Staatsanleihen
Banken setzen auf niedrigen Zins

Die wieder größere Risikofreude der Investoren hat die Kurse von sicheren Staatsanleihen der Industrienationen unter Druck gebracht. Seit der Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns Mitte März sind die Kurse von Staatspapieren gefallen und ihre Renditen gestiegen. Fachleute geben aber Entwarnung.

FRANKFURT. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – Messlatte für die Rentenmärkte im Euro-Raum – schnellte seither von 3,7 auf bis zu 4,2 Prozent nach oben. In den USA erhöhte sich die Effektivverzinsung zehnjähriger Papiere ebenfalls um einen halben Prozentpunkt auf bis zu 3,8 Prozent. Damit nähern sich die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum und in den USA ihren Niveaus vom Ende des vergangenen Jahres.

Fachleute geben aber Entwarnung und fürchten im Euro-Raum keinen weiteren deutlichen Renditeanstieg. Im Gegenteil: Einige Banken setzen sogar darauf, dass die Bond-Renditen auf Sicht von zwölf Monaten wieder unter vier Prozent fallen. Für die USA erwarten die meisten Volkswirte angesichts des erwarteten auslaufenden Zinssenkungszyklus der Notenbank Federal Reserve einen leichten Anstieg der zehnjährigen Renditen auf gut vier Prozent.

„Noch könnte es angesichts der hohen Inflationsdaten und zuletzt auch positiver Konjunkturdaten etwas zu früh sein, um langlaufende Euro-Anleihen zu kaufen“, meint Rainer Sartoris, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus. Im Herbst stehe dann aber mit Hoffnungen auf eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wende zu fallenden Kapitalmarktzinsen an.

Die Inflationsrate lag im Euro-Raum im April auf Jahressicht bei 3,3 Prozent und damit weiter deutlich über der von der EZB avisierten Marke von knapp zwei Prozent. Bessere Konjunkturdaten gab es zuletzt vor allem aus den USA. Dort fiel unter anderem die Zahl der neu geschaffenen Stellen weniger deutlich als befürchtet, und das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal noch leicht zu.

„Jetzt beginnen die Steuersenkungen im Rahmen des milliardenschweren Konjunkturprogramms die US-Wirtschaft zu stützen, dieser Effekt dürfte nach dem dritten Quartal aber auslaufen“, sagt Daniel Pfändler, Leiter der Zinsstrategie bei Dresdner Kleinwort. Wegen des anhaltenden Verfalls der Immobilienpreise rechnet er damit, dass die US-Rezession länger als zunächst erwartet andauert. Dies werde auch die Wirtschaft im Euro-Raum belasten.

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