Staatsanleihen
Nachfrage nach Venezuela-Bonds schwächelt

Ein neuer Devisenmarkt hilft Venezuela nur vorübergehend: Zwischendurch fragten Investoren in Dollar notierte Staatsanleihen nach, nun scheint der Boom jedoch vorüber. Dabei braucht das Land dringend mehr US-Valuten.
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Knapp zwei Monate ist es her, dass Venezuela einen neuen Devisenmarkt eingeführt hat – 27 Prozent haben in Dollar laufende venezolanische Staatsanleihen Anlegern seither eingebracht. Damit ist die Rendite der Benchmark-Anleihe mit Fälligkeit 2027 um 3,83 Prozentpunkte auf 12,04 Prozent gesunken.

Investoren waren optimistisch, dass es Unternehmen durch den neuen Devisenmarkt ermöglicht würde, Dollar zu bekommen, um Nahrungsmittel und Medikamente einzukaufen. Das Land leidet unter der weltweit höchsten Inflation von 57,3 Prozent, und Versorgungsengpässe bei Importwaren haben landesweit zu Demonstrationen geführt, die bislang mindestens 39 Todesopfer forderten.

Michael Ganske, Leiter Emerging Markets bei Rogge Global Partners in London, geht davon aus, dass die Kursgewinne abschmelzen werden. Der neue Devisenmarkt Sicad II hat sich als zu klein erwiesen und die Wirtschaft des Landes steht vor der zweiten Rezession in fünf Jahren. Für Jefferies wäre es „logisch”, wenn Investoren nun Gewinne mitnehmen, nachdem die Bonds fast den neunfachen Durchschnittsertrag für Entwicklungsländer eingebracht haben, basierend auf dem Bloomberg USD Emerging Market Sovereign Bond Index.

„Es gab eine übermäßige Begeisterung, dass etwas geschieht. Aber tatsächlich haben sich die fundamentalen Probleme der Wirtschaft nicht geändert”, sagte Ganske im Telefoninterview mit Bloomberg News. „Die Bonds haben im Gefolge der neuen Währungspolitik und der Jagd nach Rendite eine Rally hingelegt. Sie sind nicht mehr billig”, fügte er an.

Präsident Nicolas Maduro, der Wunschnachfolger des verstorbenen Hugo Chavez, hatte am 24. März Unternehmen und Privatpersonen erlaubt, erstmals seit vier Jahren legal Dollar zu kaufen und zu verkaufen. Am 4. April senkte Barclays ihre Prognose für den Dollar-Verkauf über Sicad II für dieses Jahr von 11,6 Milliarden Dollar auf 8,4 Milliarden Dollar, da sich der Markt abschwächte.

Die Zentralbank werde die täglichen Dollar-Käufe auf 200.000 Dollar für Unternehmen und auf 6.000 Dollar für Personen beschränken, und nur selten höhere Summen akzeptieren, sagten die Barclays-Strategen Alejandro Arreaza und Alejandro Grisanti.

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Bonds zu schnell gestiegen

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