Schuldenschnitt auf der Kippe
Der Countdown für Griechenland läuft

Das Drama um Griechenland nähert sich dem Höhepunkt. An den Finanzmärkten macht sich Nervosität breit. Die Banker richten sich auf eine lange Nacht ein. Scheitert der Schuldenschnitt etwa noch?
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Nächster Akt im Drama, das den Titel tragen könnte "Griechenlands Untergang oder Rettung": Am Donnerstagabend um 21 Uhr läuft die entscheidende Frist ab. Bis dahin haben die Gläubiger noch Zeit, um zu entscheiden, ob sie beim Schuldenschnitt für Griechenland mitmachen oder nicht. Sie sollen auf Forderungen in Höhe von 100 Milliarden Euro verzichten. Bislang liegt die Quote derjenigen, die sich an dem Schnitt beteiligen, bei 39,3 Prozent, teilte der Internationale Bankenverband IIF am Nachmittag in Paris mit. Die Regierung in Athen will eine Beteiligung von 75 Prozent erreichen. Wie viele der Gläubiger sich tatsächlich beteiligen, und was passiert, wenn es nicht genug sind, kann im Moment niemand mit Sicherheit sagen. Umso mehr machen Gerüchte die Runde – teils sind sie gezielt geschürt.

Die größte Sorge: Sollte der Schuldenschnitt noch auf den letzten Metern scheitern, dann droht im schlimmsten Fall eine unkontrollierte Pleite des Landes. Innerhalb weniger Tage wäre Griechenland zahlungsunfähig. Das würde nicht nur Griechenland in eine tiefe Krise stürzen, sondern die Gläubiger – allen voran die Banken – gleich mit.

An den weltweiten Finanzmärkten macht sich Nervosität breit. Der Dax war am Dienstag um mehr als drei Prozent abgerutscht. Heute erholt er sich wieder. Aber es bleibt eine Zitterpartie. Ein Händler an der Börse in Tokio bringt es auf den Punkt: „Wenn Griechenland den Deal nicht zustande bekommt, dann wäre das der 'game changer'.“

Inzwischen mehren sich die Stimmen, die vor einer ungeordneten Insolvenz warnen. „Unsere Einschätzung, wie der Schuldenschnitt ausgehen wird, hat sich dramatisch gedreht“, sagte Ulrich Schröder, Chef der KfW-Bankengruppe, beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Er habe Anzeichen aus dem Markt, nach denen sich bis Donnerstagabend nicht genügend private Gläubiger freiwillig an dem Schuldenschnitt beteiligen könnten.

Auch die Euro-Retter sind besorgt: Im niederländischen Parlament sagte Finanzminister Jan Kees de Jager, die Sorgen über ein mögliches Scheiterns des Plans seien gerechtfertigt. Er könne keine Prognose über den Ausgang abgeben.

Die griechische Regierung beschwichtigt. Viele Gläubiger hätten sich bereits gemeldet, erklärte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums. Eine genaue Zahl wollte er aber nicht nennen. Wenn es nach den Griechen geht, dann hört sich alles ganz einfach an: Entweder stimmen von vornherein genügend Gläubiger dem „freiwilligen“ Schuldenschnitt zu, oder die Widerwilligen werden per Gesetz zum Schuldenschnitt gezwungen.

Insgesamt sollen die Privatgläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Für 31,5 Prozent des Nennwerts bekommen sie neue griechische Staatsbonds mit Laufzeiten von elf bis 30 Jahren und einem zeitlich gestaffelten Kupon von zwei bis 4,3 Prozent. Die restlichen 15 Prozent werden durch zweijährige Anleihen des Euro-Rettungsfonds EFSF ersetzt. Durch den Verzicht sowie die neuen Konditionen dürfte sich der Verlust der Investoren letztlich in einer Größenordnung von 70 Prozent bewegen.

Doch so reibungslos, wie es die griechische Regierung gerne hätte, wird der Schuldenschnitt nicht über die Bühne gehen.

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  • Wenn die privaten Gläubiger nicht hinreichend zustimmen bedeutet das die Einschätzung, dass Griechenland insolvent ist. Jeder weiss das sowieso. Das laufende Theater der europäischen Politik führt also zu nichts, denn Wahrheit bleibt Wahrheit. Es geht eher um Lastenverteilung, die wie immer zu ungunsten der Steurzahler erfolgen wird. Skandal ist, dass europäische Politiker 'No-bail-out' vereinbaren und seit zwei Jahren das Gegenteil tun.

  • Die 130 Milliarden wurden bewilligt unter der Bedingung, daß zuerst der Schuldenschnitt erfolgreich durchgeführt wurde. Vorher, oder im Fall des Scheiterns, bekommt GR die 130 Milliarden nicht.

  • Es gibt Momente, da stellt sich in meiner Magengegend das warme, angenehme Gefühl tiefster Dankbarkeit ein für die Väter des Grundgesetzes, daß sie uns so wirkungsvoll vor der direkten Demokratie beschützt haben.

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