Schuldenkrise
Experten sehen keinen Domino-Effekt

Eine Eskalation wie im Falle von Dubai World halten Fachleute bei den anderen großen Konglomeraten im Emirat für unwahrscheinlich. Die Gefahr von Liquiditätsengpässen sei deutlich geringer. Auch die Schuldenlast erstrecke sich über wesentliche längere Zeiträume.
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DUBAI. "Das Problem der Staatsholding Dubai World ist sehr spezifisch", sagte Philipp Lotter von der Ratingagentur Moody's dem Handelsblatt. Eine Eskalation wie im Falle von Dubai World sei bei den beiden anderen großen Konglomeraten im Emirat, der Dubai Holding und der Investment Corporation of Dubai (ICD), nicht zu erwarten. "Bei beiden Unternehmen ist die Gefahr von Liquiditätsengpässen wesentlich geringer", schätzt Lotter. Moody?s hat die Verschuldung der Dubai Holding Commercial Operations, einem Teilbereich der Gruppe, mit 3,2 Mrd. Dollar beziffert. Die Muttergesellschaft ICD kommt demnach ohne ihre Beteiligungen auf sechs Mrd. Dollar. Das ist in der Summe weit weniger als die 59 Mrd. Dollar, mit der Dubai World in der Kreide steht.

Während Dubai World in den nächsten drei Jahren Darlehen mit einem Volumen von rund 50 Mrd. Dollar schultern muss, erstreckt sich die Schuldenlast der anderen Konzerne über einen wesentlich längeren Zeitraum.

Die Privatschatulle des Emirs

Für die Dubai Holding gelten zudem Sonderbedingungen. Sie ist ein privates Investmentvehikel des Herrschers von Dubai, Scheich Mohammed. Banken und Investoren gehen davon aus, dass der Emir im Notfall Kapital aus seiner Privatschatulle locker machen würde. Wie die anderen großen Konzerne in Dubai ist die Dubai Holding stark diversifiziert. Zum Geschäftsbereich gehören Hotels, verschiedene steuerfreie Sonderwirtschaftszonen sowie Immobilien- und Investmentgesellschaften. Die Investmentfirma Dubai International Capital ist international breit aufgestellt. So hält das Unternehmen mehr als zwei Prozent Anteile an EADS. In Deutschland hat Dubai International Capital 2007 den Aluminiumproduzenten Almatis sowie den Industrieverpackungsanbieter Mauser zu 100 Prozent übernommen.

Experten weisen darauf hin, dass die Dubai Holding bereits vor Monaten mit einschneidenden Umstrukturierungen begonnen habe.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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