Risikoaufschläge sind wieder gesunken
Experten misstrauen Firmenanleihen

Hohe Kurse von Unternehmensanleihen bereiten vielen Experten Sorgen. Sie gehen zwar davon aus, dass sich der Markt in diesem Jahr noch auf hohem Niveau hält. Im nächsten Jahr könnten aber Rückschläge drohen.

FRANKFURT/M. Die Strategen von zum Beispiel Axa Investment Managers, BNP Paribas, Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), Hypo-Vereinsbank (HVB) und Morgan Stanley empfehlen Anlegern deshalb, Firmenanleihen im Bondportfolio unterzugewichten.

Derzeit liegen die Kurse von Unternehmensbonds mit Ratings innerhalb der vergleichsweise sicheren Ratingkategorie Investment Grade wieder auf dem Niveau vom Beginn dieses Jahres. Im Schnitt bieten Zinspapiere von Unternehmen gemessen am Merrill-Lynch-Index 0,54 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen. Die Risikoaufschläge (Spreads) liegen damit erneut auf historisch sehr niedrigen Niveaus, nachdem sie im Frühjahr angesichts der Probleme der US-Autokonzerne General Motors und Ford deutlich gestiegen waren. Anleiherenditen und Spreads entwickeln sich gegenläufig zu den Kursen. Die Skeptiker rechnen zwar nicht mit einem drastischen Einbruch des Marktes, aber mit zumindest leicht steigenden Spreads.

„Die Situation für Unternehmensanleihen wird sich im nächsten Jahr voraussichtlich etwas eintrüben“, sagt Arndt Muthreich, der bei DrKW in London das Research für Unternehmensanleihen leitet. So erwartet er zum einen, dass Unternehmen sich mit schwächerem Gewinnwachstum konfrontiert sehen. „Deshalb werden sie unter anderem versuchen, durch Übernahmen zu wachsen – und das geht oft mit einer für Anleihebesitzer schlechten höheren Verschuldung einher.“

Auch Michael Zaiser, Stratege bei der HVB, sieht Fusionen und Übernahmen als wichtiges Thema für das kommende Jahr. Einen Vorgeschmack lieferte jüngst die spanische Telefónica, die den britischen Mobilfunkanbieter O2 für umgerechnet 26 Mrd. Euro in bar übernehmen will. Dafür bekommt Telefónica Kredite von Banken, die zum Teil später durch Anleihen abgelöst werden sollen.

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