Schuldenschnitt
Ausfallversicherungen müssen ausgezahlt werden

Athen wird beim Schuldenschnitt voraussichtlich Umschuldungsklauseln einsetzen. Experten gehen davon aus, dass nun auch CDS ausgezahlt werden müssen. Wer griechische Bonds versichert hat, muss den Schaden begleichen.
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Der "freiwillige" griechische Schuldenschnitt wird aller Voraussicht nach noch einen Schritt unfreiwilliger als ursprünglich geplant: Fachleute erwarten, dass sich mittlerweile so viele Anleihebesitzer am griechischen Schuldenschnitt beteiligt haben, dass die verbleibenden Opponenten ebenfalls zu ihrer eigenen Enteignung gezwungen werden können. Gerade bei den Besitzern von Staatsanleihen, für die griechisches Recht gilt, sind die Hürden relativ niedrig: Es genügt, wenn Gläubiger, die 50 Prozent der Anleihen besitzen, sich an der Abstimmung beteiligen und mit einer Mehrheit von 66 Prozent für einen Schuldenschnitt stimmen. Dann würden bei diesen Anleihen die Umschuldungsklauseln greifen.

Die Folge: Auch für alle übrigen Besitzer der Anleihen nach griechischem Recht wäre der Schuldenschnitt bindend. Das bedeutet, dass im Extremfall die Besitzer von einem Drittel des Anleihevolumens allen anderen einen Schuldenschnitt aufzwingen können, nämlich 66 Prozent von den 50 Prozent. Griechisches Recht gilt für das Gros der griechischen Staatsanleihen: 177 von 206 Milliarden Euro sind davon betroffen. Nach Einschätzung von Analysten der Commerzbank ist diese Schwelle längst erreicht. Denn gestern meldete der Weltbankenverband IIF bereits, dass aus seinen Reihen schon mehr als 30 Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften zugesagt hätten, etwa die Deutsche Bank, Commerzbank, BNP Paribas, Société Générale und Axa.

Diese besitzen 84 Milliarden Euro an Staatsanleihen, womit bereits 40,8 Prozent aller Anleihebesitzer mit von der Partie sind. Addiere man die 17 Milliarden Euro griechischer Pensionsfonds, die 250 Millionen Euro der KfW und die acht Milliarden Euro hinzu, die bei der Bad Bank der HRE liegen, läge die Beteiligungsquote schon bei mehr als 50 Prozent, schreibt die Commerzbank. Die KfW hatte ihre Beteiligung gestern angekündigt, bei der Bad Bank der HRE, der FMS Wertmanagement, gilt sie als sicher. Gehe man davon aus, dass die Anleihen dieser Gläubiger alle griechischem Recht unterworfen seien, läge der Anteil damit schon bei mehr als 60 Prozent.

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  • mit Versicherungen sind nicht die Versicherungen der Versicherungsunternehmen gemeint. Gemeint sind die CDS, die im Markt gehandelt werden und von vielen Finanzunternehmen, Banken, Finanzdienstleistern und Veersicherungen emittiert wurden. Werden die CDS gezogen, so werden vornehmlich Banken bluten müssen, nicht die Versicherungen. Die haben in ihren Kapitalanlagen eher Griechenlandanlagen und würden die Versicherungen ausgezahlt bekommen. Also umgekehrt!

  • Die kursen der Banken gehen hoch, die versicherer werden schon runter gehen oder ? jemand muss doch zahlen

  • Die Nachricht kam auf MEGA gegen 13.00 Uhr deutsche Zeit. Falls ich heute Abend Näheres erfahre, poste ich erneut.

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