk von derzeit 6,352 auf 4,05 Prozent gekürzt. Grund ist, dass die ehemalige Dresdner-Mutter Allianz sich dazu verpflichtet hat, im Zweifelsfall einen Teil der Zinsen zu zahlen. Details werden Investoren aber erst Mitte März erfahren, wenn die Dresdner Bank ihren testierten Abschluss veröffentlicht.

Die Commerzbank, ihre Tochter Eurohypo und viele defizitäre Landesbanken haben zwar angekündigt, ihre Hybrid-Papiere in diesem Jahr zu bedienen. Doch für 2010 sieht es finster aus.

So muss die Commerzbank nach dem Kauf der Dresdner Bank auch für deren Anleihen gerade stehen. Und eigene Hybrid-Anleihen darf sie erst bedienen, wenn sie die versäumten Zinsen auf die Dresdner-Genussscheine zahlt und den Nominalwert der stillen Einlagen wieder anhebt. Analysten erwarten, dass die Commerzbank 2009 einen Milliardenverlust einfährt. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie alle Verpflichtungen auf Hybride erfüllen kann. Die Ratingagentur Moody's stufte deshalb gestern die Bonität einiger hybrider Papiere der Commerzbank und ihrer Töchter Eurohypo und Essen Hyp vom vergleichsweise sicheren Bereich Investment-Grade in den Junk-Bereich für ausfallgefährdete Anleihen herab.

Verheerend ist zudem die Signalwirkung durch den Schritt der Dresdner Bank: "Die Kapitalherabsetzungen der Dresdner kamen überraschend, vor allem weil die Commerzbank Nachrangkapital bedient hat", sagt Burmeister von der LBBW. "Deshalb dürfte die Hemmschwelle bei potenziellen Nachahmern sinken", sagt der Analyst.

Damit dürfte den Banken die Kapitalbeschaffung über Hybrid-Anleihen komplett versperrt sein. Denn Investoren, zu denen zum Beispiel Versicherer und Pensionskassen gehören, pochen auf die Zahlungen. So hatte erst kürzlich hat die Bayerische Versicherungskammer die Emittenten gewarnt: "Wir gehen davon aus, dass die Banken diese Anlageformen weiter bedienen, da sie ansonsten ihre Refinanzierungsmöglichkeiten am Markt verlieren", sagte eine Sprecherin. cü/rl/hgn

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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